Wenn 18 Meter für einen Bleistift plötzlich richtig klingen – warum Größenvorstellungen so wichtig sind

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„Ein Bleistift ist ungefähr 18 …?“
Zentimeter? Meter? Millimeter?

Manchmal kommen bei solchen Aufgaben Antworten, bei denen man im ersten Moment denkt: Das kann doch jetzt nicht ernst gemeint sein. Und dann merkt man ziemlich schnell, dass das Kind zwar schon weiß, dass es Zentimeter und Meter gibt, aber eigentlich noch gar keine richtige Vorstellung davon hat, wie viel ein Zentimeter oder ein Meter überhaupt ist.

Bei Gewichten ist es ähnlich. Ein Schulranzen wiegt 4 Gramm, ein Apfel vielleicht 2 Kilogramm und in eine Trinkflasche passen 500 Liter. Mathematisch sehen die Zahlen für das Kind vielleicht völlig unauffällig aus. Das Problem ist nicht unbedingt die Rechnung. Es fehlt die Vorstellung dahinter.

Einheiten kennen heißt noch lange nicht, Größen einschätzen können

Gerade beim Thema Größen kann man erstaunlich viel auswendig lernen, ohne wirklich verstanden zu haben, worum es geht. 100 Zentimeter sind ein Meter. 1000 Gramm sind ein Kilogramm. 1000 Milliliter sind ein Liter. Das lässt sich lernen und in einer Aufgabe vielleicht sogar richtig einsetzen.

Aber spätestens wenn keine reine Umrechnungsaufgabe mehr dasteht, sondern gefragt wird, wie lang ein Klassenzimmer ungefähr ist oder ob ein Ei eher 60 Gramm oder 6 Kilogramm wiegt, reicht dieses Wissen nicht mehr.

Kinder brauchen Vergleichsgrößen. Sie müssen irgendwann eine ungefähre Idee davon haben, wie lang ein Meter ist, was sich schwerer anfühlt als ein Kilogramm oder wie viel Flüssigkeit ungefähr in einen Liter passt. Das entsteht nicht dadurch, dass wir noch fünfmal „1000 g = 1 kg“ ins Heft schreiben lassen.

Natürlich gehört das Umrechnen trotzdem dazu. Aber es ist eben nur ein Teil des Themas.

Und dann ist da noch das eigentliche Messen

Beim Lineal merkt man ebenfalls schnell, ob ein Kind verstanden hat, was es da eigentlich tut. Solange der Gegenstand schön an der Null liegt und bei einer glatten Zahl endet, funktioniert das oft noch ziemlich gut.

Liegt der Stift aber plötzlich bei 3 cm an und endet bei 11 cm, wird gerne „11 cm“ als Länge genannt. Schließlich steht da ja die 11. Dass zwischen Anfang und Ende 8 cm liegen, ist schon eine ganz andere Anforderung.

Ähnlich sieht es beim Messbecher aus. Da muss nicht nur eine Zahl gefunden werden. Erst einmal muss verstanden werden, wie die Skala aufgebaut ist. Was bedeutet ein Strich? In welchen Schritten geht es weiter? Und wenn 700 ml im Gefäß sind: Wie viel fehlt eigentlich noch bis zu einem Liter?

Das sind viele kleine Dinge, die für uns Erwachsene völlig selbstverständlich wirken. Für Kinder müssen sie es aber erst werden.

Schätzen gehört für mich deshalb genauso dazu wie Rechnen

Schätzaufgaben wirken manchmal ein bisschen wie der nette Zusatz am Ende einer Buchseite. Dabei finde ich sie beim Thema Größen fast wichtiger als die nächste Umrechnung.

Wenn ein Kind entscheiden soll, ob ein Fußballfeld eher 100 Meter oder 100 Zentimeter lang ist, muss es sein mathematisches Wissen mit der echten Welt verbinden. Genau das brauchen wir später aber auch. Niemand läuft im Alltag herum und rechnet den ganzen Tag Maßeinheiten um. Wir müssen vor allem einschätzen können, ob etwas ungefähr passen kann.

Deshalb finde ich Aufgaben gut, bei denen Kinder auch einmal überlegen müssen: Was könnte stimmen? Wie schwer könnte ein Fahrrad sein? Welche Einheit würde ich für die Länge eines Radiergummis benutzen? Was könnte ungefähr einen Liter fassen?

Und natürlich darf man daneben weiterhin ganz praktisch messen, schütten, wiegen und ausprobieren. Ein digitales Spiel ersetzt keinen echten Messbecher und kein Lineal. Muss es aber auch gar nicht. Es kann eine zusätzliche Möglichkeit sein, genau diese Zusammenhänge immer wieder zu üben, ohne dass jedes Mal die halbe Klasse mit Wasser hantiert. 😉

Genau daraus ist mein „Messmeister“ entstanden

Ich wollte deshalb ein Spiel entwickeln, in dem es nicht nur heißt: „Wandle 100 cm in Meter um.“ Im Messmeister kommen Längen, Gewichte und Fassungsvermögen aus verschiedenen Richtungen vor.

Die Kinder messen Gegenstände am Lineal, erkennen richtiges und falsches Messen, lesen Messbecher ab, vergleichen Gewichte und überlegen, welche Einheit zu einem Gegenstand passt. Sie schätzen Alltagsgrößen, rechnen Einheiten um und müssen immer wieder entscheiden, welche Angaben überhaupt realistisch sein können.

Dabei gibt es verschiedene Schwierigkeitsstufen und insgesamt neun Spielmodi, sodass nicht jedes Kind dieselben Aufgaben bearbeiten muss. Das Spiel lässt sich deshalb in Klasse 2 bis 4 genauso einsetzen wie im Förderunterricht oder einfach zwischendurch zur Wiederholung.

Mir war dabei vor allem wichtig, dass das Thema Größen nicht auf Umrechnen reduziert wird. Denn am Ende möchte ich nicht nur, dass ein Kind weiß, dass 1000 ml ein Liter sind. Es soll irgendwann auch eine Idee davon haben, wie viel ein Liter eigentlich ist.

Und wenn der Bleistift dann irgendwann keine 18 Meter mehr lang ist, sind wir schon ein gutes Stück weiter. 😄

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