„War doch nur Spaß.“ - Wenn Absicht und Wirkung nicht dasselbe sind

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„War doch nur Spaß.“

Den Satz kennt wahrscheinlich jede Lehrkraft.

Meistens fällt er, wenn längst klar ist, dass mindestens eine Person gerade nicht mehr lacht.

In meinem neuen Mila-&-Jaro-Modul beginnt die Situation ziemlich unspektakulär. Im Klassenchat landet ein Foto von Nina. Ein Schnappschuss vom Schulhof. Ihre Haare stehen durch den Wind etwas wild, sie hat die Arme ausgebreitet.

„Wenn man denkt, man ist Hauptfigur.“

Jemand setzt lachende Emojis darunter. Der nächste Spruch kommt. Mila muss beim ersten Blick selbst grinsen.

Bis Nina schreibt:

„Ey, lösch das mal bitte.“

Bis dahin kann man über vieles diskutieren. War das Foto wirklich schlimm? Durfte Tom es lustig finden? War der Spruch schon gemein? Hätte man selbst vielleicht auch gelacht?

Nina macht die Sache dann ziemlich einfach. Sie möchte das Bild nicht im Chat haben.

Eigentlich wäre damit alles gesagt.

Stattdessen kommt:

„Ach komm, ist doch witzig.“

Und kurz darauf:

„Stell dich nicht so an, war doch nur Spaß.“

Ich stolpere über diesen Satz immer wieder.

Warum muss Nina jetzt eigentlich überzeugt werden?

Sie hat niemandem verboten, das Foto lustig zu finden. Sie hat gesagt, dass sie es gelöscht haben möchte.

Tom schreibt später, dass er es nicht böse gemeint habe. Das glaube ich ihm sogar. Kinder und Jugendliche machen ständig Dinge, deren Wirkung sie vorher nicht bedacht haben. Erwachsene übrigens auch.

Das Problem beginnt für mich dort, wo die Rückmeldung da ist und trotzdem weiterdiskutiert wird.

„War doch nur Spaß“ erklärt eine Absicht. Es macht die Reaktion des anderen Menschen nicht falsch.

Genau deshalb wollte ich diese Geschichte erzählen.

Mila findet das Foto am Anfang selbst ein bisschen lustig. Jaro verteufelt niemanden. Im Chat gibt es unterschiedliche Reaktionen. Und selbst nachdem Tom das Foto schließlich löscht, bleibt etwas hängen.

Er schreibt:

„War trotzdem nur Spaß.“

Nina antwortet nur:

„Danke.“

Damit könnte man die Geschichte beenden und zur nächsten Aufgabe gehen.

Ich finde aber, dass sie eigentlich genau dort anfängt.

Was bedeutet Toms letzter Satz?

Hat er verstanden, warum Nina das Foto gelöscht haben wollte?

Warum verteidigen wir unsere Absicht manchmal noch, obwohl die andere Person längst gesagt hat, wie etwas bei ihr angekommen ist?

Und wie hätte man selbst in diesem Chat reagiert?

Darüber dürfen Schülerinnen und Schüler in „War doch nur Spaß“, dem dritten Modul meiner Klassenchatreihe mit Mila & Jaro, nachdenken.

Ich habe das Material gerade vollständig überarbeitet. Aus der ursprünglichen kleinen Version ist ein umfangreiches Modul mit Geschichte, drei Reflexionsseiten, weiteren Aufgaben sowie Lehrerhinweisen und Lösungsvorschlägen geworden.

Und ja: Natürlich geht es dabei um Klassenchats.

Aber dieser eine Satz begegnet uns vermutlich noch an ziemlich vielen anderen Stellen.

„War doch nur Spaß.“

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