Manchmal sitze ich im Unterricht und habe das Gefühl, ich höre den ganzen Tag nur, was nicht funktioniert. Wer wieder dazwischen geredet hat, wer nicht gearbeitet hat, wer jemanden geärgert hat. Das ist ja auch logisch, weil genau diese Dinge Aufmerksamkeit brauchen und den Ablauf stören, aber wenn man mal ehrlich ist, nimmt das irgendwann ziemlich viel Raum ein.
Was mir dabei irgendwann aufgefallen ist: Die Kinder übernehmen genau diesen Blick. Die schauen auch die ganze Zeit darauf, was andere falsch machen. Die melden sich, um sich zu beschweren, die beobachten genau, wer sich nicht an Regeln hält, und sind da teilweise extrem aufmerksam. Wenn man sie dann aber fragt, wer heute jemandem geholfen hat oder wer sich besonders angestrengt hat, dann müssen viele erstmal überlegen. Und nicht, weil nichts passiert ist, sondern weil sie es einfach nicht gewohnt sind, darauf zu achten.
Ich habe das besonders bei den Kindern gemerkt, die eher ruhig sind. Die fallen ja selten auf, weder negativ noch besonders positiv, und genau das ist das Problem. Die machen viel richtig, aber es wird kaum benannt, kaum gesehen, und irgendwann lohnt es sich für sie gefühlt auch nicht mehr, sich anzustrengen, weil es sowieso untergeht. Gleichzeitig hast du die Kinder mit herausforderndem Verhalten, die ständig im Fokus stehen, weil sie eben auffallen. Die bekommen viel Rückmeldung, viel Aufmerksamkeit, nur eben meistens im negativen Kontext.
Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich daran etwas verändern muss, weil sich sonst an der Dynamik in der Klasse nichts ändert. Wenn ich immer nur reagiere, wenn etwas schiefläuft, verstärke ich genau das, was ich eigentlich weniger haben will. Das heißt nicht, dass man Dinge ignorieren soll, aber es reicht eben nicht, nur darüber zu sprechen, was nicht gut läuft.
Was ich dann angefangen habe, war eigentlich ziemlich simpel, aber im Alltag hat es einen großen Unterschied gemacht. Ich habe den Fokus bewusst verschoben und angefangen, mit den Kindern darüber zu sprechen, was gut läuft, und zwar nicht nur nebenbei, sondern so, dass es wirklich einen festen Platz bekommt. Am Anfang war das ungewohnt, auch für die Kinder, weil sie es einfach nicht kannten, aber nach und nach haben sie angefangen, genauer hinzuschauen.
Plötzlich kamen Rückmeldungen wie, dass jemand geholfen hat, ohne gefragt zu werden, oder dass jemand ruhig geblieben ist, obwohl es schwierig war. Das sind ja genau die Dinge, die man sich im Unterricht wünscht, die aber oft einfach untergehen, weil niemand sie anspricht. Und je öfter wir das gemacht haben, desto selbstverständlicher wurde es für die Kinder, darauf zu achten.
Was ich dabei gemerkt habe, ist, dass Kinder das wirklich lernen müssen. Dieses Wahrnehmen von positivem Verhalten passiert nicht automatisch, sondern braucht Übung, genauso wie alles andere auch. Gerade im Bereich soziales Lernen in der Grundschule ist das ein Punkt, der oft zu kurz kommt, weil der Fokus so stark auf Regeln und Konsequenzen liegt.
Für mich hat sich dadurch auch der Unterricht verändert. Nicht, weil plötzlich alles perfekt war, sondern weil die Stimmung eine andere wurde. Es war weniger dieses ständige „da stimmt wieder etwas nicht“ und mehr ein Gefühl von „da läuft auch schon einiges gut“. Und das hat sich auch auf die Kinder übertragen, weil sie gemerkt haben, dass nicht nur Fehler gesehen werden, sondern auch das, was funktioniert.
Ich habe mir dafür irgendwann eine einfache Struktur gebaut, die ich immer wieder nutzen kann, ohne lange darüber nachdenken zu müssen. Einfach etwas, das man in den Alltag einbauen kann, ohne dass es sich wie ein extra Programmpunkt anfühlt. Gerade im stressigen Schulalltag ist das ja wichtig, dass Dinge nicht noch mehr Aufwand machen, sondern eher entlasten.
Und genau das ist auch der Punkt, an dem ich gemerkt habe, dass solche kleinen Impulse oft mehr bringen als große Konzepte, die man einmal macht und dann wieder liegen lässt. Wenn Kinder regelmäßig erleben, dass positives Verhalten gesehen wird und sie selbst anfangen, darauf zu achten, verändert sich langfristig etwas in der Klasse.
Wenn du also das Gefühl hast, dass sich in deiner Klasse vieles um Störungen, Konflikte und herausforderndes Verhalten dreht und du den Blick ein Stück weit verändern möchtest, dann lohnt es sich, genau da anzusetzen. Nicht mit etwas Großem, sondern mit etwas, das sich in den Alltag integrieren lässt und den Kindern hilft, eine andere Perspektive zu entwickeln.
Ich habe dafür irgendwann Materialien genutzt, die genau diesen Fokus unterstützen, ohne dass ich jedes Mal neu überlegen muss, wie ich das aufbaue. Einfach etwas, das man rausholt und direkt einsetzen kann, wenn man merkt, dass der Blick wieder kippt. Und genau das macht es am Ende im Alltag so viel leichter.
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