Tagebücher vom Wochenende

Schreiben? Von Anfang an!


 

Eines meiner liebsten Rituale im Deutschunterricht ist das Schreiben von Wochenendetagebüchern. Damit beginne ich am ersten Montag nach der Einschulung und es zieht sich durch die gesamte Schulzeit meiner Klasse.

Warum ich finde, dass es sich lohnt in das Tagebuchschreiben Zeit zu investieren, möchte ich dir gerne erklären:

Jeden Montag beginnt die Schulwoche damit, dass die SchülerInnen Zeit haben von ihrem Wochenende zu malen, zu schreiben und auch zu erzählen. Der gemeinsame Start in die Woche lässt die SchülerInnen in der Schule ankommen. Sie berichten von ihrem Wochenende, lassen die alte Woche hinter sich und starten gemeinsam in die neue Woche.

In meiner Klasse bekommen die Kinder eine bestimmte Zeit, um ihren Tagebucheintrag in Ruhe zu gestalten (Sanduhr), im Anschluss setzen sie sich selbstständig in den Sitzkreis, die Bögen liegen vor ihnen auf dem Boden und sie dürfen von ihrem Wochenende erzählen, ihr Bild zeigen oder auch vorlesen. Im Anschluss darf ein Kind eine Frage zu dem Gehörten stellen. Nach der Antwort wird das nächste Kind drangenommen.

2.      Abdeckung vieler Kompetenzen

Kompetenzbereich II (Schreiben) steht natürlich im Mittelpunkt. Die SchülerInnen „verfügen über Schreibfertigkeit“, je nach Klassenstufe erwerben sie zunehmend Kompetenz im „richtig schreiben“ und im „planen, schreiben und überarbeiten von Texten“.

Auch Kompetenzbereich I (Sprechen und Zuhören) findet seinen Platz. Die Kinder „sprechen zu anderen und führen Gespräche“ und sie üben „verstehend zuhören“, in dem sie passende Fragen zu dem Gehörten formulieren. 

Kompetenzbereich IV (Sprache und Sprachgebrauch untersuchen) wird abgedeckt, in dem die SchülerInnen zunehmend an ihren „Wörtern, Sätzen, Texten arbeiten“.

Aber auch die Medienkompetenz kann geschult werden, in dem die SchülerInnen ihre Tagebucheinträge am Computer überarbeiten und gestalten.

3.      Lernstandserhebung und Diagnostik

SchülerInnen kommen mit unterschiedlichen Vorkenntnissen über unserer Schrift in die Schule und das Tagebuchschreiben lässt sich von Anfang an nutzen, um die Fortschritte im Schriftspracherwerb zu dokumentieren.

Einige SchülerInnen befinden sich vielleicht noch in der Vorstufe des Schriftspracherwerbs. Sie „kritzeln“ auf die Linien und tun so „als-ob“ sie schreiben würden.


Andere kennen vielleicht schon einzelne Buchstaben oder Wörter, die sie aus dem Gedächtnis aufschreiben können. Sie malen Buchstaben nach und kennen die Form ihres Namens.

SchülerInnen, die sich auf diesen anfänglichen Stufen des Schriftspracherwerbs befinden biete ich gerne an, dass sie mir Sätze zu ihrem Wochenende diktieren können und ich schreibe sie dann auf. Die SchülerInnen erkennen schnell, dass ein Zusammenhang zwischen ihren Worten und meinem Schreiben besteht und, dass ihr gesprochenes Wort so relevant ist, dass es verschriftlicht wird.

Mit der Einführung der ersten Buchstaben und der dazugehörigen Laute erkennen die SchülerInnen, die Beziehung und fangen an erste Wortstücke zu schreiben. Typisch ist die Skelettschreibung, bei der die Konsonanten aufgeschrieben, die Vokale jedoch noch ausgelassen werden.


Mit zunehmender Laut-Buchstabenkenntnis nehmen auch die Wörter immer mehr Form an. Die SchülerInnen durchgliedern die Wörter in Silben und besonders lautgetreue Wörter werden aufgeschrieben.

An dieser Stelle bietet sich auch der Einsatz von Anlauttabellen an. Die SchülerInnen können damit schnell mehr Laute den passenden Buchstaben zuordnen. Häufig genutzte Wörter können als Klassenwortschatz eingeführt und somit von Anfang an richtig geschrieben werden (ich, und, wir…).


Mit aufsteigender Klassenstufe automatisiert sich das Schreiben. Ein erster Grundwortschatz wird erarbeitet und die Rechtschreibfähigkeit wird immer weiter ausgebaut.

Durch das kontinuierliche Arbeiten an den Tagebüchern habe ich als Lehrkraft einen guten Überblick über den aktuellen Entwicklungsstand im Schriftspracherwerb und kann ggf. gezielte Aufgaben und Übungen einsetzen.

Die Kinder nutzen beim Schreiben Wörter, die sie häufig verwenden, weil sie ihr individuell Erlebtes wiedergeben. An dieser Stelle kann ein individueller Wortschatz aufgebaut werden (ich nutze dazu die Arbeit mit der Wörterklinik).

4.      Eine schöne Erinnerung an die Grundschulzeit

Am Ende eines jeden Schuljahres gestalten die Kinder das Deckblatt für ihre Wochenendetagebücher. Sie dürfen dazu Fotos, Sticker, besondere Stifte usw. mitbringen.

Mit dem Zeugnis erhalten sie dann ihr gebundenes Tagebuch von den Wochenenden im jeweiligen Schuljahr.

Besonders in Klasse 1 ist es einfach erstaunlich, wie groß der Entwicklungssprung ist.

Ich stelle es mir auch einfach schön vor, wenn die SchülerInnen ein paar Jahre später ihrer vier gebundenen Tagebücher vor sich liegen haben, darin lesen und sich an ihre Grundschulzeit erinnern. 

 

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