Notizen einer Psychologin aus der Frontstadt

Ich möchte mit Ihnen Wissen und praktische Ideen rund um Angst, Stress, emotionale Entwicklung und Resilienz teilen. Gemeinsam schauen wir darauf, wie wir Kinder dabei unterstützen können, schwierige Situationen besser zu bewältigen und ihre innere Stärke zu entwickeln.

Lassen Sie uns kennenlernen.

Mein Name ist Irina Bezuglaya. Ich bin Psychologin, Kunsttherapeutin und Logopädin und lebe in Charkiw in der Ukraine. Seit vielen Jahren entwickle ich praxisnahe Unterrichtsmaterialien für Lehrkräfte, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Eltern. Meine Materialien werden ins Deutsche übersetzt, damit sie auch im deutschsprachigen Raum im Unterricht und in der Beratung eingesetzt werden können.

Beginnen möchte ich mit einem Thema, das heute wichtiger ist denn je: Resilienz.

Wovon hängt sie ab? Wie entwickelt sie sich? Und wie können wir Kinder dabei unterstützen, mit Unsicherheit, Stress und Angst umzugehen?

Unsere Welt ist in vielen Bereichen unvorhersehbar geworden. Gerade deshalb brauchen Kinder Erwachsene, die ihnen Sicherheit, Orientierung und hilfreiche Strategien vermitteln.

In den kommenden Beiträgen werden wir Schritt für Schritt über Stress, Angst, emotionale Entwicklung und viele weitere Themen sprechen. Ich freue mich darauf, dieses Wissen mit Ihnen zu teilen.Die einfachste Praxis: Wasser trinken

Die einfachste Praxis, fast auf dem Niveau von „aufgestellt – und das Leben hat sich sortiert". Nimm eine anderthalb-Liter-Flasche Wasser und stell sie direkt neben dich – nicht irgendwo „in der Küche", sondern direkt vor deine Nase, damit sie dich ansieht und ein bisschen verurteilt. Und führe folgende Regel ein: Willst du etwas essen – erst ein paar Schlucke Wasser; greift die Hand zum Handy – Stopp, erst Wasser, dann darfst du dich reinhängen.

Das funktioniert nicht, weil „Wasser magisch ist", sondern weil du eine kleine Pause zwischen Impuls und Handlung einbaust. In diesem Moment schafft es das Gehirn, von der automatischen Reaktion zu einer bewussteren Wahl umzuschalten, und ein Teil der Impulse löst sich einfach auf, weil sie gar nicht von einem echten Bedürfnis kamen, sondern von Gewohnheit, Müdigkeit oder Überforderung. Besonders gut sieht man das beim Handy: erst Wasser, dann die Handlung – und du rutschst nicht mehr automatisch rein.

Probier es – und du wirst bemerken, dass sich nicht nur die Anzahl der Snacks oder die Zeit am Handy verändert, sondern auch das allgemeine Gefühl von Kontrolle über dein Handeln. Dabei ist entscheidend: nicht die Anstrengung, sondern die Umgebung. Die Flasche muss neben dir stehen, buchstäblich griffbereit. Ist sie nicht in Sichtweite, funktioniert die Praxis nicht, weil das Gehirn im Stress nicht daran denken wird.

Wichtig ist auch zu verstehen: Tee, Kaffee, süße Getränke oder Sprudelwasser sind kein Wasser. Der Körper nimmt sie anders wahr – als zusätzliche Belastung, als Stimulation oder sogar als Nahrung – und sie geben nicht denselben Effekt wie einfache Flüssigkeitszufuhr. Deshalb wird reines Wasser zur Basis, und alles andere ist bereits eine Ergänzung.

Und als Nebeneffekt – aber ein sehr angenehmer – sinkt nach und nach das Bedürfnis nach ständigem Kaffee oder Tee, weil sich ein Teil der Müdigkeit als nicht mit fehlender Stimulation, sondern mit einem schlichten Wassermangel verbunden herausstellt.

Etwas Theorie

Wenn du nicht trinkst, verstärkt sich die Angst. Der Wasser-Elektrolyt-Haushalt beeinflusst die Weiterleitung von Nervenimpulsen, und wenn ein Mensch ängstlich ist, spürt er oft keinen Durst – das heißt aber nicht, dass kein Wasser gebraucht wird. Kaffee und süße Getränke ersetzen Wasser nicht, deshalb lautet die Aufgabe: trinken.

Wasser ist der Transportweg im Körper.
Blut, Lymphe, die Flüssigkeit zwischen den Zellen – all das ist Wasser.
Und das ist nicht bildlich gemeint, sondern buchstäblich:

  • Nährstoffe → kommen bei der Zelle an

  • Sauerstoff → wird geliefert

  • Hormone → kommen an, geben das Signal

  • Abbauprodukte → werden abtransportiert

Ist zu wenig Wasser da:
→ das Blut wird dickflüssiger
→ der Stoffwechsel verlangsamt sich
→ es entstehen Müdigkeit, Kopfschmerzen, „Nebel im Kopf"

Das ist reine Physiologie.

Ist nicht genug Wasser vorhanden:

  • verschlechtert sich die Gehirnfunktion

  • sinkt die Konzentration

  • verstärkt sich die Müdigkeit

  • beginnt der Körper im „Mangel-Modus" zu arbeiten

Im Stress vergessen wir das Trinken erst recht. Man sollte sich wenigstens eine anderthalb-Liter-Flasche einschenken und über den Tag verteilt in kleinen Schlucken trinken. Probier es. Und dazu: Wenn du trinkst, lies keine Nachrichten. Viele Menschen öffnen das Handy, starren hinein und schütten dabei das Wasser in sich hinein.

Das sollte man nicht tun. Erstens – erinnere dich an das Experiment (zwar nicht wissenschaftlich bewiesen, aber trotzdem): Als man Wasser verschiedene Musik und verschiedene Worte „hören" ließ und fotografierte, wie sich die Struktur veränderte. Und wenn du „Nachrichten trinkst", wie treffend gesagt wurde – das ist keine besonders gesunde Variante für dich.

Und überhaupt: weniger Nachrichten – besser für dein Leben und deine Psyche. Deshalb legen wir das Handy weg und trinken und essen mit Genuss, während wir an etwas Gutes denken. Es ist hilfreicher, Essen mit etwas Angenehmem zu verbinden statt mit etwas Beunruhigendem.

Aufgabe 1

Stell das Wasser neben dich und trink! Und denk an etwas Gutes!

Tags: angst , emotionsregulation, selbstregulation

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