Darf ich bitte meine Note verbessern?

Wer kennt es nicht, die Schüler*innen, die ein paar Wochen vor dem Ende des Schul(halb)jahres Panik kriegen, weil sie sich zu lange nicht ins Zeug gelegt haben und nun "mal eben" ihre Note verbessern wollen. Meist im Nebenfach. "Darf ich bitte ein Referat halten?", heißt es dann. "Nein, darfst du nicht!", lautet meine Antwort darauf.


Die Ausgangslage

Nunja, ganz so direkt bin ich nicht. Meiner Erfahrung nach geht es doch i.d.R. darum, dass auf dem Weg des geringsten Widerstands noch eine bessere Note zu erreicht werden soll, ohne viel dafür zu tun. Tritt ein*e Schüler*in mit dem Wunsch an mich heran, gibt es zwei Ausgangslagen: Der/Die Lernende...

(i) ...steht sicher in einem Notenbereich.
(ii) ...steht zwischen zwei Noten.

In Fall (i) ändert das Ergebnis von (vielleicht) zwei Wochen Arbeit, die man in ein Referat hineingesteckt haben wird, nichts an vorheriger vier bis fünfmonatiger Untätigkeit. In Fall (ii) könnte ein gutes(!) Referat den Ausschlag nach oben geben. Dennoch lehne ich in beiden Fällen den Wunsch nicht pauschal ab.

Missverständnisse auf Schüler*innenseite

Ich mache stattdessen deutlich, dass es auch schlechte Referate gibt, und eine Zusatzleistung nicht automatisch zu einer Verbesserung führt sondern gar den Ausschlag für die Wahl der schlechteren Note geben könnte. Das ist den meisten Schüler*innen gar nicht bewusst, die implizit wohl den positiven Ausgang vor Augen haben. Dann ist es mir lieber, gar nicht erst falsche Hoffnungen zu wecken, die ggf. nach Abschluss des Referat enttäuscht werden müssten. Die Zusatzleistung hätte dem/der Schüler*in nur Arbeit bereitet, die besser an anderer Stelle investiert gewesen wären.

Auch kommen die Lernenden häufig bereits mit einem konkreten Themenvorschlag zu mir: Über das "Leben von Albert Einstein" wolle man referieren. Oder über einen "Rover auf dem Mars". Reine Recherche also. Geschichte, gewissermaßen, oder auch Zeitgeschehen. Kein physikalischer Gehalt. Ich gebe den Kindern das zu bedenken und sage dann, dass wir ein Referatthema miteinander vereinbaren können, das sich am derzeitigen Unterrichtsgang orientiert. Hier sollte dann sowohl die Präsentation gelingen, als auch der Inhalt physikalisch korrekt präsentiert werden. Ich gebe dann meist nochmal Bedenkzeit mit dem Hinweis, man könne nochmal an mich herantreten. Ich denke, es wird niemanden überraschen: Der Wunsch wurde bisher noch nicht wieder wiederholt.

Was ist die Alternative

Was ich den Schüler*innen zu verstehen gebe ist, dass es mir lieber ist, sie legen sich nochmal im Unterricht ins Zeug und zeigen anhand des vorliegenden Unterrichtinhalts, was sie können und wollen. Da Noten ohnehin nicht rechnerisch bestimmt werden dürfen, kann die Lehrkraft bei einer positiven Prognose immer noch eine Entscheidung über die Note im Sinne der/des Lernenden treffen. Kann diese nicht gestellt werden, so ist es wie es ist: Die Leistung des Halbjahres wird mit dem quittiert, was tatsächlich geleistet wurde. Und Referate bleiben dort, wo sie hingehören: Vom Lehrer geplant, für die ganze Klasse, gleiche Chancen, in den Unterrichtsinhalt eingebettet.

Und jetzt die Finger auf die Tasten: Wie stehst du zum Thema Notenverbesserung durch Referate? Lass es mich in den Kommentaren dieses Posts wissen. Ich freue mich über dein Feedback.

Tags: Notenverbesserung, Referate, Referate halten, Zeugnis, Noten

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