Sehr oft wird ein Kind als faul oder unaufmerksam bezeichnet, oder man sagt: „Es interessiert ihn einfach nicht.“ Wenn man sich jedoch die Forschungsergebnisse ansieht, ist die Ursache in sehr vielen Fällen viel banaler: Das Gehirn des Kindes befindet sich einfach nicht auf dem erforderlichen Aktivierungsniveau.
Und genau hier wird es interessant. Der Aktivierungsgrad des Gehirns bei Kindern steht in direktem Zusammenhang mit Bewegung.
Wenn sich ein Kind bewegt, verbessert sich die Durchblutung des Gehirns. Subkortikale Strukturen und die Frontallappen werden aktiviert. Die Ausschüttung von Wachstumsfaktoren für Nervenzellen nimmt zu. Die exekutiven Funktionen verbessern sich – also Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und Selbstkontrolle.
Und jetzt kommt ein wichtiger Punkt, der häufig übersehen wird: Genau diese drei Funktionen beeinflussen maßgeblich den schulischen Lernerfolg. Nicht „Intelligenz“ als abstrakter Begriff, sondern die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten, eine Anweisung im Gedächtnis zu behalten und sich trotz starker Emotionen zu regulieren.
Und hier kommt der Punkt, der viele überrascht: Es reicht nicht, wenn ein Kind einfach „einmal pro Woche herumläuft“. Das Gehirn funktioniert nach dem Prinzip regelmäßiger Aktivierung und nicht nach dem Prinzip einer einmaligen Aktion.
Kinder brauchen mindestens etwa eine Stunde Bewegung pro Tag. Dabei geht es nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern um eine grundlegende Voraussetzung für das funktionierende Nervensystem.
Auf den Alltag übertragen bedeutet das: Ein aktiver Spaziergang kann durchaus mehrere Kilometer Bewegung am Tag beinhalten. Entscheidend ist jedoch nicht die Anzahl der Kilometer, sondern die regelmäßige Bewegung mit moderater Intensität.
Bewegung reduziert Stress und Angst. Ein erhöhtes Stressniveau wiederum beeinträchtigt Gedächtnis und Lernen. Ein Kind kann Schwierigkeiten in der Schule haben, nicht weil es sich „nicht genug anstrengt“, sondern weil sein Nervensystem gleichzeitig mit zu geringer Aktivierung und Überlastung arbeitet.
Das ist ungefähr so, als würde man versuchen, die Leistung eines Computers durch die Installation neuer Programme zu verbessern, obwohl ihm schlicht die notwendige Energie fehlt.
Wenn sich ein Kind zu wenig bewegt, sehen wir häufig ein typisches Muster: Es ermüdet schneller, kann sich schlechter konzentrieren, wird gereizter, merkt sich Informationen schlechter und braucht länger, um sich auf Aufgaben einzustellen.
Und umgekehrt: Bei regelmäßiger körperlicher Aktivität zeigen Kinder eine bessere Konzentration, stabileres Verhalten, bessere Leistungen bei Aufgaben und eine schnellere Erholung nach Belastungen.
Fazit: Rausgehen und bewegen! Nicht stattdessen vor Musik, Stricken oder den Computer setzen!
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