Kreatives Schreiben im Englischunterricht

Im Englischunterricht sollen unsere Kinder Englisch lernen. Und die heutigen Schulbücher bieten inzwischen unter anderem unglaublich viele Schreibanlässe, damit Englischlernen stattfinden kann. Unsere Kinder lernen, sich zu allen möglichen Themen schriftlich auszudrücken und erhalten differenzierte Unterstützung. Trotzdem wird in der Regel eher „sinnvolles Schreiben“ angeleitet. Zielgerichtet und nach einem vorgegebenen Muster strukturiert. Und natürlich ist das auch wichtig, vor allem im Hinblick auf das Abitur.

Was aber, wenn man Schüler*innen sehr früh im Spracherwerbsprozess die Zeit und den Raum gibt, sich in der englischen Sprache einfach mal auszuprobieren? Einfach draufloszuschreiben – ohne Zensur oder Anleitung, was und wie geschrieben wird? Ein Raum, wo man mit der Sprache spielen kann, Risiken eingehen kann und ausprobieren kann, wie Sprache wirkt. Ein Raum, wo Schüler*innen ein Bewusstsein dafür entwickeln können, dass man die Fremdsprache auch frei benutzen kann. Ohne Vorgaben, aus dem Inneren heraus.  

Jedes Kind liebt es, seine eigene Sprachwirksamkeit zu erleben. Zu spüren, dass die Sprache etwas Lebendiges ist, ein Werkzeug, um seine Gedanken auszudrücken. Nicht unbedingt nur ein Instrument, um etwas zielgerichtet zu formulieren, mit Fokus auf richtigen grammatischen Strukturen, sondern eine Möglichkeit, das eigene Innere zu kommunizieren. Ohne Vorgaben und ins Blaue hinein.

Solch ein Vorhaben braucht natürlich eines – und das ist Zeit. Viel Zeit. Kreativität kann sich nicht auf Kommando entfalten. Kreatives Schreiben entwickelt sich eher in Schüben. Und da kann es schonmal sein, dass ein Kind in einer Schulstunde kaum etwas zu Papier bringt, dafür aber in der nächsten einen großartigen Text schreibt. Und da liegt meistens unser Problem als Lehrer*in. Wo nehmen wir diese Zeit her? Können wir uns das erlauben? Den Kindern Zeit für Kreativität geben? Was ist denn dann mit der nächsten grammatischen Struktur, von welchen im Anfangsunterricht eine nach der anderen eingeführt wird? Gerate ich als Lehrer*in da ins Hintertreffen? Halte mit den Nachbarkursen nicht mehr mit?

Das sind alles gerechtfertigte Fragen, aber dabei dürfen wir eines nicht vergessen: ein aus dem Inneren eines Menschen motivierter Vorgang ist in seinem Wert für das Lernen kaum zu übertreffen. Spätestens seit Hatties Studie wissen wir, dass intrinsische Motivation, Kreativitätstraining und individuelles Feedback sehr wichtige Bausteine für erfolgreiches Lernen sind. Und alle diese Komponenten können beim kreativen Schreiben genutzt werden, um bei unseren Kindern eine kleine Flamme zu entzünden. Und zwar das Gefühl, dass es in der Fremdsprache für sich relevante Dinge frei ausdrücken kann, dass es Zeit dafür erhält, und dass die Lehrer*in es sich durchliest und ihm ein individuelles Feedback dazu gibt. Es ist quasi ein Erfolgsrezept.

Und aus anfänglich noch eingeschränkten Texten werden relativ schnell wirklich fantasievolle kleine Texte, die es definitiv wert sind, gelesen zu werden.

Und was bringt es dem Kind? Eine Flamme der Motivation für die Fremdsprache, welche von unermesslichem Wert für seinen Spracherwerb sein wird.

 

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