
„Jetzt halt doch einfach mal die Klappe!“
Und plötzlich sitzt da ein Kind im Klassenraum, das komplett hochgefahren ist, während alle anderen erstmal denken:
„Boah, warum reagiert der denn jetzt so extrem?“
Ganz ehrlich? Ich glaube, viele Situationen wirken von außen viel kleiner, als sie sich für manche Kinder tatsächlich anfühlen.
Gerade im Schulalltag passiert ja oft ganz viel gleichzeitig. Da summt jemand vor sich hin, zwei Kinder tuscheln, irgendwo kippt eine Trinkflasche um, jemand redet ständig dazwischen und vorne versucht noch jemand verzweifelt, die Aufgabe zu erklären. Und mittendrin sitzen Kinder, die eigentlich schon seit zwanzig Minuten innerlich immer angespannter werden, ohne selbst richtig zu merken, was gerade passiert.
Ich beobachte das im Schulalltag total oft:
Von außen sieht es irgendwann nur nach der „Explosion“ aus. Das Kind wird laut, diskutiert plötzlich aggressiv oder knallt irgendeinen Satz raus, bei dem alle denken:
„Jetzt übertreibt er aber.“
Aber eigentlich hat das Ganze oft viel früher angefangen.
Dieses dauernde Mithören. Dieses innerliche Genervtsein. Dieses Gefühl, sich plötzlich überhaupt nicht mehr konzentrieren zu können. Manche Kinder hängen sich dann komplett an einer Sache auf. Ein Geräusch, ein Blick, dieses ständige Reinreden oder verbessert werden. Und irgendwann ist einfach Schluss.
Was ich dabei immer spannend finde:
Nicht alle Kinder empfinden dieselben Situationen gleich.
Während manche über sowas einfach hinweggehen, bringt es andere komplett aus der Ruhe. Und genau das verstehen Kinder oft selbst nicht. Viele denken eher:
„Mit mir stimmt irgendwas nicht.“
Oder:
„Warum rege ich mich darüber so auf?“
Dabei ist genau DAS eigentlich die wichtige Erkenntnis:
Menschen nehmen Situationen unterschiedlich wahr.
Und ich finde, darüber wird im Schulalltag oft viel zu wenig gesprochen. Stattdessen geht es meistens erst dann los, wenn schon Streit entstanden ist oder jemand laut geworden ist.
Dabei wären genau diese Gespräche vorher eigentlich so wichtig.
Nicht dieses:
„Du musst dich besser kontrollieren.“
Sondern eher:
„Was passiert da eigentlich gerade bei dir?“
„Warum macht dich genau das so wütend?“
„Woran merkst du, dass es langsam kippt?“
„Und kennen andere Kinder das vielleicht auch?“
Wenn man solche Gespräche zulässt, passieren oft richtig gute Sachen. Kinder merken plötzlich, dass sie mit solchen Gefühlen nicht alleine sind. Dass andere manche Situationen komplett anders empfinden. Dass manche Dinge gar nicht absichtlich passieren und dass man trotzdem genervt sein darf.
Genau aus solchen Situationen im Schulalltag ist übrigens auch mein neues Material entstanden:
„Wenn andere mich nerven – Was dann bei mir passiert“.
Das Material ist als Karten- und Legespiel für Klasse 3–4 aufgebaut und eignet sich super für soziales Lernen, Klassenrat oder Gespräche über Konflikte im Klassenraum. Die Kinder sortieren typische Alltagssituationen, vergleichen Sichtweisen und sprechen darüber, warum manche Dinge sie sofort aus der Ruhe bringen – und andere eben gar nicht.
Und ehrlich? Genau bei solchen Themen entstehen oft die besten Gespräche.
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