Wenn Mathe auf einmal im echten Leben auftaucht – warum Geld, Uhrzeit und Größen oft schwieriger sind als gedacht

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Wie viel Uhr ist es in einer halben Stunde?“
„Reichen 5 Euro dafür?“
„Ist der Tisch ungefähr 80 Zentimeter oder 80 Meter lang?“

Eigentlich sind das keine besonders komplizierten Fragen. Zumindest nicht aus Erwachsenensicht. Für Kinder können genau solche Aufgaben aber erstaunlich schwierig sein – auch dann, wenn sie im Matheunterricht bei den einzelnen Themen gar nicht unbedingt auffallen.

Ein Kind kann Münzen und Scheine benennen und trotzdem nicht wissen, wie es 3,70 Euro passend bezahlen könnte. Es kann eine analoge Uhr ablesen und bei der Frage, wie lange es noch bis 10 Uhr dauert, komplett ins Stocken geraten. Und dass 100 Zentimeter ein Meter sind, kann perfekt auswendig gelernt sein, während gleichzeitig 15 Meter als völlig plausible Länge für einen Bleistift durchgehen.

Das wirkt manchmal widersprüchlich. Ist es aber eigentlich gar nicht.

Zwischen „Ich weiß das“ und „Ich kann damit etwas anfangen“ liegt ziemlich viel

Bei Geld, Uhrzeit und Größen geht es eben nicht nur ums Rechnen. Kinder müssen verschiedene Informationen gleichzeitig verstehen und miteinander verbinden.

Nehmen wir das Thema Geld. Natürlich müssen Münzen und Scheine erkannt werden. Aber im echten Leben liegt beim Bezahlen selten eine Aufgabe vor einem, auf der steht: „Berechne 5 € – 3 €.“ Ich muss einen Preis erfassen, überlegen, welches Geld ich habe, möglicherweise verschiedene Münzen kombinieren und einschätzen, ob mein Geld überhaupt reicht. Bekomme ich Wechselgeld, kommt direkt die nächste Anforderung dazu.

Bei der Uhrzeit ist es ähnlich. Eine Uhr mit 8:30 Uhr richtig abzulesen ist eine Sache. Zu verstehen, dass der Unterricht um 8:30 Uhr beginnt, 45 Minuten dauert und danach eine bestimmte Uhrzeit erreicht ist, ist schon etwas anderes. Und irgendwann kommen noch Vormittag und Nachmittag, Zeitspannen oder Fragen wie „Wie spät war es vor 20 Minuten?“ dazu.

Bei Größen merkt man den Unterschied besonders deutlich. Natürlich brauchen Kinder die Umrechnungen. Aber 1000 Gramm sind nicht einfach nur eine Zahl, die man irgendwie in Kilogramm verwandeln muss. Dahinter steckt eine reale Größe. Und genau diese Vorstellung muss sich erst entwickeln.

Im Arbeitsblatt sieht Mathe oft ordentlicher aus als im Alltag

Das ist auch einer der Gründe, warum Kinder bei klassischen Aufgaben manchmal ziemlich sicher wirken und das Gelernte trotzdem nicht automatisch übertragen.

Auf dem Arbeitsblatt steht vielleicht schon die Einheit hinter der Zahl. Die benötigten Informationen sind sauber sortiert. Oft ist durch die Überschrift sogar klar, was gerechnet werden soll. „Wir üben heute Wechselgeld.“ „Heute rechnen wir Zeitspannen.“ „Heute wandeln wir Zentimeter in Meter um.“

Im Alltag fehlt dieser Hinweis.

Da muss erst einmal erkannt werden, welches mathematische Wissen überhaupt gebraucht wird. Reicht mein Geld? Wie lange dauert das? Welche Einheit ergibt hier Sinn? Kann diese Angabe überhaupt stimmen?

Und genau an dieser Stelle zeigt sich häufig erst, wie sicher ein Thema tatsächlich verstanden wurde.

Deshalb finde ich es gerade bei diesen Inhalten wichtig, nicht nur zehn nahezu gleiche Aufgaben hintereinander rechnen zu lassen. Natürlich braucht es Wiederholung. Aber Wiederholung darf ruhig unterschiedlich aussehen.

Mal wird eine Uhr abgelesen, mal muss sie selbst eingestellt werden. Mal soll ein Betrag passend bezahlt werden und mal muss entschieden werden, ob das vorhandene Geld reicht. Ein anderes Mal wird tatsächlich gemessen, eine Skala abgelesen oder überlegt, welches Gewicht für einen Gegenstand realistisch sein könnte.

Das mathematische Thema bleibt dasselbe – aber das Kind muss sein Wissen immer wieder ein bisschen anders benutzen.

Alltagserfahrung hilft – aber sie ist bei Kindern sehr unterschiedlich

Was man dabei auch nicht vergessen darf: Kinder bringen ganz unterschiedliche Erfahrungen mit.

Das eine Kind darf beim Bäcker selbst bezahlen und kennt Münzen ziemlich gut. Ein anderes hat mit Bargeld im Alltag kaum Berührung. Manche Kinder schauen selbstverständlich auf eine analoge Uhr, andere sehen fast ausschließlich digitale Uhrzeiten. Und ob ein Kind schon einmal bewusst einen Liter Wasser abgemessen, etwas gewogen oder mit einem Zollstock gemessen hat, ist ebenfalls nicht selbstverständlich.

Wir können also nicht immer davon ausgehen, dass bestimmte Größenvorstellungen nebenbei schon irgendwie entstanden sind.

Umso sinnvoller finde ich es, solche Situationen auch im Unterricht immer wieder aufzugreifen. Natürlich ganz praktisch, wo es möglich ist: mit echtem Geld, Lineal, Messbecher, Waage oder einer richtigen Uhr. Aber eben auch in anderen Übungsformen, damit die Kinder möglichst viele Gelegenheiten bekommen, ihr Wissen anzuwenden.

Genau deshalb passen diese drei Themen für mich so gut zusammen

Geld, Uhrzeit und Größen werden im Mathematikunterricht meistens als einzelne Themen behandelt. Inhaltlich gehören sie für mich trotzdem ziemlich eng zusammen.

Bei allen drei Bereichen reicht es nicht, eine Rechenstrategie oder Umrechnung auswendig zu können. Kinder brauchen Vorstellungen, Zusammenhänge und Anwendungssicherheit. Und sie müssen lernen, mathematische Angaben auf ihre Plausibilität zu überprüfen.

Genau aus diesem Gedanken heraus habe ich inzwischen drei größere interaktive Lernspiele entwickelt: den Spielzeugladen zum Rechnen mit Geld, die Uhrenstadt rund um Uhrzeiten und Zeitspannen und den Messmeister zu Längen, Gewichten und Fassungsvermögen.

Die drei Spiele habe ich deshalb jetzt auch als Materialpaket „Mathe im Alltag“ zusammengefasst. Sie sind für Klasse 2–4 und den Förderunterricht gedacht und enthalten unterschiedliche Spielmodi und Schwierigkeitsstufen, sodass nicht nur eine bestimmte Aufgabenform immer wiederholt wird.

Denn am Ende ist für mich genau das der Punkt: Ein Kind soll nicht nur wissen, dass 100 Cent ein Euro, 60 Minuten eine Stunde und 100 Zentimeter ein Meter sind.

Es soll irgendwann auch wissen, was es damit anfangen kann.

-> Hier gehts zum Materialpaket

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Autor SozPädFö - Förderfreude bietet 76 Materialien für Fachübergreifendes, Mathematik und 5 weitere Fächer an - zum Beispiel:

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