Nach meinem Referendariat an einer Gemeinschaftsschule habe ich mich bewusst für einen Wechsel an ein Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt Schülerinnen und Schüler in längerer Krankenhausbehandlung (SBBZ SILK) entschieden. Schon während meiner Promotion an der PH habe ich zu inklusivem Unterricht geforscht und mich intensiv mit der Frage beschäftigt, wie Schulen Kindern mit besonderen Bedarfen gerecht werden können. In der Praxis habe ich jedoch schnell gemerkt, dass das Regelschulsystem oft zu starr ist, um die pädagogischen Ideen, die ich im Kopf hatte, wirklich umzusetzen. Im Rahmen meines Referendariats durfte ich zwar bereits eine Inklusionsklasse begleiten, aber die Möglichkeiten, individuell zu arbeiten, waren begrenzt.
Am SBBZ erlebe ich nun eine andere Realität. Die Lerngruppen sind kleiner, die Vorbereitung orientiert sich stärker am einzelnen Kind und der Kontakt zu den Heimatschulen gehört selbstverständlich zum Alltag. Gerade dieser Austausch ist wichtig, um den Anschluss zu sichern und Lernlücken möglichst zu schließen. Gleichzeitig bedeutet meine Arbeit hier nicht nur Unterricht, sondern auch eine enge Zusammenarbeit mit Eltern, das Schreiben von Berichten und das sensible Reagieren auf sehr unterschiedliche individuelle Bedürfnisse. Eine besondere Aufgabe, die ich übernehmen darf, ist der Aufbau einer spezialisierten und wissenschaftlich fundierten Beratungsstelle zu ADS und ADHS für Lehrkräfte, Eltern und Schülerinnen und Schüler. Das verbindet meine wissenschaftliche Expertise mit der täglichen Praxis und eröffnet neue Wege, Kinder gezielt zu unterstützen.
Inklusion bedeutet für mich, jedem Kind eine Form von individueller Unterstützung zukommen zu lassen – und dabei gerade die Bedürfnisse von Kindern mit ADHS ernst zu nehmen. Das ist herausfordernd, weil Dokumentation und Verwaltungsaufgaben viel Zeit in Anspruch nehmen und manchmal wenig Raum für den Beziehungsaufbau lassen. Gleichzeitig ist es genau dieser persönliche Kontakt, der entscheidend ist. Wenn Kinder und Eltern spüren, dass man ihnen zuhört und ihre Situation ernst nimmt, entsteht Vertrauen, und das ist die Basis für jedes weitere Lernen.
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