Wer kennt es nicht? Die Schüler*innen schaffen es nicht still zu sitzen. Sie zappeln, sie schaukeln mit den Sesseln (oder kippeln mit ihren Stühlen, wie meine deutschen Freund*innen sagen würden) und quatschen non-stop. Oder vielleicht habt ihr genau das umgekehrte Problem - die Schüler*innen sind träge und melden sich kaum. Für beide Probleme gibt es eine gute Lösung: man gibt den Schüler*innen einfach mehr Möglichkeiten sich im Unterricht zu bewegen.

Ich weiß was ihr jetzt vermutlich denkt - dafür habe ich keine Zeit. Der Lehrplan ist lang und man ist ohnehin schon hinten nach. Mir geht es da ähnlich und deswegen habe ich hier auch keine Sammlung von Energizern, die man zusätzlich machen muss, zusammen getragen, sondern Methoden, die zur Wiederholung von oder als Einstieg in neuen Stoff eingesetzt werden können.
1. Spaziergang
Wieso die Schüler*innen nicht einfach mal auf einen Spaziergang schicken? Bei Schlechtwetter durch das Schulhaus, bei gutem Wetter über den Schulhof. Dabei erzählen sich die Schüler*innen was sie in den letzten Stunden gelernt haben oder diskutieren eine Fragestellung.
Diese Methode hat mir eine gute Freundin aus Deutschland als "philosophischen Spaziergang" vorgestellt. Im Philosophieunterricht konnte so zum Beispiel der Stoff der letzten Stunden wiederholt werden oder eine philosophische Frage diskutiert werden. Sie gibt dabei folgende Anweisungen:
Der Vorteil beim Gehen ist, dass man dabei frei assoziieren kann und den Schüler*innen oft mehr Ideen einfallen, als in anderen Methoden. Aufgeweckte Schüler*innen können durch diese Methode ihren Bewegungs- und Rededrang stillen, müde oder stille Schüler*innen können aufwachen und sich warm reden. Außerdem stören sich die Schüler*innen nicht gegenseitig, wie es sonst bei Partnerarbeiten in der Klasse durch einen hohen Lärmpegel oft der Fall ist.
Ich habe diese Methode dann bald nicht mehr nur im Philosophieunterricht eingesetzt, sondern auch im Englischunterricht. Manchmal halte ich mich dabei an die Regeln des philosophischen Spaziergangs, manchmal dürfen die Schüler*innen aber auch diskutieren. Zum Beispiel habe ich meine 8er letzte Woche gefragt, was denn die 5 wichtigsten Erfindungen sind, warum und wie die Welt aussehen würde, wenn diese nie erfunden worden wären. Das hat sehr gut funktioniert.
Natürlich wird es Schüler*innen geben, die nicht beim Thema bleiben. Aber das Problem hat man auch in der Klasse und wenn man sich zu große Sorgen macht, kann man den Bewegungsradius der Schüler*innen stärker einschränken und mitspazieren.
2. Schneeballschlacht
Meine Schüler*innen sind immer ganz verwirrt, wenn ich ihnen sage, dass wir eine Schneeballschlacht machen werden. "Aber Frau V., es schneit doch gar nicht!" Tja, das muss es auch nicht. Für diese Methode schreiben die Schüler*innen Fragen oder Satzanfänge auf ein loses Blatt Papier. Diese werden dann zerknüllt und dann kann die Schneeballschlacht auch schon los gehen. Zwei Minuten dürfen die Schüler*innen sich dann nach Herzenslust mit ihren "Schneebällen" bewerfen. Dann schnappt sich jede*r einen Ball, "entknüllt" ihn und beantwortet die Frage(n) darauf oder beendet den Satz. Dann kann man die Fragen besprechen. Oder eine weitere Schneeballschlacht veranstalten.
In Englisch verwende ich diese Methode gerne für alle möglichen Grammatikkonstrukte. Schreibe einen aktiven Satz auf und verwandle ihn anschließend in einen passiven Satz. Oder ändere die Zeitform. Oder beantworte eine Frage (What did you do yesterday?). Oder, die Fortsetzung des Spaziergangs mit meinen 8ern, schreibe eine If-Frage auf (What would the world look like, if YouTube had never been invented?).
Aber die Methode kann auch in anderen Fächern zum Einsatz kommen, um zum Beispiel den Stoff der letzten Stunde zu wiederholen.

3. Fliegenklatschen
Mittlerweile ein Klassiker im Sprachenunterricht. Eine Fliegenklatsche braucht man nicht unbedingt dazu, mit macht es aber nochmal mehr Spaß. Es treten bei diesem Spiel zwei Teams gegeneinander an. Es sind mehrere Begriffe oder Bilder auf der Tafel/dem Whiteboard. Die Teams stehen als zwei lange Schlangen davor. Die Lehrperson sagt nun etwas (eine Frage, einen Begriff) und die beiden Schüler*innen die ganz vorne stehen, laufen nun zur Tafel und beide versuchen, als erstes das richtige Bild/den richtigen Begriff zu berühren. Wer es zuerst schafft, holt einen Punkt für sein Team. Beide müssen sich danach hinten anstellen und die nächsten beiden sind an der Reihe.
Im Sprachenunterricht können dafür zum Beispiel Bildkarten auf der Tafel sein. Ich habe auch schon amerikanische Begriffe auf die Tafel geschrieben und dann laut die britischen Versionen angesagt. Auch für Farben und Zahlen bietet sich das gut an.
In anderen Fächern könnte man mit Bildern und Begriffen arbeiten (in Biologie zum Beispiel mit den Teilen einer Pflanze und deren Namen) oder mit Begriffen und Definitionen. In Mathematik könnten Lösungen auf der Tafel stehen und die Lehrperson sagt laut die Rechnung vor. In Philosophie können Philosophen auf der Tafel stehen und die Lehrperson liest Zitate vor oder fasst deren Theorien zusammen.
4. Staffellauf
Dieses Spiel eignet sich sowohl zum Einstieg in ein neues Thema (Brainstorming) als auch zur Wiederholung.
Die Kinder sind in zwei bis drei Teams aufgeteilt. Jedes Team erhält einen Stift in einer Farbe. Die Lehrperson wählt ein Thema (z. B. Perfekt, Themengebiet, Jahreszahl, berühmte Person, Wortart, Vokabeln zu einem bestimmten Thema) etc. und schreibt dieses als Überschrift an das Whiteboard. Jedes Team stellt sich in einer Schlange in einem bestimmten Abstand davor auf.
Die Lehrperson gibt das Startsignal. Die ersten zwei oder drei Teilnehmer*innen laufen nach vorne und schreiben ein Wort an, laufen zurück, übergeben den Stift an das nächste Kind im Team und stellen sich wieder hinten an. Nach einer bestimmten Zeit gibt die Lehrperson das Schlusssignal. Für jedes passende und richtig geschriebene Wort gibt es einen Punkt. Doppelte Wörter werden gestrichen.
5. Human Domino
Im Fremdsprachenunterricht spiele ich das sehr gerne, aber es lässt sich auch in anderem Unterricht einsetzen.
Zuerst muss man ein Domino erstellen. Das kann aus Satzhälften bestehen, Vokabeln, Begriffen und Definitionen, oder Fragen mit Antworten. Dann bekommen alle Schüler*innen ein Dominoteil. Sitzend spiele ich es so, dass das erste Kind die zweite Hälfte laut vorliest (Zum Beispiel "Am 28. Juli 1914 begann...). Alle anderen müssen gut zuhören. Wer die dazu passende Karte hat, liest nun die erste Hälfte der eigenen Karte vor (die Antwort, zum Beispiel "der erste Weltkrieg"). Nun liest dieses Kind die zweite Hälfte vor. Und so weiter. Bis man wieder beim ersten Kind ist. Den Kindern macht es unglaublich viel Spaß, wenn man dabei die Zeit stoppt und sie entweder gegen die eigene Zeit oder gegen die der Parallelklasse antritt.
Bewegung kann man hier auf zwei Arten hineinbringen:
6. Fragen tauschen
Die Schüler*innen überlegen sich Fragen zum behandelten Stoff. Diese schreiben sie mit den dazu passenden Antworten auf. Nun gehen sie herum und suchen sich eine andere Person. Sie fragen sich gegenseitig ihre Fragen. Sind alle richtig beantwortet, tauschen die beiden ihre Blätter mit den Fragen aus und suchen sich eine*n neue*n Partner*in. Wird eine Frage falsch beantwortet, behalten beide ihre Fragen und suchen sich ebenfalls ein*e neue*n Partner*in.
7. Simon sagt
Eher für den Sprachenunterricht geeignet. Die Lehrperson gibt Anweisungen, welche die Schüler*innen ausführen. Allerdings nur, wenn ein gewisses Kriterium erfüllt ist (zum Beispiel der Satz in einer bestimmten Zeitform formuliert wurde oder ein Adverb enthält). Wer die Anweisung ausführt wenn die Bedingung nicht erfüllt ist, scheidet aus.
8. Stand Up Sit Down
Recht einfach. Die Lehrperson sagt einen Satz an. Ist dieser korrekt, stehen die Schüler*innen auf. Wenn nicht, bleiben sie sitzen. Alternativ können die Schüler*innen die aufstehen auch angewiesen werden miteinander die Plätze zu tauschen.
9. Reise nach Jerusalem
Die Lehrperson schreibt Fragen auf Kärtchen und legt diese in eine Box oder ein Stoffsäckchen. Die Anzahl der Fragen sollte der Schüler*innenzahl minus eins entsprechen. Außerdem wird Musik benötigt. Die Schüler*innen bilden einen Sessel/Stuhlkreis. Die Anzahl der Sessel/Stühle ist um eins geringer als die Schüler*innenzahl. Die Schüler*innen gehen solange um die Sessel/Stühle herum bis die Musik aussetzt. Jede*r versucht dann einen Platz zu ergattern. Ein*e Schüler*in bleibt übrig. Diese*r darf nun aus dem Fragenbehälter eine Karte ziehen und versucht, die Frage zu beantworten. Weiß das Kind die korrekte Antwort nicht, dürfen die anderen Schüler*innen helfen. Nun wird ein Sessel/Stuhl weggenommen und das Spiel beginnt von vorn bis nur noch ein*e Schüler*in übrig bleibt. Diese*r Schüler*in gewinnt und muss keine Frage beantworten.
10. 4 Ecken/Ja-Nein/1-10
Die Schüler*innen müssen Fragen beantworten, in dem sie sich im Raum aufstellen. Bei 4 Antwortmöglichkeiten kann man mit den 4 Ecken des Raumes spielen, bei ja/nein oder richtig/falsch Fragen kann man zwei Seiten des Raumes verwenden und bei Fragen nach der Meinung können sich die Schüler*innen auf einer Linie von zum Beispiel 1-10 organisieren. Die letzte Methode funktioniert zum Beispiel auch in Biologie oder Ethik und der Frage, wann man von einem Menschen mit Rechten spricht, wobei 1 die Befruchtung der Eizelle und 10 die Geburt sein kann.
11. Find Someone Who Bingo
Auch wieder ein gut abwandelbarer Klassiker aus dem Sprachenunterricht. Man muss dafür nur eine Bingokarte (5x5) erstellen auf der zum Beispiel oben steht: Finde eine Person, ... und dann stehen in den Feldern Dinge wie "weiß wann der Erste Weltkrieg begonnen hat." Die Schüler*innen müssen nun herumgehen und miteinander sprechen. Wenn sie jemanden finden, der/die die Antwort kennt, dürfen sie den Namen in das Feld schreiben. Jeder Name darf nur einmal verwendet werden. Wer zuerst 5 Felder in einer Reihe ankreuzen und mit Namen versehen konnte, gewinnt.
12. Menschen Memory
Zuerst muss man Memory Karten erstellen. Auf diesen stehen zum Beispiel Konzepte oder Vokabel oder wichtige Personen. Diese werden dann an die Kinder verteilt. Nun müssen sie herumgehen und ihre Karte anderen beschreiben, ohne den Begriff auf der Karte zu verwenden. So sollen sie ihre Partner*innen finden.
Habt ihr schon einmal eine dieser Methoden verwendet? Oder kennt ihr noch andere Wege, mehr Bewegung in den Unterricht zu bringen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!
Viel Spaß beim Ausprobieren!
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