
Ich weiß nicht, wie es bei euch gerade aussieht, aber bei uns sind es noch zwei Wochen bis zu den Sommerferien und man merkt es inzwischen wirklich jedem an. Den Kindern sowieso, aber wenn wir ehrlich sind, uns Erwachsenen auch. Die Luft ist raus, die Räume sind warm, ständig steht irgendetwas anderes an und spätestens nach der ersten größeren Pause habe ich an manchen Tagen das Gefühl, dass man mit der Klasse eigentlich nur noch von einer kleinen Unruhe in die nächste stolpert. Einer hat keine Lust mehr, zwei streiten wegen einer Sache, die vor drei Monaten wahrscheinlich niemanden interessiert hätte, und der Rest fragt ungefähr zwölfmal, wie lange es noch bis zu den Ferien ist.
Ich finde diese Zeit jedes Jahr schwierig, weil man natürlich trotzdem Schule hat. Die Kinder sitzen da, der Vormittag hat immer noch fünf oder sechs Stunden und nur weil die Noten stehen, können wir schlecht zwei Wochen lang sagen: Macht mal, was ihr wollt. Gleichzeitig merkt man aber auch ziemlich schnell, wenn man versucht, den normalen Unterricht einfach genauso weiterzufahren wie im Februar. Die Konzentration hält nicht mehr so lange, viele Kinder sind deutlich schneller genervt und selbst Aufgaben, die eigentlich machbar wären, führen plötzlich zu einem kollektiven Stöhnen, bei dem man sich kurz fragt, ob man gerade verlangt hat, dass alle einen 30-seitigen Aufsatz schreiben.
Ich habe irgendwann aufgehört, in solchen Situationen krampfhaft noch zehn Minuten Unterricht retten zu wollen. Wenn ich merke, dass mir die Klasse gerade komplett wegkippt, bringt es meistens wenig, noch lauter zu erklären oder zum fünften Mal zu sagen, dass wir jetzt aber wirklich noch arbeiten müssen. Manchmal spielen wir dann einfach fünf Minuten etwas. Das klingt banal und wahrscheinlich gibt es immer noch Menschen, die bei Spielen im Unterricht sofort an verlorene Lernzeit denken, aber meine Erfahrung ist eher das Gegenteil. Nach einem kurzen gemeinsamen Spiel bekomme ich eine Klasse oft deutlich besser wieder zusammen, als wenn ich vorher zehn Minuten gegen 25 unkonzentrierte Kinder angeredet habe.
Das Problem ist nur, dass mir genau in diesen Momenten natürlich nicht die kreativsten Spielideen meines Lebens einfallen. Wenn es laut ist, drei Kinder gleichzeitig etwas von mir wollen und ich selbst langsam merke, dass meine Geduld für diesen Tag auch nicht mehr unendlich ist, stehe ich nicht vorne und denke spontan: Ach, jetzt erfinde ich mal eben ein richtig gutes Spiel für die ganze Klasse. Meistens fallen einem dann genau die zwei Sachen ein, die man sowieso immer macht, und irgendwann können die Kinder diese Spiele wahrscheinlich besser erklären als man selbst.
Deshalb finde ich es inzwischen tatsächlich sinnvoll, sich für solche Situationen ein kleines Repertoire anzulegen. Nicht erst am letzten Schultag und auch nicht nur für Vertretungsstunden, sondern einfach für diese fünf Minuten, in denen man merkt, dass es gerade nicht mehr läuft. Dabei brauche ich persönlich auch keine Spiele, für die ich vorher Karten ausschneiden, 24 Gegenstände zusammensuchen oder den halben Klassenraum umbauen muss. Wenn ich spontan ein Spiel einsetze, dann muss es für mich wirklich spontan funktionieren. Kurz erklären, anfangen und im besten Fall danach mit einer etwas sortierteren Klasse weitermachen.
Und Spiele können dabei ganz unterschiedliche Aufgaben übernehmen. Manchmal braucht eine Klasse Bewegung, weil die Kinder seit Stunden sitzen und inzwischen wirklich jeder mit irgendetwas wackelt. An anderen Tagen würde ich niemals noch ein Bewegungsspiel machen, weil sowieso schon alle auf 180 sind und eher etwas Ruhiges brauchen. Manchmal geht es auch gar nicht um Konzentration, sondern einfach darum, die Kinder wieder als Gruppe zusammenzubringen, nachdem der Vormittag aus Streit, Genervtheit und gegenseitigem Anschreien bestand. Genau deshalb funktioniert für mich auch nicht dieses eine Spiel, das man immer aus der Tasche zieht. Je länger ich in Schule arbeite, desto mehr merke ich, wie praktisch es ist, verschiedene Ideen im Kopf oder eben griffbereit zu haben und je nach Situation entscheiden zu können, was gerade überhaupt passt.
Gerade jetzt vor den Sommerferien nutze ich solche kurzen Spiele häufiger, weil ich nicht mehr bei jedem Durchhänger einen pädagogischen Grundsatzkampf führen möchte. Die Kinder sind müde, ich bin irgendwann auch müde und manchmal ist es für alle Beteiligten die bessere Entscheidung, fünf Minuten gemeinsam zu spielen und danach zu schauen, was noch geht. Das bedeutet ja nicht, dass man den restlichen Schultag zur Dauerbespaßung erklärt. Für mich ist es eher ein Werkzeug, mit dem ich auf eine Situation reagieren kann, bevor ich mich selbst eine halbe Stunde darüber ärgere, dass heute wieder niemand richtig zuhört.
Aus genau diesem Grund habe ich mir meine verschiedenen Spielesammlungen irgendwann auch zu einem großen Paket zusammengefasst. Darin sind Spiele für die ganze Klasse, für den Sitzkreis und Morgenkreis und sehr kurze Minispiele für zwischendurch, die ich ohne große Vorbereitung einsetzen kann. Wer gerade ebenfalls an dem Punkt angekommen ist, an dem die eigenen drei Standardspiele wirklich oft genug gespielt wurden, findet in meinem Materialpaket „Schnelle Spiele – das große Klassenpaket“ vielleicht ein paar neue Ideen für die letzten Wochen vor den Ferien und ganz sicher auch für die vielen Tage im nächsten Schuljahr, an denen man spontan merkt: Wir brauchen jetzt einmal kurz etwas anderes.
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