
Da du, abgesehen von den Stundenmodulen, immer nur einzelne Präsentations-Bausteine erhältst, möchte ich dir hier einmal einen groben Überblick über das gesamte Folien-Konzept vermitteln. Nun aber erst einmal von vorn.
Was ich nicht mit diesem Vorschlag meine, ist der Einsatz einer Präsentation als Informationsmedium. Denn genauso wie es auf der einen Seite die Gefahr einer „Arbeitsblattpädagogik“ gibt, besteht auf der anderen Seite auch die Gefahr einer „Präsentationspädagogik“. Folien sind zwar Träger von Wort- und Bild-Inhalten, sie können aber mehr! Allerdings müssen, damit bei ihnen eine hohe „didaktische Dichte“ entsteht, auch unterschiedliche didaktische Prinzipien und Qualitätsmerkmale bei der Planung berücksichtigt werden.
Die Phasierung orientiert sich bei mir an dem Schema von J. Leisen. Zum einen wird der Unterricht dadurch dem in den Lehrplänen verankerten Prinzip der Kompetenzorientierung gerecht. Zum anderen ist es viel kleinschrittiger als beispielsweise das von H. Meyer, sodass es mir besonderen Halt bei der Planung gibt und in der Durchführung der Unterrichtsfluss an Phasenübergängen nicht unterbrochen wird. Es wurde jedoch etwas modifiziert, da der Alltag mit meinen Lerngruppen gezeigt hat, dass die SuS an der ein oder anderen Stelle im Kunst-Unterricht noch eine stärkere Unterstützung benötigen. Dazu später mehr.
Wäre ich z.B. eher der lehrerzentrierte Typ, würde ich mich vermutlich nach dem methodischen Modell der „direkten Instruktion“ richten. Wäre ich in der Schweiz ausgebildet worden, würde ich mich zur Phasierung vermutlich an AVIVA von Städeli orientieren. Ich will damit sagen, dass ja jeder die Möglichkeit hat, seine didaktische Ausrichtung frei zu wählen. Natürlich muss man dazu erst einmal wissen, was es überhaupt an Theorien, Ansätzen, Konzepten, methodischen Modellen und Mustern gibt. Ansonsten bleibt einem nichts andere übrig als Praxisbeispiele von anderen nachzuahmen oder aus dem Bauch heraus zu gestalten. Mündig ist man dann sicher nicht.
Die Titelfolie enthält, wenn es sie gibt, den Fachgegenstand der Doppelstunde und Angaben zu den Künstler*innen oder Autor*innen, die im Lehr- und Lernmaterial vorkommen.
Die erste Folie bildet zusammen mit der letzten den „rituellen Spannungsbogen“. Der immer gleiche Ablauf vermittelt den SuS Sicherheit und wird schnell zum Selbstläufer. Spätestens nach den Herbstferien bin ich auch schon in der Klasse 5 nicht mehr an den Aufräumarbeiten beteiligt. Dies entlastet enorm, sodass ich z.B. Zeit für detailliertere Notennotizen oder Beziehungspflege habe. Manch einer genießt es einfach, nach der Stunde noch kurz quatschen zu können. Jede*r SuS baut seinen Materialstapel an der oberen Tischecke auf, damit während des Unterrichts keine Störung durch Suchen und Wühlen entsteht. Die Begrüßung setzt einen Akzent und leitet zum Materialcheck über. Es melden sich diejenigen, die die Grundausstattung nicht oder nur teilweise vollständig dabei haben, damit ich es notieren kann. Wer dahingehend für sich selbst noch nicht sorgen kann, ist in dieser Stunde für eine Wächterrolle gesperrt, da in diesem Unterrichtskonzept die Verantwortung für sich selbst die Voraussetzung für die Veranwortungsübernahme für andere darstellt. Bei den Diensten wird als erstes ein „Wächterwächter“ gewählt. Er notiert die Verantwortungsträger auf einer Wächtertafel und macht dort am Ende der Stunde jeweils ein Häkchen, wenn alles erledigt wurde. Dies übernehme ich dann als Wächterpunkt für die prozessbezogene Bewertung.
Da für die SuS ein problemorientierter Einstieg unheimlich motivierend ist, versuche ich, wenn möglich, einen zu konstruieren. Ohne kommt zu Beginn nicht richtig Fahrt auf. Mit, kann die Klasse auch schon mal vor Bild- oder Grammatikbegeisterung hochkochen. Außerdem nutzen vor allem die Materialschussel, handwerklich weniger begabten oder unsichere SuS gerne diese Phase, um sich mündlich zu beteiligen und durch Redebeiträge Punkte zu sammeln. Sie wissen, dass es sich um eine noch niedrigschwellige Lernsituation handelt und „Fehler“ gemacht werden dürfen. Wegen der prozessbezogenen Bewertung wird hier nur die Leistungsbereitschaft an sich berücksichtigt, nicht die Qualität der Beiträge.
Von der Entwicklung der Problemfrage ist es meist ein fließender Übergang zur Phase „Vorstellungen entwickeln“. Da ich die Hypothesen der SuS, wenn sie mündlich und nicht praktisch entwickelt werden, an der Seitentafel für den „didaktischen Spannungsbogen“ am Ende der Stunde festhalte, gibt es hierfür keine Folie. Im Deutschunterricht der Oberstufe verteile ich manchmal zu Stundenbeginn gezielt oder nach dem Rotationsprinzip Kopierpapier, sodass diese SuS ihre Vorstellungen für alle leserlich notieren können und dann erläuternd an die Außentafel hängen.

Kunsthefte (und auch Deutschhefte) sind leider kein Selbstläufer. Das musste ich oft feststellen. Damit zumindest für jeden klar ist, was und in welcher Reihenfolge alles durchgenommen wurde, fertigen wir das Inhaltsverzeichnis gemeinsam an. Eine Vorlage findest du kostenlos unter der Material-ID #4969993. Die „verordnete Reihenfolge“ erleichtert zum Schuljahresende auch die Benotung für mich, da ich bei jedem Heft von vorne nach hinten durchblättern kann und die Inhalte nicht jedesmal suchen muss. Diese Folie unterbricht also zur engmaschigen Anleitung und Vorentlastung kurz die Phasierung nach J. Leisen.
Die Lernaufgabe ist kompetenzorientiert und operationalisiert, sodass die SuS schon ab Klasse 5 an die Bildungssprache herangeführt werden. Das Konstruktionsmuster aus komplexen Aufgabenkopf und anleitender Stufung stammt von J. Leisen. Die Materialangaben, Sozialform und Zeitangaben habe ich ausgelagert, um den Aufgabentext zu entlasten. Daher müssen SuS nicht mehr so stark selektiv Lesen können, wenn sie nach bestimmten Informationen suchen, sondern können direkt zu dem entsprechenden Layoutblock springen. Da die Aufgabe inkl. Folie immer nach dem gleichen Muster gestaltet ist, kann man hier von einem sprachsensiblen Lehrwerkzeug sprechen. Anstatt die Aufgabe vorlesen zu lassen, frage ich zur Verstehenskontrolle gezielt nach Inhalten der einzelnen Layoutblöcke z.B. "Welches Material benötigt ihr?", "In welcher Einteilung arbeitet ihr?", "Welchen Arbeitsschritt müsst ihr machen, bevor ihr ... macht?". Das Prinzip der Outputorientierung wird an dieser Stelle also auf der Ebene der personalen Steuerung realisiert.
Die Zwischensicherung verwende ich als Kurzvariante nur bei der Methode „Concept Formation“. Alternativ können die SuS bei unterschiedlichem Lerntempo ihre Kategoriebildung auch individuell mit einem Lösungsblatt vergleichen. Wenn Zeit vorhanden ist, spielen wir eine Mischung aus „Bewegtem Lernen“ und „Bingo“, bei der eine Kategorie nach der anderen eingeblendet wird.
Die Fachbegriffe können bei Zeitknappheit einfach so reingereicht werden. Da bei „Concept Formation“ die Erarbeitung der Begriffsnamen aber eigentlich die Progressionsstufe der Aufgabe darstellt, müssten sie „verhandelt“ werden. Dafür kann man einzelne Vorschläge auch auf Karteikarten notieren lassen und auf der Projektionsfläche befestigen. So können die vermutlich alltagssprachlichen Vorschläge miteinander verglichen und von der (später dazuprojezierten) Fachsprache unterschieden werden. Gemäß Phasenschema käme hier eigentlich „Lernprodukte verhandeln“. Möchte man z.B. Argumente auf Karteikarten verhandeln lassen, kann man für diese Plenumsphase auf der Folie die Kategorie „Pro“ und „Contra“ als Tafelbildstruktur bereits während der Unterrichtsvorbereitung zu Hause anlegen. Auch andere visuelle Formen zur gemeinsamen Generierung eines „Tafelbildes“ als Verhandlungsprodukt (zentraler Output dieser Phase) sind denkbar. Arbeitet man im Unterricht mit didaktischen Präsentationen, kommt es hier häufig zu synthetischen Formen von digital und analog, sprich ineinandergreifende Ebenen, und nicht zu additiven, sprich nebeneinander stehenden.
Da ich die Tafel nicht nur digital nutze, fehlt für die Phase „Lernzugewinn definieren“ eine Folie in meinen Präsentationen. Die Beiträge hierzu notiere ich auf einer Seitentafel. Oder ich lass das auch gerne mal sein, wenn die SuS sowieso zur Dokumentation eine Kopie des Fachwortschatzes erhalten oder die Begriffe schon übernommen haben.
Ebenfalls fehlt eine Folie für das Prinzip des „didaktischen Spannungsbogens“. An dieser Stelle schauen wir uns die Hypothesen aus der Phase „Vorstellungen entwickeln“ noch einmal gemeinsam an. Durch das neuerworbene Wissen sind die SuS nun selbst in der Lage, Richtiges zu würdigen, Ungenaues zu präzisieren und Falsches zu korrigieren. Dies lasse ich auch immer in dieser Reihenfolge durchführen.
Den „Einstieg im Rückblick“ mach ich noch nicht so lange. Er ist tatsächlich im Deutschunterricht entstanden. Die SuS wollten unbedingt zeigen, dass sie das Grammatikrätsel vom Anfang mit dem neu erworbenen Wissen nun sicher lösen können. Vielleicht könnte man vom Prinzip des „motivationalen Spannungsbogens“ sprechen. Dieser ist weder notwendig, noch funktioniert er bei informierenden Einstiegen. Er setzt einen problemorientierten Einstieg voraus.
Der Transfer dient dazu, das neu erworbene Wissen beweglich zu machen. Für die Anlage nutze ich unterschiedliche didaktische Gestaltungsprinzipien. Erfolgte die Erarbeitung „dekontextualisiert“, wird nach dem Prinzip „Rekontextualisierung“ verfahren. War die Erarbeitung „rezeptiv“, kommt nun etwas „Produktives“ oder umgekehrt, sodass in der Stunde die fachlichen Handlungsfelder miteinander verzahnt werden.
Manchmal gibt es als didaktische Reserve noch Anwendungs- oder Vertiefungsaufgaben. Diese können aber auch als themenbezogenes Fördermaterial verwendet werden.
Wie schon gesagt, Problemstelle Kunsthefte! Seit es eine Dokumentationsfolie und damit in jeder Stunde ein festes Zeitfenster für die Gestaltung der einzelnen Seiten gibt, läuft auch der „Papierkram“. Die Lernzielkontrolle belohnt vor allem diejenigen, die ernsthaft mitgearbeitet haben. Auch diejenigen, die nichts gesagt und doch alles erledigt haben.
„Den Kunstraum verlassen“ möchte auch jeder wieder. Dafür wird der „rituelle Spannungsbogen“ vom Anfang wiederaufgegriffen.
Du siehst, ich werbe mit diesem Blogbeitrag dafür, dass du vielleicht selbst einmal versuchst ein Template für eine „didaktische Präsentation“ zu entwickeln. Lust bekommen?
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