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Priestleys „Ein Inspektor kommt“ eignet sich in ganz besonderem Maße dazu, Schüler einer Klasse 9 in dramatische Texte einzuführen. Sicherlich spielt dabei der überschaubare Umfang des Textes für die Auswahl eines möglichen Einführungsbeispiels eine nicht unwesentliche Rolle, doch entscheidend ist, dass die Thematik des Stückes und die Art ihrer Behandlung Schüler zur engagierten Mitarbeit bewegen können. Das Engagement der Schüler lässt sich auch damit erklären, dass sie sich mit einigen der handelnden Figuren auf Grund der Altersnähe zu ihnen deutlich identifizieren, von älteren aber auch ebenso deutlich distanzieren oder abgrenzen können. Priestley macht es den (jugendlichen) Lesern/Zuschauern nicht schwer, schon gleich zu Beginn des Stückes „richtige“ Positionen einzunehmen und diese dann auch fortwährend bestätigt zu sehen; es schmeichelt dem Rezipienten, sich in ständiger Beurteilungseinheit mit dem Autor (auch dem Inspektor) sehen zu können und sich aufgefordert zu fühlen, menschliches Fehlverhalten zu beurteilen und die Hauptschuldigen, die ihr menschenverachtendes Verhalten par tout nicht einsehen wollen, zu verurteilen. Besonders für den jugendlichen Leser/Zuschauer ist wohl bedeutsam, dass ihm die Möglichkeit eingeräumt wird, sein Urteil zu überprüfen und es eben durch die Übereinstimmung mit dem Autorurteil als zutreffend und sicher bestätigt zu sehen. In dieser Reihe geht es nicht darum, am konkreten Beispiel ein allgemein verbindliches methodisches System zu entwickeln, wie szenisch-dialogische Texte grundsätzlich zu behandeln seien. Hauptsächlich soll dargestellt werden, wie Schüler kreativ Erschließungsarbeit leisten können.
Klassenstufen: 9. Klasse
Schon in Klasse 5 sollten ständig Gelegenheiten genutzt werden, die Schüler Rollen spielen zu lassen. Solche Gelegenheiten bieten sich sowohl im Unterricht, der sich mit dem Regelsystem der Sprache beschäftigt (etwa bei semantischen Übungen – Wortfeld), als auch in dem, der erzählende Texte behandelt (etwa Einbau von Dialogen). Wesentliche Elemente szenisch-dialogischer Texte werden hier „integrativ“ behandelt; so werden wichtige Voraussetzungen für spezielleres Vorgehen geschaffen. Es ist allerdings auch möglich, die Schüler einer Klasse 6 durchaus kleinere Szenen, die überschaubar sind, nach der o.g. Vorarbeit verfassen zu lassen. Die nachfolgend dargestellte Unterrichtsreihe zeigt einen möglichen Weg, wie auch schon etwas ausführlicher und auf den Lernzielbereich konzentrierter gearbeitet werden kann. Für die Klasse 6 sollten solche Texte als Gestaltungsgrundlage ausgesucht werden, die über einen überschaubaren Umfang verfügen und deren Inhalte im Interessensbereich der Schüler liegen. Eine bestimmte Art von Schildbürgergeschichten z. B. erfüllt diese Bedingungen. In Klasse 7 werden Schildbürger- und Münchhausengeschichten behandelt, um die Schüler zu befähigen, selbst nach Bauformen zu erzählen – eine Zielsetzung, die Schüler einer Klasse 6 evtl. doch noch überfordert (siehe Anmerkungen zur entsprechenden Unterrichtsreihe in Klasse 7). In Klasse 6 werden dagegen Schwänke noch mit Interesse und Freude gelesen und auch aufgenommen. Dieses Interesse kann nun genutzt werden, solche Texte auch in Szenen umzusetzen; eine solche Umsetzung kann in einem spontanen Spiel erfolgen, kann aber auch später in aufeinander folgende Szenen konzipiert werden. Wichtig bei dieser Arbeit ist vor allem, dass die Textvorlage „einfach“ ist. Besonders motivierend für Schüler ist es, wenn sie den eigenen szenischdialogischen Text auf der Bühne vorstellen können.
Klassenstufen: 6. Klasse
Ein wesentliches Ziel dieser Unterrichtsreihe, die vor etwa fünf Jahren gegen Schuljahresende in einer Klasse 9 begonnen und dann nach den Sommerferien in dieser Klasse (dann Klasse 10) weitergeführt worden war, war es, mit den Schülern die Kalendergeschichte „Der Augsburger Kreidekreis“ in ein szenisches Spiel umzugestalten. Da der Zeitraum des in dieser Erzählung Dargestellten doch recht groß ist, ergab sich von daher schon die Notwendigkeit, einige Schwerpunktszenen/Schlüsselszenen auszuwählen und die Zuschauer über die Geschehnisse, die sich zwischen diesen Szenen ereignen, in anderen Formen in Kenntnis zu setzen. Die Schüler entschieden sich damals dazu, Teile von Brechts epischem Text mit in ihr Stück wörtlich zu übernehmen oder, wenn der Text zu umfangreich wurde, ihn in gekürzter oder zusammengefasster Form zwischen den Szenen vorzulesen. Natürlich ging es hier nicht darum, auf diese Weise Brechts Vorstellungen von epischem Theater umzusetzen; dazu gehört sicherlich mehr. Dennoch war der Effekt dieser Kombination zwischen szenischem Spiel und epischem Text durchaus eindrucksvoll und könnte gewiss ein Grundverständnis für episches Theater vorbereiten – wenn dies in Folgejahren vielleicht einmal Gegenstand von Unterricht werden sollte/könnte. Bevor die Arbeit mit der Kalendergeschichte begonnen wurde, hatten die Schüler im Rahmen einer Unterrichtsreihe zu Vorstufen einer Textinterpretation (siehe auch Unterrichtsreihe „Textanalyse“ in Klasse 10) einige Brecht Gedichte besprochen. In dieser Reihe sollte, nachdem die Gedichte im Unterricht behandelt worden waren, über „situative Einbettungen“ schrittweise zu einem Analyse- oder Interpretationssystem hingeführt werden. Offensichtlich ist es auch dieser vorausgegangenen Unterrichtsreihe zu verdanken, dass die Schüler mit großem Engagement die szenische Gestaltung der Kalendergeschichte betrieben. Da die Behandlung der Brecht – Gedichte die zuvor genannte Wirkung verursachte, soll zumindest in groben Zügen nachfolgend dargestellt werden, wie und mit welchem Ergebnis gearbeitet worden war. Es erscheint durchaus sinnvoll, der eigentlichen Unterrichtsreihe also eine Phase voranzustellen, in der einige dieser Gedichte behandelt werden. In der zuvor erwähnten Reihe zeigten die Schüler nach der Gedichtbehandlung auffallendes Interesse, mehr über den Autor solch ungewöhnlicher Texte zu erfahren. Hier konnte der Wunsch nach Informationen über den Autor genutzt werden, nähere Auskünfte über sein Leben zu geben. Die Erstellung einer Kurzbiographie war eine sinnvolle Aufgabe, da sie sich aus dem Bedürfnis der Schüler ergibt, mehr über den Autor zu erfahren. Die nachfolgend dargestellte Unterrichtsreihe „Der Augsburger Kreidekreis“ gliedert sich somit in vier Sequenzen von unterschiedlichem Umfang: I. Behandlung von ausgewählten Brecht-Gedichten II. Erstellung einer Kurzbiographie Brechts III. Phasen der unterrichtlichen Erschließungsarbeit der Kalendergeschichte IV. Das szenische Spiel In allen Phasen der Unterrichtsreihe bieten sich ausreichend Gelegenheiten zu Leistungsüberprüfungen/Klassenarbeiten (z.B. Gedichtsinterpretationen, inhaltliche Zusammenfassungen, Erfüllung textbezogener Untersuchungsaufträge, Ausgestaltung von Szenen); bei einer solchen recht zeitaufwendigen Reihe ist es schon wichtig, dass aus ihr sich auch Möglichkeiten zur Benotung von Fähigkeiten ergeben, die sich nicht nur auf die Ausgestaltungsarbeit szenischer Texte beschränken. Entsprechende Beispiele sind angeführt und Ergebnisse durch Schülerarbeiten dokumentiert. Die Erschließungsarbeit des epischen Textes bildet natürlich über mehrere Stunden hin die Schwerpunkte der Reihe. Schon wie in der Unterrichtsreihe zu szenisch-dialogischen Texten in Klasse 9 (Priestley, Ein Inspektor kommt) wurde auch hier besonders darauf geachtet, dass viele der im Unterricht erstellten Texte (u.a. Hausaufgaben, Ergebnisse von Gruppenarbeiten) für die szenische Gestaltung verwendet werden konnten.
Klassenstufen: 10. Klasse
Die Schüler haben sich in vorausgegangenen Klassen gewiss in irgendeiner Weise mit szenisch-dialogischen Texten beschäftigt (siehe auch entsprechende Unterrichtsreihe in Klasse 6). Möglicherweise haben sie auch schon dramenähnliche Texte im Unterricht behandelt, so dass über ein Repertoire an Grundtechniken bereits verfügt wird. Die Kenntnisse werden ausreichen, um jetzt einen epischen in einen szenischdialogischen Text umzugestalten. Natürlich ist die Umgestaltungsarbeit abhängig von der Komplexität der epischen Vorlage. Diese sollte recht überschaubar strukturiert sein und keine allzu hohen Anforderungen an das Verstehen der Inhalte oder der Problematik stellen. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass der Text so gestaltet ist, dass recht viele Schüler nach der Umgestaltung eine Rolle übernehmen können. Wichtig ist also ganz besonders, dass die von Schülern erstellten Szenen auch tatsächlich von ihnen selbst gespielt werden. Natürlich muss respektiert werden, wenn einige Schüler nicht bereit sind, sich vor Publikum zu exponieren. Sie können daher andere Aufgaben übernehmen, die für die Durchführung eines Spiels wichtig sind.
Klassenstufen: 8. Klasse
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