
Ich hatte letztens wieder so eine Situation, da hab ich schon vorher gemerkt, gleich wird’s schwierig. Da saß ein Kind, war schon die ganze Zeit unruhig, hat immer wieder reingeredet, ein anderes hat dann angefangen zu reagieren und ich hab innerlich schon gedacht, bitte jetzt nicht.
Und genau da passiert ja meistens das, was wir eigentlich kennen. Man sagt schnell was, oft auch ein bisschen schärfer, als man es geplant hatte, einfach weil man es stoppen will. In dem Moment fühlt sich das auch richtig an. Nur bringt es die Situation oft genau in die Richtung, die man eigentlich vermeiden wollte.
Was mir irgendwann aufgefallen ist, und das war eher so ein schleichender Prozess, ist dass es gar nicht die großen Ausraster sind, die entscheidend sind, sondern diese paar Sekunden davor. Also dieser Moment, in dem du merkst, jetzt kippt’s gleich.
Und wie man da reagiert, macht einen riesigen Unterschied.
Ich hab früher oft einfach sofort reagiert. Also wirklich direkt, kaum dass ich gemerkt habe, da passiert was. Einfach weil man ja auch will, dass es weitergeht, dass der Unterricht nicht komplett auseinanderfliegt. Und ganz ehrlich, manchmal ist das auch nötig.
Aber oft hab ich im Nachhinein gemerkt, dass ich damit eher Öl ins Feuer gegossen hab. Nicht absichtlich, aber einfach, weil ich selber schon genervt war oder angespannt.
Was ich dann irgendwann angefangen hab, war eigentlich total simpel. Ich hab versucht, mir in genau diesen Momenten ganz kurz Zeit zu nehmen. Also wirklich nur ein paar Sekunden. Nicht sichtbar für die Kinder, einfach für mich.
Kurz überlegen, was passiert hier gerade eigentlich wirklich. Ist das gerade ein Kind, das provoziert, oder eins, das überfordert ist, oder eins, das einfach gerade nicht mehr kann.
Und das klingt jetzt total basic, aber im Alltag überspringt man genau das.
Ich hab zum Beispiel gemerkt, dass ich oft viel zu schnell auf das Verhalten gehe. Also auf das, was man sieht. Und viel zu wenig darauf, was dahinter steckt. Und dann reagiert man halt entsprechend. Und das Kind reagiert wieder darauf. Und dann bist du in so einer Spirale drin, die man eigentlich gar nicht wollte.
Was mir auch extrem geholfen hat, war mein Ton. Das klingt banal, aber es macht einen Unterschied. Wenn ich selber schon angespannt bin und das im Ton drin ist, dann merkst du sofort, wie die Situation sich auflädt.
Wenn ich es schaffe, ruhig zu bleiben, auch wenn ich innerlich denke „nicht schon wieder“, dann bleibt es oft kleiner. Nicht immer, aber oft genug, dass man es merkt.
Und ich hab mir irgendwann abgewöhnt, alles sofort vor der ganzen Klasse zu klären. Das war früher so ein Automatismus. Ein Kind macht was, ich reagiere laut, alle hören es, Thema erledigt. Dachte ich zumindest.
In Wirklichkeit hat es das Ganze oft nur größer gemacht. Gerade bei den Kindern, die sowieso schnell hochgehen. Wenn ich da näher rangehe und leiser spreche, passiert oft viel mehr.
Und dann gibt es noch diesen Punkt, den man echt leicht verpasst. Das Kind ist noch erreichbar. Es ist vielleicht schon laut oder angespannt, aber noch nicht komplett drüber. Und genau da kann man noch was drehen.
Wenn man erst reagiert, wenn alles schon eskaliert ist, wird es richtig anstrengend.
Ich sag das nicht, weil ich das immer perfekt mache. Überhaupt nicht. Ich kenn diese Situationen genauso, wo ich im Nachhinein denke, das hätte ich mir sparen können. Aber genau deshalb hab ich angefangen, mir für solche Momente ein paar Dinge zurechtzulegen.
Weil man in diesen paar Sekunden nicht anfängt, groß nachzudenken. Man macht das, was man kennt.
Und genau das ist für mich der Punkt. Ob ich einfach reagiere, wie immer. Oder ob ich ein paar Sachen im Kopf habe, auf die ich zurückgreifen kann. Das nimmt auch für einen selbst total viel Druck raus.
Wenn du das Gefühl hast, dass Situationen bei dir manchmal schneller hochgehen, als du willst, dann liegt das oft genau an diesen ersten Sekunden. Nicht daran, dass du es nicht kannst. Sondern daran, dass man im Alltag einfach funktioniert.
Mir hat es total geholfen, mir dafür konkrete Dinge zurechtzulegen, die ich nicht jedes Mal neu überlegen muss. Einfach, damit ich in genau diesen Momenten nicht nur reagiere, sondern wirklich steuern kann, was passiert.
Und das verändert mehr, als man denkt.
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