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In dem Klassenstufenprogramm für die Klasse 6 sind folgende Schwerpunkte enthalten:
Berichten I: Bei informierenden Texten sollte zwischen Texten der unmittelbaren und mittelbaren Information unterschieden werden. Erst dann, wenn über Distanzierungsmöglichkeiten bewusst verfügt werden kann (bes. Konjunktiv), sollten Texte der mittalbaren Information behandelt werden (etwa ab Klasse 8): Hiernun sollte über vom Autor selbst Erlebtes, Geschehenes, Beobachtetes berichtet werden.
Exzerpieren II: Auch in Klasse 6 ist eine Klassenarbeit mit dem auf Erschließungs- und Übermittlungstechniken liegenden Schwerpunkt noch nicht erforderlich. Allerdings sollte auf die Durchführung einer Unterrichtsreihe „Exzerpieren“ nicht verzichtet werden. Fähigkeiten im Herauslösen und Weitergeben von Informationen sind auch in anderen Fächern durchaus erwünscht.
Spielanleitung: In dieser Unterrichtsreihe sollen die Schüler*innen Anleitungs- und Regeltexte verfassen. Das Verfassen von Spielanleitungen stellt meist recht hohe Anforderungen an das Sprachvermögen der Verfasser. Daher sollten nur recht „einfache“ Spiele ausgewählt werden.
Appellieren II: Aufbauend auf den Erkenntnissen in Klasse 5 (Einladungsschreiben für Gleichaltrige) können jetzt die Anforderungen erhöht werden, und zwar durch eine Veränderung der Einladungssituation (Anlass und Adressaten).
Weitererzählen II: Der Schwerpunkt dieser Erzählsequenz liegt auf der Förderung der Fähigkeit, die geforderten Vorgaben wirkungsvoll in die eigene Erzählung einzubinden.
Bildergeschichten II: Aufbauend auf den in Klasse 5 erworbenen Grundfähigkeiten im Lernzielbereich „Erzählen“, kann in dieser Unterrichtsreihe ein deutlicher Schwerpunkt auf der Behandlung von Erzählungen liegen, die zwei parallel zueinander verlaufende Handlungsstränge aufweisen.
Szenisch-dialogische Texte I: In Klasse 5 und 6 sollten oft die Gelegenheiten genutzt werden, die Schüler*innen Rollen spielen zu lassen. Die nachfolgend dargestellte Unterrichtsreihe zeigt einen möglichen Weg, wie auch schon ausführlicher und auch zielstrebiger gearbeitet werden kann.
Regelsystem: In Klasse 6 sollte der Grammatikstoff von Klasse 5 wiederholt werden. Darüber hinaus sollten die „vollendeten Zeiten“ behandelt werden. Bei einer solchen Schwerpunktsetzung werden die Grundlagen für die Behandlung von Satzgliedern und auch Aktiv- und Passivformen in Folgeklassen geschaffen.
Aufbauend auf den in Klasse 5 erworbenen Grundfähigkeiten im Lernzielbereich „Erzählen“ kann in dieser Unterrichtsreihe (Bildergeschichte II) ein deutlicher Schwerpunkt auf der Behandlung von Erzählungen liegen, die zwei parallel zueinander verlaufende Handlungsstränge aufweisen. Mit zur Beherrschung von Grundtechniken des Erzählens gehört schließlich auch, dass die Schüler in die Lage versetzt werden, solche parallel zueinander verlaufenden Handlungen in den Erzählvorlagen/ Quellen zu erkennen und auch sprachlich zu bewältigen. Einige Bildergeschichten erfordern es durch ihre Anlage selbst, dass bei der Umsetzung in einen erzählenden Text z.B. Rückblenden notwendig werden. Die Schüler werden selbst erkennen, dass etwas gleichzeitig an unterschiedlichen Orten Ablaufendes nicht gleichzeitig erzählt werden kann und daher mehr intuitiv als reflektierend entsprechende Erzählweisen anwenden. Bei ihrer Gestaltungsarbeit wird ihnen zudem bewusst werden müssen, dass sie als Verfasser der Erzählung, der ja gleichzeitig Ablaufendes sieht, gegenüber dem Leser „wissend“ sind und dass sie als Verfasser den Zeitpunkt bestimmen können, wann ein Wissensausgleich erfolgt. Hier bietet sich nun die Möglichkeit, auf den „allwissenden Erzähler“ hinzuweisen und einige seiner Aufgaben vielleicht auch schon bewusster übernehmen zu lassen. Es ist nicht das Ziel dieser Reihe, alle Funktionen eines Erzählers aufzulisten. Das würde schlichtweg überfordern. Es genügt schon, nur einige zu erkennen. Schüler diesen Alters haben Schwierigkeiten, zwischen Autor und Erzähler zu unterscheiden. Es spricht nichts dagegen, beide Begriffe vorerst synonym zu verwenden. Erst in späteren Klassen ist es natürlich notwendig und sinnvoll, den Erzähler als Vermittlerfigur des Autors zwischen ihm selbst und dem Leser zu sehen, wenn z.B. bei der Arbeit mit dem Erzählkern die Chronologie eines Geschehens bewusst aufgegeben wird, um etwa den Leser in eine bestimmte Erwartungshaltung zu versetzen, um Spannung zu erzeugen, um bestimmte Erzählintentionen besonders deutlich werden zu lassen.
Klassenstufen: 6. Klasse
Das Verfassen und Weitergeben von Anleitungs- und Regeltexten wird hier dem Lernzielbereich „Informieren“ zugeordnet; die übermittelten Angaben dienen nämlich fast ausnahmslos dazu, den Adressaten zum Nachvollzug einer Tätigkeit zu befähigen. Allerdings darf nicht übersehen werden, dass gerade diese Texte oft auch noch Empfehlungscharakter haben. Dadurch rücken sie deutlicher als andere Informationstexte in die Nähe appellierender Texte. Je stärker die „Empfehlungen“ werden (sie können sich u.a. in Form von Aufforderungen, Ratschlägen, Vorschriften oder Warnungen artikulieren), desto deutlicher wird der Bezug zu appellierenden Texten, so dass häufig auch von Mischformen zwischen den beiden Lernzielbereichen gesprochen werden kann. Das Verfassen und das Verstehen von Spielanleitungen stellt grundsätzlich recht hohe Anforderungen an das Sprachvermögen seiner Verfasser bzw. seiner Leser, auch an das der Erwachsenen. Kinder im Grundschulalter z.B. sind keineswegs überfordert, wenn sie „Mensch ärgere dich nicht“ spielen. Ihre Spiel- und Verstehensfähgikeit haben sie allerdings selten über die Lektüre der entsprechenden Spielanleitungen erworben; meist haben Eltern oder ältere Geschwister sie mit dem Regelwerk vertraut gemacht, haben es sich mit ihnen erspielt. An die Grenzen ihrer Sprachfähigkeit geraten sie aber, wenn sie selbst das Regelwerk dieses Spiels so erklären sollen, dass andere es auch spielend anwenden können. Immer wieder offenbart sich bei der Lektüre von Spielanleitungen zumindest eine Vorstellung von den Schwierigkeiten, die Erwachsene hatten, als sie sie verfassten. Sie nämlich, die Erwachsenen, sind durchweg die Verfasser der Regelwerke, nicht aber die Kinder oder Schüler. Wenn Schüler nun diese schwere Aufgabe übernehmen sollen, benötigen sie für deren Bewältigung deutliche Hilfen.
Klassenstufen: 6. Klasse
In der Unterrichtsreihe „Appellieren I“ in Klasse 5 haben die Schüler erste grundlegende Elemente appellierender Texte kennen gelernt und u. U. auch schon selbst einfache Texte, z. B. private Einladungsschreiben, verfasst. Aufbauend auf diesen erworbenen Kenntnissen und Fähigkeiten können jetzt die Anforderungen erhöht werden, und zwar durch eine Veränderung der Einladungssituation. So kann die mehr private Kommunikationsebene verlassen werden, um jetzt eine Einladung für eine offiziellere Veranstaltung verfassen zu lassen, z. B. für ein Klassenfest, für einen Elternabend. Mit einer solchen „Anlassveränderung“ erhöhen sich natürlich auch die Anforderungen: Die Adressaten sind nicht mehr gleichaltrige Freunde, sondern Erwachsene (Eltern, Angehörige oder Lehrer), auf die der Verfasser sich jetzt einstellen muss. Der „offiziellere“ Charakter eines solchen Schreibens wird hier deutlich. Auch die Programmgestaltung wird sicherlich anders aussehen als bei einer Geburtstagsfeier; die Wahl des Zeitpunktes und die Art der Durchführung sind darüber hinaus vom anderen Adressatenkreis abhängig. Doch auch dann, wenn von einer privateren Einladungssituation ausgegangen wird, lassen sich die Anforderungen steigern: Wenn der Einzuladende etwa keine Möglichkeit zu einer sicheren Heimkehr von der Veranstaltung sieht, zu diesem Zeitpunkt vielleicht schon andere Verpflichtungen eingegangen ist oder sich zu den ihn erwartenden Gruppierungen nicht mehr zugehörig fühlt, wird der Einladende sich Gedanken machen müssen, wie er seinen potentiellen Gast dennoch zum Kommen bewegen kann. In den Klassen 5 und 6 könnten also durchaus zwei Unterrichtsreihen mit deutlich sich steigernden Anforderungen durchgeführt werden, und zwar in Klasse 5 eine Reihe, die das private Einladungsschreiben behandelt und in Klasse 6 eine Reihe, die die Einladung zu einer größeren Veranstaltung und/oder das private Einladungsschreiben mit besonderen Schwierigkeiten zum Thema hat Denkbar ist aber auch, in Klasse 6 erstmals eine Unterrichtsreihe „Appellieren“ durchzuführen. Dann ist es natürlich möglich, beide Reihen zu kombinieren: Elemente aus der Unterrichtsreihe in Klasse 5 lassen sich mühelos in die Reihe in Klasse 6 integrieren; auf diese Weise ist dann auch ein kontinuierliches, aufbauendes Vorgehen gewährleistet. In der nachfolgend dargestellten Unterrichtsreihe werden die „offiziellen“ Einladungsschreiben mit den „privaten mit besonderen Schwierigkeiten“ kombiniert (Voraussetzung für dieses Vorgehen ist eine Behandlung der Reihe „Appellieren“ in Klasse 5). Die Schüler üben zunächst jeweils an einem Beispiel der beiden „komplexeren“ Einladungsschreiben; dann haben sie die Möglichkeit, sich bei der Klassenarbeit für eine der beiden Formen zu entscheiden.
Klassenstufen: 6. Klasse
Das in den beiden vorausgegangenen Erzählreihen in Klasse 5 erworbene Wissen soll natürlich weiter vertieft werden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hier allerdings auf der Förderung der Fähigkeit zu intensiverer Analyse der Vorgaben zum Herstellen einer Erzählung. Aus ihnen sollen die möglichen/ wahrscheinlichen oder auch logischen Handlungsfolgen erschlossen werden. Insofern fungiert diese Unterrichtsreihe auch schon als recht gezielte Vorbereitung der Arbeit an der Quelle einer Erzählung/ am Erzählkern (Eine erste Unterrichtsreihe, die sich mit der Ausgestaltung solcher Erzählkerne beschäftigt, wird in Klasse 8 dargestellt). In Klasse 5 hatten die Schüler in der Unterrichtsreihe „Weitererzählen I“ einen etwas größeren Gestaltungsspielraum, der sich daraus ergab, dass nur ein kurzer Anfang einer möglichen Erzählung vorgegeben wurde und so der Raum für Spekulationen doch offener blieb. Durch weitere Vorgaben (u.a. Zusatzinformationen, einzelne Erzählpassagen, situative Einbettungen) wird der Freiraum natürlich etwas eingeengt. Eine solche Einschränkung ist auch gewollt, da es weniger das Ziel dieser Reihe ist, Inhalte zu erfinden als sie herauszufinden und zu gestalten.
Klassenstufen: 6. Klasse
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