Wenn in Klasse 1 alle woanders stehen – Mathe üben bei unterschiedlichen Lernständen

d000dd10-33bb-46c4-968e-9eb307284d75.png

Wer eine erste Klasse begleitet, merkt ziemlich schnell, wie weit die Kinder in Mathematik auseinanderliegen können. Da sitzt ein Kind, das bei acht Punkten noch jeden einzelnen mit dem Finger abzählt, neben einem Kind, das Plusaufgaben bis 20 längst sicher löst. Ein anderes kennt die Zahlen eigentlich, verliert aber am Zahlenstrahl völlig die Orientierung. Und natürlich sollen trotzdem alle irgendwie sinnvoll arbeiten.

Gerade in Mathematik fällt das besonders auf, weil so viele Dinge aufeinander aufbauen. Bevor Rechnen wirklich flexibel werden kann, müssen Zahlen erst einmal mehr sein als Ziffern, die man erkennt oder eine Zahlenreihe, die man aufsagen kann. Mengen erfassen, Zahlen zerlegen, Ergänzungen kennen, eine Vorstellung davon entwickeln, wo eine Zahl im Zahlenraum liegt – vieles davon hängt zusammen. Wenn an einer Stelle noch Unsicherheiten bestehen, merkt man das häufig erst später beim Rechnen.

Im Schulalltag führt das schnell zu der Frage, wie man eigentlich üben soll, wenn fünf Kinder gefühlt fünf verschiedene Dinge brauchen. Für jedes Kind ein eigenes Material vorzubereiten, klingt in der Theorie vielleicht schön, ist aber im normalen Alltag kaum dauerhaft zu leisten. Und ich glaube auch gar nicht, dass das immer nötig ist.

Manchmal hilft schon ein kleiner Fundus an unterschiedlichen Übungsmöglichkeiten. Während ein Kind noch Mengen bis 10 übt, kann ein anderes an Zahlzerlegungen arbeiten. Ein weiteres braucht gerade die Ergänzungen bis 10 und zwei andere sind schon bei Plus und Minus bis 20. Sie beschäftigen sich alle mit Mathematik und teilweise sogar mit Grundlagen, die eng zusammengehören – nur eben nicht zwangsläufig mit derselben Aufgabe.

Manchmal liegt das Problem eine Stufe vorher

Das finde ich gerade beim Rechnen wichtig. Wenn ein Kind bei 8 + 5 immer wieder von vorne abzählt, könnte man ihm natürlich noch zwanzig weitere Plusaufgaben geben. Vielleicht braucht es aber gar nicht mehr vom Gleichen. Vielleicht sind Zahlzerlegungen noch nicht sicher oder die Beziehungen zwischen Zahlen noch nicht so gefestigt, dass andere Rechenwege überhaupt naheliegen.

Ähnlich ist es mit Kindern, die Zahlen bis 100 problemlos aufsagen können, aber plötzlich überlegen müssen, was vor der 70 kommt oder wo ungefähr die 59 auf einem Zahlenstrahl liegen müsste. Das Zählen funktioniert – die Vorstellung vom Zahlenraum ist aber noch nicht genauso sicher.

Deshalb schaue ich bei solchen Schwierigkeiten lieber darauf, was eigentlich hinter der Aufgabe steckt. Nicht nur: „Das Kind kann diese Rechnung noch nicht“, sondern: Was braucht es, um sie irgendwann sicher lösen zu können?

Und dann darf Üben meiner Meinung nach ruhig abwechslungsreich sein. Natürlich brauchen Kinder Wiederholungen. Manche Dinge müssen oft gemacht werden, bevor sie wirklich sitzen. Das heißt aber nicht, dass die zwanzigste Wiederholung genauso aussehen muss wie die erste.

Digitale Lernspiele finde ich für solche Phasen praktisch, weil sie sich relativ unkompliziert in den Alltag einbauen lassen. Mal spielt eine kleine Gruppe am Smartboard, mal arbeitet ein Kind am Tablet, mal wird ein Spiel in der Freiarbeit oder im Wochenplan genutzt. Im Förderunterricht kann ich gezielt das auswählen, was gerade gebraucht wird. Das Spiel ersetzt dabei weder das Erklären noch Anschauungsmaterial oder das gemeinsame Nachdenken über Rechenwege. Es übernimmt eher den Teil, für den im Schulalltag ziemlich viel Zeit draufgeht: noch einmal üben, noch einmal ausprobieren, noch einmal festigen.

Gerade bei unterschiedlichen Lernständen finde ich außerdem Spiele praktisch, bei denen man den Zahlenraum auswählen kann. Ein Kind arbeitet vielleicht noch bis 20, während ein anderes schon bis 100 übt. Und ein Material, das in Klasse 1 eingeführt wurde, muss nicht automatisch am Ende des Schuljahres uninteressant werden. Wenn weitere Zahlenräume enthalten sind, kann es später wieder hervorgeholt werden. Die Bedienung kennen die Kinder dann schon – nur die Mathematik wird schwieriger.

Das gilt übrigens genauso für den Förderunterricht in höheren Klassen. Nur weil ein Kind in Klasse 3 sitzt, heißt das schließlich nicht, dass jede Grundlage aus Klasse 1 und 2 sicher ist. Manchmal muss man genau dorthin noch einmal zurück, ohne dass das Material deshalb nach „Anfangsunterricht“ aussehen muss.

Nicht alle müssen zur gleichen Zeit am gleichen Punkt sein

Vielleicht nimmt genau dieser Gedanke ein bisschen Druck aus solchen Übungsphasen. Wir werden die Unterschiede innerhalb einer Klasse nicht dadurch los, dass wir allen dasselbe Blatt hinlegen. Gleichzeitig müssen wir aber auch nicht jeden Morgen fünf verschiedene Unterrichtsstunden vorbereiten.

Ein überschaubarer Pool an Materialien, aus dem man passend auswählen kann, ist für mich im Alltag wesentlich realistischer. Heute braucht ein Kind noch Unterstützung beim Erfassen von Mengen, ein anderes zerlegt Zahlen, ein drittes übt Plus und Minus und nächste Woche sieht die Verteilung vielleicht schon wieder anders aus.

Aus genau diesem Grund habe ich inzwischen auch mehrere meiner interaktiven Mathe-Lernspiele zu einem Materialpaket „Zahlen verstehen & sicher rechnen“ zusammengefasst. Darin sind fünf unterschiedliche Browser-Spiele enthalten – von Zahlen und Mengen über Zahlzerlegung und Ergänzungen bis zu Plus und Minus und der Orientierung am Zahlenstrahl. Der Schwerpunkt liegt auf Klasse 1 und dem Förderunterricht; durch unterschiedliche Zahlenräume lassen sich einzelne Spiele aber auch später noch einsetzen.

Für mich ist das eigentlich der größte Vorteil daran: Ich muss nicht überlegen, welches eine Spiel jetzt für die ganze Klasse passen könnte. Es darf auch einfach für unterschiedliche Kinder Unterschiedliches passen.

-> Hier gehts zum Materialpaket

Tags: mathematik, 1. klasse, mathespiele, anfangsunterricht, grundschule, digitaleslernen, interaktives material, einfache mathespiele

Wenn du den Blog-Artikel magst dann klicke auf das Herz. Das hilft uns zu verstehen, welche Artikel besonders lesenswert sind.


Autor SozPädFö - Förderfreude bietet 76 Materialien für Fachübergreifendes, Mathematik und 5 weitere Fächer an - zum Beispiel:

Kommentare und Fragen von anderen Nutzern
Bitte melde dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.
Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen.