Warum es AulaVerba gibt – und warum Unterrichtsmaterial für mich im Klassenzimmer bestehen muss

Wird veröffentlicht am: 2. Oktober 2026, 22:05

Wenn man selbst unterrichtet, merkt man ziemlich schnell, was auf dem Papier gut aussieht – und was in einer echten Unterrichtsstunde tatsächlich funktioniert.

Ich unterrichte Englisch und Spanisch am Gymnasium. Wie wahrscheinlich viele Kolleginnen und Kollegen verbringe ich dabei regelmäßig mehr Zeit mit der Vorbereitung einzelner Stunden, als ursprünglich geplant war. Ein Text passt sprachlich nicht ganz zur Lerngruppe. Eine Aufgabe im Lehrbuch ist eigentlich gut, braucht aber noch einen Zwischenschritt. Für eine Präsentation fehlen Sprachhilfen. Oder eine Übung funktioniert zwar fachlich, führt aber am Ende nicht zu dem Ergebnis, das ich eigentlich erreichen möchte.

Aus solchen Situationen ist AulaVerba entstanden.

Nicht möglichst viel Material – sondern möglichst brauchbares

Bei der Entwicklung meiner Materialien stelle ich mir inzwischen vor allem eine Frage:

Könnte eine Kollegin oder ein Kollege dieses Paket herunterladen und morgen damit unterrichten?

Für mich bedeutet das mehr als eine schöne Präsentation und ein Arbeitsblatt.

Eine Unterrichtsstunde braucht einen nachvollziehbaren Aufbau. Schülerinnen und Schüler müssen wissen, was sie tun sollen und warum. Anspruchsvollere Aufgaben brauchen vorher ausreichend Input und sprachliche Unterstützung. Und wenn ich von Lernenden einen analytischen Absatz, eine Argumentation oder eine Präsentation erwarte, muss ich ihnen auch zeigen, wie ein gutes Ergebnis aussehen kann.

Deshalb gehören für mich zu einem vollständigen Material auch Dinge, die beim Erstellen viel Zeit kosten, im Unterricht aber einen großen Unterschied machen: Musterlösungen, Erwartungshorizonte, Differenzierung, Sprachhilfen, Lehrerhinweise und ein realistischer Verlaufsplan.

Meine Materialien entstehen aus Unterricht

Viele Ideen bei AulaVerba entstehen nicht am Schreibtisch mit der Frage „Was könnte man verkaufen?“, sondern aus meinem eigenen Unterricht.

Wenn ich zum Beispiel merke, dass Schülerinnen und Schüler bei einer Analyse zwar sprachliche Mittel finden, aber kaum erklären können, was diese eigentlich bewirken, entsteht daraus eine Stunde wie „From Wording to Analytical Paragraphs“.

Wenn in Spanisch Grammatik zwar formal verstanden wird, aber in der Kommunikation nicht sicher angewendet werden kann, versuche ich, daraus eine Stunde zu entwickeln, in der die Struktur tatsächlich gebraucht wird – etwa bei Relativsätzen, ser, estar und hay oder dem Subjuntivo.

Und wenn eine Stunde funktioniert, heißt das für mich noch nicht automatisch, dass daraus bereits ein gutes Unterrichtsmaterial für andere Lehrkräfte geworden ist. Dafür muss sie noch einmal anders gedacht werden: verständlicher dokumentiert, unabhängig von meinem eigenen Unterrichtskontext und so vollständig, dass jemand anderes sie ohne meine Erklärungen einsetzen kann.

Lehrwerksunabhängig – aber nicht losgelöst vom Unterricht

Ich arbeite selbst natürlich mit Lehrwerken. Für AulaVerba ist mir aber wichtig, dass die Materialien auch ohne ein bestimmtes Schulbuch funktionieren.

Deshalb entstehen eigene Texte, Fallbeispiele, Dialoge, Datenaufgaben und literarische Passagen. Wo reale Informationen oder Statistiken verwendet werden, sollen sie nachvollziehbar belegt sein.

Das hat noch einen zweiten Vorteil: Eine Stunde lässt sich leichter in unterschiedliche Reihen integrieren.

Ein Paket zu Migration, digitaler Identität, Short Stories oder Comment Writing soll nicht nur dann funktionieren, wenn vorher genau Seite 42 eines bestimmten Lehrwerks bearbeitet wurde.

KI gehört inzwischen dazu – aber sie ersetzt nicht die didaktische Entscheidung

Auch darüber möchte ich auf dieser Seite offen sprechen: Bei AulaVerba kommen KI-Werkzeuge zum Einsatz.

Sie helfen mir zum Beispiel dabei, Varianten zu entwickeln, Texte sprachlich zu prüfen, Materialien technisch aufzubereiten oder sehr umfangreiche Qualitätstests durchzuführen.

Aber gerade bei Unterrichtsmaterialien reicht es nicht, einen Prompt einzugeben und das Ergebnis zu veröffentlichen.

Am Ende muss jemand entscheiden:

Ist die Aufgabe für diese Lerngruppe sinnvoll?
Passt das sprachliche Niveau?
Ist die Progression nachvollziehbar?
Reicht das Material wirklich für 90 Minuten?
Ist die Musterlösung tatsächlich besser als die Schülerlösung, die sie verbessern soll?

Diese Entscheidungen bleiben für mich Teil professioneller Unterrichtsplanung.

Deshalb prüfe ich die Materialien vor der Veröffentlichung selbst fachlich und didaktisch.

Ein Qualitätsbericht, über den ich mich tatsächlich gefreut habe

Vor Kurzem wurde eines der Materialien auf eduki automatisch auf seine Qualität geprüft: mein Unterrichtspaket „Show, Don’t Tell“ für Englisch Klasse 10.

Besonders gefreut hat mich dabei weniger irgendeine Bewertung als vielmehr, was positiv hervorgehoben wurde: die klare Progression, die Differenzierung, die kooperativen Aufgaben, die vollständigen Texte und Lösungen sowie die direkte Einsetzbarkeit im Unterricht.

Genau diese Punkte sind der Anspruch, den ich mit AulaVerba verfolge.

Interessanterweise gab es auch einen Verbesserungsvorschlag: In den Lehrerhinweisen könnte noch mehr Raum für die systematische Reflexion der eigenen Stunde vorhanden sein.

Das fand ich sinnvoll – und genau deshalb wird diese Idee künftig in neue Materialien einfließen.

Auch das gehört für mich dazu: Materialien sind nie „fertig“, nur weil eine Datei exportiert wurde.

Wo AulaVerba hin soll

Mein Ziel ist kein riesiger Materialkatalog mit möglichst vielen Dateien.

Ich möchte nach und nach eine Sammlung entwickeln, bei der ich selbst sagen kann:

Diese Stunde würde ich genauso auch in meinem eigenen Unterricht einsetzen.

Aktuell liegt der Schwerpunkt auf:

  • Englisch Klasse 10

  • Englisch Oberstufe

  • Spanisch Klasse 10

  • Spanisch Oberstufe

Dabei entstehen sowohl einzelne 90-Minuten-Einheiten als auch thematisch zusammenhängende Reihen.

Und wenn AulaVerba Kolleginnen und Kollegen irgendwann eine oder zwei Stunden Vorbereitung erspart und gleichzeitig Schülerinnen und Schülern einen sinnvoll aufgebauten Unterricht ermöglicht, dann erfüllt das Projekt ziemlich genau seinen Zweck.

Unterrichtsmaterialien, die morgen funktionieren.

— Tobias Gerlach — AulaVerba


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