
Anfang diesen Jahres ist eine ehemalige Lehrerin meiner alten Schule gestorben. Das eine Jahr Religionsunterricht bei ihr habe ich noch gut im Kopf. Statt Bibelversen haben wir Atemübungen einstudiert, über den Irrsinn der Welt gesprochen und ab und an beim Eckenraten doch noch historische Eckdaten auswendig gelernt. Die Helikoptereltern wären bei diesen Unterrichtsinhalten empört gewesen! Die Stunden markierten kleine Inseln im Schultag, in denen wir – im wahrsten Sinne des Wortes – mehr Luft bekamen. Unabhängig von der starken Persönlichkeit der Lehrerin war das die einzige „Gesundheitsförderung“, die ich aus meiner Schulzeit mitgenommen habe.
Heute werden die Forderungen immer lauter, dass Gesundheitsförderung ins Klassenzimmer gehört, und da kann ich mich nur anschließen. Aber es muss mehr sein als die gesunde Brotbox oder das Sportfest einmal im Jahr. Vielleicht kennt ihr das Konzept der „guten, gesunden Schule“ - dass jede Entscheidung, die im Bezug auf Schulorganisation und Unterricht getroffen wird, auf ihren gesundheitlichen Einfluss geprüft wird. Für unsere Unterrichtsgestaltung können wir die gleiche Messlatte anlegen. Ist es wirklich gesundheitsfördernd, wenn ich die Stunde durchziehe, um halbwegs im Zeitplan zu bleiben – obwohl ich merke, wie bei allen die Luft raus ist? Ist es gesundheitsfördernd, wenn ich Erstklässler die gesamte Frühstückspause über zum Sitzen zwinge, weil ich dann die bessere Übersicht habe? Ist es gesundheitsfördernd, wenn ich immer lauter werde, anstatt dass die Klasse leiser wird?
Das Schöne ist, dass wir mit einem für die Kinder gesundheitsförderlichen Unterricht uns Lehrkräften ebenfalls viel Gutes tun. Wenn wir Bewegung und unterschiedliche Phasen in jede Stunde einbauen, muss niemand wegen fehlender Auslastung auf dem Stuhl zappeln. Mit Hör- und Entspannungsübungen finden nervöse Kinder (und Lehrkräfte) zur Ruhe. Die Länge von Schulstunden ist in keiner Weise auf die Konzentrationsleistung von Kindern ausgelegt, aber wir erwarten die komplette Zeit volle Power. Und das nicht nur für eine Schulstunde. Die Anerkennung dieser einfachen Tatsache muss unsere Unterrichtsplanung verändern, gerade für den Anfangsunterricht. Dabei sind keine riesigen Veränderungen von Nöten. Kleine Pausen können immer wieder zwischen Unterrichtsphasen eingestreut werden. Wie diese gestaltet werden, hängt von der Lerngruppe und der eigenen Persönlichkeit ab. Eine zappelige erste Klasse muss sich vielleicht eher bewegen, eine Klasse kurz vor wichtigen Prüfungen entspannen. Wenn ich mich nicht mit Yoga auskenne, biete ich kein Kinderyoga an. Aber eine Entspannungsgeschichte vorzulesen, erfordert keine besonderen Kenntnisse.
Bei meiner bewegungsfreudigen ersten Klasse kamen Bewegungsgeschichten super an. Ich lese eine Geschichte vor, die Kinder führen passend zu den Vorkommnissen Bewegungen aus. Leider gab es nicht viele Geschichten, die ich guten Gewissens vorlesen wollte. Ich gehe selber nicht in Zoos, weil ich die Tiere hinter Gittern kaum ertrage – da kann ich nicht vorlesen, wie der Elefant fröhlich trötet oder der Gorilla sich auf die Brust trommelt. Und auch Geschichten rund um den idyllischen Bauernhof, Piratenkämpfe oder die Löwenjagd hatten einen schalen Beigeschmack. Deswegen habe ich mich an einem unverfänglichen Thema versucht: Städtetrips, bei denen neben der Bewegung ein bisschen Kultur im Text steckt. Die kleinen Ausflüge nach Berlin, Hamburg und Köln findet ihr hier.
Aber auch mit Entspannungsgeschichten konnte ich punkten. Ein extra gekauftes Buch mit eher längeren Geschichten war ein ziemlicher Reinfall. Die Geschichten waren gut durchdacht, nur zu lang für die ungeduldigen Zuhörer. Dafür kam ein spontan als Entspannung vorgetragenes Erlebnis (eine Schifffahrt) super an. Wenn ihr lieber mit einer Vorlage arbeitet, seid ihr ja bei eduki genau richtig. Meine fünfteilige Reihe an knackig kurzen Entspannungsgeschichten findet ihr hier.
Ich wünsche fröhliches Ausprobieren und ein (auch für euch!) gesundheitsförderliches Homeschooling
P.S.: Mich gibt es nicht nur hier bei Lehrermarktplatz/Eduki, sondern auch bei Instagram.
Bildnachweis: https://www.pexels.com/de-de/foto/kinder-spielen-mit-luftballons-auf-grunem-grasfeld-6299265/
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