Warum Kinder oft genau wissen, was falsch ist und trotzdem nichts anders machen

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Mir ist das irgendwann im Unterricht so richtig bewusst geworden, als ich wieder vor einer Situation stand, die ich eigentlich schon kannte.

Ein Kind wird laut, schmeißt etwas auf den Tisch, ein anderes mischt sich ein, plötzlich ist Unruhe drin und man reagiert halt. Man spricht es an, versucht zu beruhigen, vielleicht auch zu klären, was gerade passiert ist. Und wenn man das Kind dann fragt, ob das so okay war, kommt meistens ziemlich schnell ein „nein“.

Das ist ja nicht das Problem.

Die meisten Kinder wissen ziemlich genau, dass ihr Verhalten gerade nicht gut war. Die können das benennen, oft sogar ziemlich klar. Aber wenn man dann einen Schritt weitergeht und fragt, was sie stattdessen hätten tun können, wird es still. Oder es kommt irgendwas wie „weiß nicht“ oder „keine Ahnung“.

Und genau an der Stelle merkt man, warum sich diese Situationen immer wiederholen.

Es fehlt nicht am Wissen, sondern an Alternativen.

Ich habe früher oft gedacht, dass es reicht, wenn man Dinge erklärt. Also zu sagen, wie man sich verhalten soll, was okay ist und was nicht. Aber im Alltag bringt das nur begrenzt etwas, wenn Kinder in dem Moment gar nicht wissen, wie sie anders reagieren könnten.

Gerade bei Kindern, die schneller impulsiv werden oder sich schwer tun, in Situationen ruhig zu bleiben, passiert das einfach automatisch. Da ist keine Pause dazwischen, in der sie überlegen, was jetzt eine gute Idee wäre. Es passiert einfach.

Und wenn sie keine konkreten Möglichkeiten im Kopf haben, greifen sie immer wieder auf das zurück, was sie kennen.

Was mir irgendwann geholfen hat, war, genau an diesem Punkt anzusetzen. Also nicht erst dann, wenn etwas passiert ist, sondern vorher.

Ich habe angefangen, Situationen gemeinsam mit den Kindern anzuschauen. Nicht ihre eigenen erstmal, sondern allgemeine. Bilder oder kleine Szenen, wie sie im Schulalltag ständig vorkommen. Wut, Streit, keine Lust anzufangen, Überforderung, dieses typische „ich mache jetzt einfach gar nichts mehr“.

Und dann sind wir da Schritt für Schritt durchgegangen.

Was passiert hier eigentlich genau
Warum könnte das so sein
Und was könnte dem Kind in dem Moment helfen

Das klingt erstmal einfach, aber genau da passiert oft etwas.

Die Kinder kommen ins Nachdenken, ohne dass sie sich selbst direkt rechtfertigen müssen. Sie sehen eine Situation von außen und haben plötzlich Ideen, auf die sie im eigenen Moment gar nicht gekommen wären.

Und wenn man das ein paar Mal macht, merkt man, dass sich etwas verändert.

Nicht sofort und nicht bei allen gleich stark, aber die Kinder fangen an, diese Gedanken mitzunehmen. Sie merken, dass es nicht nur eine Reaktion gibt, sondern mehrere Möglichkeiten. Und dass sie sich irgendwann entscheiden können, wie sie reagieren wollen.

Was ich daran im Alltag so hilfreich finde, ist, dass es nicht kompliziert sein muss.

Man braucht keine große Vorbereitung und keine perfekte Stunde. Es reicht oft, sich eine Situation zu nehmen und gemeinsam zu überlegen, was dahinter steckt und was helfen könnte.

Gerade bei den Kindern, bei denen man merkt, dass sich Dinge festfahren, ist das oft der erste Schritt raus aus diesem Kreislauf.

Weil sie nicht mehr nur hören, was sie falsch machen, sondern anfangen zu verstehen, was sie stattdessen tun könnten.

Ich habe mir dafür irgendwann ein paar feste Situationen zusammengestellt, die ich immer wieder nutzen kann. Einfach, weil ich gemerkt habe, dass genau diese Wiederholung wichtig ist.

Nicht immer neu erfinden, sondern an bekannten Situationen arbeiten und die Kinder Schritt für Schritt darin sicherer machen.

Und genau da liegt am Ende der Unterschied. Nicht darin, ob man einmal etwas gut erklärt hat, sondern ob Kinder wirklich eine Idee davon bekommen, wie sie im nächsten Moment anders reagieren können.

Das ist nichts, was man einmal macht und dann ist es erledigt. Aber es ist etwas, das den Alltag spürbar ruhiger macht, wenn man dranbleibt.

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Tags: grundschule, herausforderndes verhalten, autismus, adhs, sozialtraining, soziales lernen, classroom management, soziale emotionale entwicklung, sozialverhalten

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