„Es kam doch nicht plötzlich“ – warum schwierige Situationen im Unterricht oft viel früher anfangen

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Ich hatte letztens wieder so eine Situation, bei der ich im Nachhinein dachte: Eigentlich habe ich es die ganze Zeit gesehen, aber im Moment selbst habe ich trotzdem nichts gemacht, weil noch so viele andere Dinge parallel liefen.

Wir saßen ganz normal im Unterricht, die Kinder haben gearbeitet, und neben mir hat ein Kind die ganze Zeit leise vor sich hin gesummt. Nichts, was man sofort unterbrechen würde, nichts Lautes, nichts, was direkt stört. Das Problem war nur, dass das andere Kind daneben immer unruhiger wurde. Es hat zwar weitergearbeitet, aber nicht mehr richtig, hat immer wieder rübergeschaut und war gedanklich schon längst nicht mehr bei der Aufgabe.

Und genau das sind diese Momente, die im Alltag so leicht untergehen, weil sie noch nicht „auffällig genug“ sind.

Ein paar Minuten später war die Situation dann da. Ein lauter Satz, die Aufmerksamkeit der ganzen Klasse war sofort da, und das Kind selbst saß danach eher da, als wäre es überrascht, dass es jetzt so eskaliert ist.

Wenn man dann fragt, warum es so reagiert hat, kommt oft nicht viel zurück. Nicht, weil die Kinder nicht wollen, sondern weil sie es selbst nicht richtig greifen können. Für sie fühlt sich das wirklich so an, als wäre es plötzlich passiert.

Aber wenn man sich die Situation nochmal in Ruhe anschaut, wird ziemlich schnell klar, dass es eben nicht plötzlich war. Es hat sich aufgebaut, Schritt für Schritt, nur dass dieser Prozess für die Kinder kaum sichtbar ist.

Genau das ist etwas, was mir im Schulalltag immer wieder auffällt. Wir sprechen viel darüber, was Kinder gemacht haben, aber viel weniger darüber, was davor schon passiert ist. Dabei liegt genau da eigentlich der Schlüssel, weil dieser Moment davor oft noch der Punkt ist, an dem man überhaupt etwas verändern könnte.

Was mir in solchen Situationen hilft, ist, den Blick einmal bewusst zurückzunehmen und nicht nur das Verhalten am Ende zu betrachten, sondern gemeinsam mit den Kindern zu schauen, wie es überhaupt dazu gekommen ist. Und das funktioniert erstaunlich gut, wenn man es nicht abstrakt macht, sondern an einer konkreten Situation festmacht, die sie selbst kennen.

Ich habe dafür angefangen, mit einer ganz einfachen Szene zu arbeiten, die sich so oder so ähnlich ständig im Unterricht abspielt. Ein Kind summt vor sich hin, das andere wird immer genervter, verliert die Konzentration und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es laut wird. Das Entscheidende ist dann nicht, dass man über den Ausbruch spricht, sondern dass man gemeinsam zurückgeht und sich anschaut, was vorher schon da war.

In diesen Gesprächen passiert oft mehr, als man im ersten Moment denkt. Die Kinder fangen an zu merken, dass sie diese Zustände kennen, dass sie auch schon vorher genervt waren oder nicht mehr richtig zugehört haben, und dass sie das bisher einfach nicht bewusst wahrgenommen haben.

Das verändert nicht sofort das Verhalten, aber es verändert die Wahrnehmung. Und genau das ist der Punkt, an dem man später überhaupt erst ansetzen kann.

Ich habe mir daraus ein Material aufgebaut, das genau diesen Schritt unterstützt, weil mir im Alltag oft genau dieses Zwischending gefehlt hat. Also nicht noch ein weiteres Arbeitsblatt zu Gefühlen, sondern etwas, das wirklich an diese Situationen aus dem Unterricht andockt und den Kindern hilft, sich selbst darin wiederzuerkennen.

Wenn du solche Momente aus deinem Unterricht kennst, dann weißt du wahrscheinlich genau, was ich meine, und dann kann es sich lohnen, genau da einmal genauer hinzuschauen, anstatt erst bei dem anzusetzen, was am Ende passiert.

Das Material, mit dem ich arbeite, findest du hier -> Material

Tags: grundschule, soziales lernen, achtsamkeit, deeskalation, classroom management, autismus, adhs, herausforderndes verhalten

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