Kurz vor den Sommerferien liegen oft bei allen die Nerven blank

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Ist dir schon mal aufgefallen, dass die letzten zwei oder drei Wochen vor den Sommerferien oft anstrengender sind als der Rest des Schuljahres? Eigentlich müsste es genau andersherum sein. Die Klassenarbeiten sind geschrieben, viele Noten stehen fest und man denkt, jetzt wird es langsam etwas entspannter. In der Realität habe ich aber oft das Gefühl, dass genau dann die Stimmung in manchen Klassen kippt.

Ich erlebe das jedes Jahr wieder. Kinder, die sonst ziemlich ausgeglichen sind, reagieren plötzlich wegen Kleinigkeiten. Ein Radiergummi ist verschwunden, jemand drängelt beim Anstellen oder ein Spiel auf dem Schulhof läuft nicht so, wie sie es sich vorgestellt haben – und auf einmal gibt es Tränen, Streit oder ein Kind zieht sich komplett zurück. Früher habe ich solche Tage einfach als „Ferienstimmung“ abgehakt. Heute glaube ich, dass das viel zu kurz gedacht ist.

Wenn man genauer hinschaut, merkt man nämlich oft, dass diese Situationen gar nicht so plötzlich entstehen. Viele Kinder laufen in den letzten Schulwochen einfach auf Reserve. Es ist warm, der Stundenplan verändert sich ständig, es gibt Ausflüge, Projekttage, Verabschiedungen und gefühlt jeden zweiten Tag läuft irgendetwas anders als sonst. Für manche Kinder ist das schön. Für andere bedeutet es vor allem eins: ganz viel Unruhe.

Gerade unsere Kinder, die ohnehin Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle zu regulieren, merken häufig selbst gar nicht, dass ihnen längst alles zu viel geworden ist. Sie spüren nur, dass sie schneller genervt sind oder dass sie sich am liebsten zurückziehen würden. Und wir Erwachsenen sehen oft erst den Moment, in dem das Fass überläuft. Dabei hat es meistens schon viel früher angefangen.

Ich ertappe mich inzwischen immer häufiger dabei, dass ich gar nicht mehr frage: „Warum bist du jetzt so wütend?“ Viel interessanter finde ich die Frage, ob das Kind eigentlich schon eine halbe Stunde vorher gemerkt hat, dass es gerade immer unruhiger wird. Die Antwort lautet erstaunlich oft: nein. Viele Kinder nehmen diese kleinen Veränderungen bei sich selbst gar nicht wahr. Sie merken erst, dass etwas nicht stimmt, wenn sie schon mitten im Konflikt stecken.

Vielleicht ist genau jetzt, kurz vor den Ferien, deshalb noch einmal ein guter Zeitpunkt, sich dafür bewusst Zeit zu nehmen. Nicht, weil in den letzten Wochen plötzlich alles perfekt laufen muss. Das wird es sowieso nicht. Aber wenn Kinder anfangen zu verstehen, wie sich Wut, Überforderung oder Rückzug bei ihnen ankündigen, nehmen sie diese Erfahrung mit ins nächste Schuljahr. Und das ist am Ende wahrscheinlich wichtiger als das hundertste Arbeitsblatt.

Aus diesem Gedanken heraus sind auch meine Materialien entstanden. Mir ging es nie darum, Kindern zu sagen, wie sie sich verhalten sollen. Mir war wichtiger, dass sie lernen, ihre eigenen Warnzeichen überhaupt wahrzunehmen, bevor eine Situation eskaliert. Das Materialpaket „Bevor es schwierig wird“ bündelt genau diese drei Schritte: Warnzeichen erkennen, das eigene Verhalten besser verstehen und gemeinsam überlegen, welche Handlungsalternativen es gibt. Gerade in den letzten Wochen vor den Sommerferien habe ich die Erfahrung gemacht, dass solche Gespräche oft mehr bewirken als jede Ermahnung.

-> Hier gehts zum Material

Tags: grundschule, classroom management, sozialverhalten, soziales lernen grundschule, konflikte, sozialtraining

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