Vor einigen Wochen habe ich meinem Q1-Kurs zu Stundenbeginn eine einzige Frage an die Tafel geschrieben:
„Is using AI to write an essay cheating?"
Kurzes Zögern — dann meldeten sich fast alle gleichzeitig. Die ersten Antworten waren eindeutig: „Natürlich" auf der einen Seite, „kommt darauf an" auf der anderen. Doch je länger wir sprachen, desto unschärfer wurde die vermeintlich klare Linie. Darf man sich Vokabeln vorschlagen lassen? Eine Gliederung? Den ganzen Text? Und ab wann hört Hilfe auf und fängt Täuschung an?
Schließlich sagte ein Schüler etwas, das die Klasse kurz innehalten ließ:
„It's not cheating if I still do the thinking. It's cheating if the AI does it for me."
In diesem Satz steckt die ganze Einheit.
Plötzlich ging es nicht mehr um ein fernes Zukunftsthema aus dem Lehrbuch, sondern um etwas, das längst auf den Tischen der Schülerinnen und Schüler liegt — genauer gesagt in ihren Hosentaschen. Daraus entwickelte sich genau die Diskussion, die das Thema verdient: Worauf kann ich mich verlassen, wenn eine KI mir etwas erzählt? Was passiert mit meinem eigenen Schreiben, wenn eine Maschine es übernimmt? Wer trägt die Verantwortung, wenn ein Algorithmus sich irrt? Niemand musste überzeugt werden, warum das wichtig ist. Diese Generation verhandelt diese Fragen jeden Tag.
Das Problem bei diesem Thema ist nicht fehlendes Interesse — es sind zwei Sackgassen.
Die erste ist der Hype. Wird Künstliche Intelligenz als ferne Science-Fiction behandelt — Roboter, Superintelligenz, „die Maschinen übernehmen" —, wirkt sie abstrakt und folgenlos. Das ist unterhaltsam, aber es schult kein Denken.
Die zweite ist das Verbot. Viele Schulen begegnen KI vor allem als Disziplinproblem: ChatGPT sperren, Täuschung verhindern, Aufsätze wieder handschriftlich schreiben lassen. Verständlich — aber pädagogisch eine vertane Chance. Denn was die Oberstufe und das Abitur verlangen, ist weder Staunen noch ein Verbot, sondern ein begründetes Urteil über eine ehrlich offene Frage. Und KI ist eine der wenigen wirklich offenen Fragen, die Jugendliche aus eigener Erfahrung kennen.
⚡ Sofort einsetzbarer Einstieg — keine Vorbereitung nötig

Frage an die Klasse (Think – Pair – Share, ca. 5 Minuten):
„Where's the line between using AI as a tool and letting it think for you?"
Kein Material, keine Folie. Die Frage zwingt die Lernenden, ihre eigene Praxis zu reflektieren — und öffnet sofort die ethische Argumentation auf AFB-III-Niveau.
Für die Sekundarstufe II haben sich ein paar Zugänge bewährt:
Konkrete Alltags-KI statt Science-Fiction — ChatGPT, Empfehlungsalgorithmen, Bildgeneratoren, Autocorrect. Die Lernenden nutzen all das täglich; man muss es nur sichtbar machen.
Echte Dilemmata statt Pro-und-Kontra-Listen — KI im Bewerbungsverfahren, in der Kunst, in der Prüfung. Fragen ohne einfache Antwort sind genau das, was AFB III verlangt.
Deepfakes und KI-generierte Inhalte — wenn sich Stimmen, Gesichter und ganze Texte fälschen lassen, was bedeutet das für Vertrauen? Hier trifft Technik auf Medienkompetenz.
KI als Werkzeug UND als Thema — eine Klasse über etwas diskutieren zu lassen, das sie selbst benutzt, erzeugt eine Beteiligung, die kaum ein anderes Thema erreicht.
Solche Zugänge tragen Speaking, Writing und Sprachmittlung gleichermaßen — und genau diese Kompetenzen braucht eine abiturrelevante Einheit im Englischunterricht der Oberstufe.
KI ist unter den großen Oberstufenthemen ein Sonderfall: Die Schülerinnen und Schüler diskutieren sie nicht nur, sie benutzen sie. Diese Doppelrolle — Werkzeug und Unterrichtsgegenstand zugleich — ist kein Problem, sondern der eigentliche didaktische Hebel. Sie erzeugt authentische Fragen, an denen sich echtes Urteilsvermögen schulen lässt.
Und sie lässt sich direkt an die etablierten Abituraufgabenformate anbinden. Die ethische Argumentation — „Should AI be allowed in exams?" — ist klassisches AFB III. Die Sprachmittlung eines deutschen Artikels über KI-Regulierung trainiert kritische Selektion unter Zeitdruck. Eine Karikatur zu Automatisierung oder Überwachung verlangt Beschreiben, Analysieren, Interpretieren und Bewerten. Und der argumentative Kommentar zu einer KI-Debatte ist Schreibkompetenz im Prüfungsformat.
Ein Punkt lohnt dabei besondere Aufmerksamkeit: KI klingt souverän, auch wenn sie falschliegt. Schülerinnen und Schülern beizubringen, eine flüssige, selbstbewusste Antwort trotzdem zu hinterfragen, ist eine der wertvollsten Kompetenzen, die der Unterricht heute vermitteln kann — und zugleich exakt das, was Analyse und Bewertung im Abitur bedeuten.
Aus der Arbeit mit Oberstufenklassen haben sich für mich drei Kriterien herausgeschält.
Ein sprachliches Gerüst senkt nicht das Niveau. Useful Phrases und ein vorentlastetes Vokabular helfen vor allem schwächeren Lernenden, ohne die stärkeren auszubremsen — beide arbeiten an derselben anspruchsvollen Aufgabe.
Differenzierung sollte mitgedacht sein, nicht nachträglich drangehängt. Eine Aufgabe, die sich ohne Zusatzaufwand auf zwei Niveaus geben lässt, spart in der Stunde echte Zeit.
Und Lösungserwartungen gehören dazu. Ein flexibler Erwartungshorizont — kein starres Punkteschema — gibt Sicherheit bei der Bewertung, ohne jede Schülerlösung in dieselbe Form zu pressen.
Gutes Material schafft genau solche Momente — weg von der theoretischen Diskussion, hin zu Situationen, in denen Lernende analysieren, hinterfragen und ihr Urteil begründen müssen. Wer das unterrichten möchte, ohne stundenlang eigene Materialien zu bauen: Die folgenden Ressourcen sind für genau diese Einheit gemacht, durchgängig B2–C1, sofort einsetzbar und abiturkompatibel.
Bundle KI & Technologie (16,99 € statt 25,94 €) — sieben aufeinander abgestimmte Materialien (Wortschatz, Diskussion, KI Prompt Engineering, Cartoon Analysis und ein Bundle Guide mit Lernpfad) für eine komplette Reihe von drei bis fünf Unterrichtsstunden. Der schnellste Weg, das Thema als Ganzes zu unterrichten.
AI Diskussion Karten (B2–C1) — Diskussionskarten im „Would You Rather…?"-Format zu KI in Bildung, Arbeit, Kreativität und Ethik, mit Speaking Support, Mediation und Useful Phrases. Authentische Sprechanlässe in 30 bis 60 Minuten, ohne Vorbereitung.
AI News – Mediation & Writing (B2–C1) — 18 Seiten mit Sprachmittlung und argumentativem Schreiben rund um KI in den Medien, inklusive Sprachhilfen und Erwartungshorizont. Die abiturrelevante Tiefe für eine vollständige Doppelstunde.
Einzeln einsetzbar — im Zusammenspiel ergeben sie eine vollständige, kompetenzorientierte Einheit. Und wenn du das Format erst einmal testen willst: Die kostenlose AI & Social Media Diskussion ist ein risikofreier Einstieg. Weitere Einzelmaterialien wie KI Sprachmittlung, AI Cartoon Analyse oder die Deepfakes-Einheit findest du im Shop.
Welche Erfahrungen hast du mit KI im Englischunterricht der Oberstufe gemacht? Lässt du ChatGPT bewusst in den Unterricht — oder bewusst draußen? Schreib es gern in die Kommentare — ich lese mit und freue mich über den Austausch.
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