Die meisten Konflikte kündigen sich an und wir übersehen sie trotzdem

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Ich hab irgendwann angefangen, mir Situationen im Unterricht nochmal im Kopf durchzugehen, einfach weil ich mich oft gefragt hab, warum manche Dinge immer wieder so eskalieren, obwohl man ja eigentlich schon Erfahrung hat und vieles schon hundertmal erlebt hat.

Und wenn ich ehrlich bin, war es ganz selten so, dass etwas wirklich komplett plötzlich passiert ist.

Es hat sich nur so angefühlt.

Wenn ich genauer hingeschaut habe, war da vorher schon etwas. Ein Kind wird unruhiger, ein anderes zieht sich zurück, jemand fängt an, sich umzudrehen oder ständig zu gucken, was die anderen machen, und das sind alles so Kleinigkeiten, die man zwar wahrnimmt, aber in dem Moment nicht weiter beachtet, weil man ja gerade mit ganz anderen Dingen beschäftigt ist.

Man ist im Unterricht ja nie nur bei einer Sache. Während du vorne etwas erklärst, meldet sich jemand, jemand anderes braucht Hilfe, irgendwo fällt etwas runter, und gleichzeitig laufen im Hintergrund schon diese kleinen Veränderungen ab, die man zwar kurz registriert, aber nicht richtig einordnet.

Ich hab früher oft gedacht, ein Kind ist halt gerade unkonzentriert oder hat keine Lust, und bin dann einfach weitergegangen, weil ich den Ablauf im Blick hatte. Im Nachhinein würde ich sagen, dass genau das oft schon der Punkt war, an dem sich etwas aufgebaut hat.

Nicht immer, aber oft genug.

Was ich mit der Zeit verändert habe, war gar nichts Großes, sondern eher mein Blick. Ich versuche inzwischen, diese kleinen Veränderungen ernster zu nehmen, ohne direkt eine große Sache daraus zu machen. Also nicht sofort eingreifen oder alles unterbrechen, sondern erstmal wahrnehmen, was da gerade passiert.

Wenn ein Kind plötzlich stiller wird als sonst oder unruhiger, dann ist das für mich mittlerweile kein Zufall mehr, sondern ein Hinweis, dass da gerade etwas im Hintergrund läuft. Und wenn man an dem Punkt schon kurz reagiert, reicht oft etwas ganz Kleines, um die Situation wieder ein bisschen zu stabilisieren.

Manchmal gehe ich einfach näher ran, ohne etwas zu sagen, manchmal stelle ich eine leise Frage oder gebe einen ganz konkreten nächsten Schritt, damit das Kind wieder reinkommt. Das sind keine großen Interventionen, aber sie passieren eben früher.

Früher habe ich oft erst reagiert, wenn etwas sichtbar wurde, also wenn es laut wurde oder jemand angefangen hat zu stören. Und dann ist man ja schon mitten drin, dann reagieren andere Kinder darauf, es entsteht Dynamik, und es wird automatisch schwieriger, das Ganze wieder runterzufahren.

Was ich gemerkt habe ist, dass genau diese Zeit davor eigentlich entscheidend ist, auch wenn sie im Alltag oft untergeht.

Das Schwierige daran ist, dass diese Signale nicht eindeutig sind. Es ist nicht so, dass ein Kind klar zeigt, jetzt gleich passiert etwas, sondern es sind eher so kleine Veränderungen, die man leicht übersieht, wenn man nicht bewusst darauf achtet.

Gerade bei Kindern mit herausforderndem Verhalten sieht man das eigentlich ganz gut, wenn man einmal anfängt, darauf zu achten. Die zeigen ziemlich früh, wenn sie überfordert sind oder wenn ihnen etwas zu viel wird, nur eben nicht so, dass es sofort auffällt.

Ich hab mir irgendwann angewöhnt, solche Situationen bewusster wahrzunehmen und im Kopf zu behalten, einfach um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann es bei welchen Kindern kippt. Das ist nichts, was sofort funktioniert, aber mit der Zeit wird man sensibler dafür.

Und das verändert tatsächlich auch den eigenen Alltag, weil man nicht mehr nur reagiert, wenn etwas schon passiert ist, sondern vorher ein bisschen steuern kann.

Das nimmt auch Druck raus, weil man nicht mehr ständig das Gefühl hat, man kommt immer erst dann ins Spiel, wenn es schon anstrengend wird.

Wenn du das Gefühl hast, dass Situationen bei dir oft „plötzlich“ entstehen, lohnt es sich wirklich, genau da mal hinzuschauen. Nicht mit dem Anspruch, alles perfekt zu erkennen, sondern einfach, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was vorher passiert.

Ich hab mir dafür irgendwann Dinge zusammengestellt, die mir helfen, diese Frühwarnzeichen nicht jedes Mal neu einordnen zu müssen, sondern schneller zu erkennen, was gerade läuft. Gerade im Alltag ist das für mich total hilfreich, weil man eben nicht die Zeit hat, sich das jedes Mal neu herzuleiten.

Und genau dadurch wird es oft ein Stück ruhiger, ohne dass man das Gefühl hat, man muss ständig mehr machen.

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Tags: grundschule, soziales lernen, soziale emotionale entwicklung, adhs, autismus, classroom management, sozialtraining, autismus-spektrum, #adhs

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