Ein Kind erkennt „Drache“ sofort als Nomen. Bei „Angst“ zögert es: Die kann man schließlich nicht anfassen. Genau hier lohnt sich eine Unterrichtsstunde, die Wortarten mit dem Lesen und Schreiben verbindet. Abstrakte Nomen in Klasse 3 lassen sich gut an Märchen erarbeiten: Mut, Hoffnung und Glück bekommen durch die Handlung eine Bedeutung.
Dafür brauchst Du keinen langen Märchentext. Eine selbst geschriebene Szene, einige Wortkarten und Platz an der Tafel reichen. Die Leitfrage lautet: Wie können wir Gefühle und Vorstellungen benennen, obwohl wir sie nicht anfassen können?
Lies den Kindern diesen kurzen Einstieg vor:
„Vor der dunklen Höhle blieb die Prinzessin stehen. Ihre Knie zitterten. Aus der Tiefe hörte sie ein leises Rufen. Sie atmete durch und ging hinein, um zu helfen.“
Frage zunächst: „Welches Gefühl könnte die Prinzessin haben?“ Sammle Vorschläge, ohne ein einziges richtiges Gefühl vorzugeben. Angst, Sorge oder Unsicherheit passen, wenn die Kinder ihre Vermutung am Text erklären. Frage anschließend: „Welche Eigenschaft zeigt sie, als sie trotzdem hineingeht?“ So kommt auch Mut ins Gespräch.
Schreibe „Höhle“, „Angst“ und „Mut“ nebeneinander. Alle drei Wörter sind Nomen. Aber nur die Höhle bezeichnet hier etwas körperlich Wahrnehmbares. Angst bezeichnet ein Gefühl, Mut eine Eigenschaft. Damit entsteht der Fachbegriff aus einem verständlichen Beispiel.
Die Regel „Nomen kann man anfassen“ führt spätestens jetzt in eine Sackgasse. Nutze den Widerspruch ausdrücklich: „Wenn Angst ein Nomen ist, reicht unsere bisherige Regel dann aus?“
Als kindgerechte Sicherung eignet sich:
„Nomen benennen zum Beispiel Menschen, Tiere, Dinge, Gefühle und Vorstellungen. Wir schreiben sie groß. Gefühle und Vorstellungen wie Angst, Mut oder Hoffnung heißen abstrakte Nomen.“
Ergänze passende Artikel: die Angst, der Mut, die Hoffnung. Erkläre dabei, dass ein Artikel nicht immer unmittelbar vor dem Nomen stehen muss. In „Sie hat Mut“ bleibt Mut ein Nomen.
Auch die Mehrzahlprobe hilft nicht bei jedem Wort gleich gut. Für diese Stunde sind eindeutige Beispiele hilfreicher als Sonderfälle.
Mit diesen Aufträgen wird aus dem Gespräch eine kurze Lernfolge:
Wörter zuordnen: Die Kinder ordnen Burg, Schlüssel, Angst, Freude, Hoffnung und Krone zwei Gruppen zu: „Dinge“ sowie „Gefühle und Vorstellungen“. Anschließend ergänzen sie die Artikel. Die Lösung lautet: die Burg, der Schlüssel und die Krone gehören hier zu den Dingen; die Angst, die Freude und die Hoffnung zur zweiten Gruppe.
Textstellen begründen: Zu der Höhlenszene wählen die Kinder ein passendes abstraktes Nomen. Der Satzanfang „Das Wort … passt, weil …“ unterstützt die Erklärung. Eine mögliche Antwort ist: „Das Wort Mut passt, weil die Prinzessin trotz ihrer Angst hineingeht.“
Eine Szene schreiben: Gib den Auftrag: „Schreibe drei Sätze, in denen eine Märchenfigur Hoffnung bekommt. Verwende das Nomen Hoffnung.“ Danach liest ein Partnerkind und benennt die Stelle, an der die Hoffnung erkennbar wird.
Beim letzten Auftrag reicht es also nicht, das Zielwort einzubauen. Die Handlung soll seine Bedeutung zeigen. Genau das verbindet Grammatik im Märchen mit genauer Textarbeit.
Für Kinder, die noch viel Hilfe brauchen, legst Du drei Wortkarten bereit: Angst, Mut, Freude. Dazu kommen Satzanfänge wie „Die Figur fühlt …“ und „Das erkenne ich daran, dass …“. Lies die Szene bei Bedarf noch einmal vor.
Andere Kinder wählen selbst ein passendes Nomen und begründen ihre Entscheidung. Schnellere vergleichen zwei mögliche Wörter: Passt zur Höhlenszene eher Mut oder Übermut? Hier müssen sie genauer hinsehen: Mut ist durch die Handlung gut begründbar; für Übermut fehlen eindeutige Hinweise auf leichtsinniges Verhalten.
So bleibt der gemeinsame Gegenstand erhalten, während die sprachliche und gedankliche Anforderung steigt.
Zum Abschluss helfen Wortpaare: „ängstlich – die Angst“, „mutig – der Mut“, „fröhlich – die Freude“. Lass die Kinder jeweils einen kurzen Satz bilden. Besprich daran die unterschiedliche Verwendung und Großschreibung.
Ein Exit-Ticket zeigt Dir, wer weiterüben sollte: „Ergänze den Artikel zu Hoffnung. Schreibe einen Satz mit dem Nomen.“ Wer „die Hoffnung“ und beispielsweise „Die Hoffnung gibt ihr Kraft“ schreibt, zeigt beides: Das Wort wird als Nomen erkannt und sinnvoll verwendet.
Das neue BMT-Material „Abstrakte Nomen im Märchen“ für Deutsch 3 passt thematisch zu dieser Verbindung von Wortartenarbeit und Erzählen. Du kannst es in Deine Unterrichtsplanung einbeziehen, wenn die Klasse Gefühle und Vorstellungen anschließend weiter untersuchen soll.
Bewahre außerdem einige gelungene Kindersätze als kleine Wortsammlung auf. Beim nächsten Märchentext stehen dann neben Burg und Zauberstab auch Hoffnung, Freundschaft und Mut als Wörter für eigene Geschichten bereit.
Wenn du den Blog-Artikel magst dann klicke auf das Herz. Das hilft uns zu verstehen, welche Artikel besonders lesenswert sind.