
Da ist dieses SACHE. Eine Sache, die grob geschätzt die Hälfte der Weltbevölkerung aktiv betraf, betrifft oder noch betreffen wird. Eine Sache, die einen eigenen Rhythmus besitzt und Ursprung jeden menschlichen Lebens ist. Eine Sache, die urplötzlich zu höllischen Schmerzen und führen kann, ohne dass dafür eine Krankschreibung vorgesehen ist. Eine Sache, die so geheim ist, dass alles, was mit ihr zu tun hat, verschwiegen und versteckt werden muss. In der Werbung wird sogar ihre Farbe verändert, damit sich keiner ekeln muss.
Na, seid ihr mir auf die Schliche gekommen? Es geht um die Regelblutung, die Menstruation, „die Tage“, die Periode, um Tante Rosa, die Erdbeerwoche und die rote Flut. Ich habe schon immer relativ offen über meine Periode gesprochen – weniger aus Überzeugung, sondern aus Not, weil ich seit Jahren regelmäßig Schmerzen habe. Für mich sieht in der Regel (in der Regel) ein Tag so aus, dass ich ohne Schmerztabletten nicht gerade gehen kann. Und meine Periode nimmt keine Rücksicht, nicht auf Urlaube, nicht auf Termine, nicht auf Prüfungen. Ich hatte meine Tage an der steinigen Küste von Sorrent, an der Ostsee und auf dem Brocken. Ich hatte meine Tage auf der Arbeit und bin vor Schmerzen zusammengeklappt.
Die Regelblutung gehört zum Leben und ist eigentlich ein (gutes) Zeichen von Fruchtbarkeit. Es wird jungen Menstruierenden aber unnötig schwer gemacht, ihre Regelblutung als das wahrzunehmen, was sie ist: Eine natürliche Begleiterscheinung. Darüber hinaus ist es erschreckend, wie wenig Wissen über den Zyklus wirklich vermittelt wird. Wer weiß denn schon so richtig Bescheid? Irgendwas mit Eisprung und Schleimhaut, und dann kommt die Abrissparty als Blutung. Dabei lohnen sich das Wissen über und das Leben mit dem natürlichen Zyklus immer. Die Zyklusphasen beeinflussen durch die unterschiedlichen Hormoncocktails, wie Menstruierende sich fühlen und was sie gerade leisten können. Entgegen einer derzeit gängigen Werbung möchte ich nämlich nicht leistungsstark sein, wenn ich meine Periode haben. Ich will mit meiner Katzenwärmeflasche im Bett liegen, Hörbücher hören und an einem Stück Schokolade lutschen.
Und nicht nur das! Ich möchte, dass junge Mädchen offen darüber sprechen können, dass sie gerade bluten. Dass es ihnen schlecht geht, sie eine Phase des Rückzugs brauchen, oder nicht am Schwimmunterricht teilnehmen können. Ich wünsche mir, dass Tampon- und Bindenübergaben nicht mehr heimlicher stattfinden als der Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke. Ich träume davon, dass Männer sich für die Menstruation ihrer Frauen, Freunde oder Schwestern interessieren. Nicht begeistern, aber sie zur Kenntnis nehmen. Ich möchte nie wieder den Satz „Wow bist du zickig, hast du deine Tage?“ hören. Und ich möchte, dass Produkte wie der aktuell vorgestellte Pinky Glove zum Flop werden, weil es auf jeder einzelnen Toilette einen Toiletteneimer gibt.
Da kommen wir nicht hin, wenn wir nicht darüber sprechen, gerade in der (Grund-)Schule. Einige Schulbücher zu dem Thema haben mich jedoch ziemlich enttäuscht. Da werden Tampons und Binden vorgestellt – gibt es da nicht heutzutage mehr? Da wird ein junges Mädchen zur Frau, wenn sie ihre Tage hat – ist das nicht in der heutigen Genderdebatte eine blöde Formulierung? Um eine gesunde, nicht schambesetzte Einstellung zu vermitteln, brauchen wir erst einmal das richtige Lehrmaterial. Ich habe einen Anfang versucht, bei mir findet ihr eine Übersicht über die aktuell gängigen Periodenprodukte (Überraschung, es sind mehr als zwei!) und dazu passende Cliparts. Mehr ist in Arbeit. Markiert gerne weiteres gutes Material rund um die Periode in den Kommentaren!
P.S.: Ihr wollt auf dem Laufenden bleiben, was ich mir zu dem Thema noch so ausdenke? Mich gibt es nicht nur hier bei Lehrermarktplatz/Eduki, sondern auch bei Instagram.
Bildnachweis: https://www.pexels.com/de-de/foto/frau-hand-gesichtslos-verwischen-5938370/
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