In den meisten Bundesländern ist Religionsunterricht nach Konfession getrennt. Hamburg geht seit über 30 Jahren einen anderen Weg: Muslimische, christliche, jüdische, alevitische und konfessionslose Kinder sitzen dort gemeinsam im selben Religionsunterricht – als Regelmodell für alle Schüler:innen, nicht als Sonderweg. Was lässt sich davon auch außerhalb Hamburgs lernen?
RUfa, der "Religionsunterricht für alle", ist in Hamburg im Schulgesetz verankert und seit den 1990er-Jahren gemeinsam mit der evangelischen Kirche entwickelt worden, seit 2019 auch vertraglich mit muslimischen, alevitischen und jüdischen Gemeinden. Statt getrennter Unterrichtsformen gibt es einen gemeinsamen, dialogisch angelegten Unterricht: Lehrkräfte mit entsprechender Zusatzqualifikation lassen die religiösen Perspektiven der Schüler:innen selbst zu Wort kommen, statt nur über Religionen zu sprechen.
Drei Prinzipien machen das Modell auch über Hamburg hinaus interessant. Es wird dialogisch statt additiv unterrichtet: Themen wie Schöpfung, Gerechtigkeit oder Tod werden von Anfang an aus mehreren religiösen und nichtreligiösen Perspektiven gemeinsam erschlossen, statt Religion für Religion nacheinander abzuhandeln. Schüler:innen gelten dabei als Expert:innen ihrer eigenen Tradition, bringen eigene Erfahrungen ein und machen Religion so konkret statt abstrakt. Und weil die Lerngruppe von Anfang an religiös gemischt ist, wird Vielfalt zur Normalität statt zum Sonderfall – eine Realität, die in konfessionell getrennten Klassen oft erst nachträglich hergestellt werden muss. Diese Grundhaltung lässt sich in jede Lerngruppe mitnehmen, auch wenn der Unterricht formal konfessionell organisiert ist.
Auch unabhängig vom Bundesland lässt sich davon einiges übertragen: Leitfragen wie "Was ist dir heilig?" statt fertiger Stoffpakete öffnen den Raum für die Perspektiven aller Schüler:innen. Vergleichende Methoden wie Gruppenpuzzles, in denen verschiedene religiöse Quellen oder Positionen parallel erarbeitet und anschließend verglichen werden, funktionieren in jeder religiös gemischten Klasse. Und weil Lerngruppen ohnehin heterogen sind, lohnt es sich, Arbeitsblätter von vornherein auf drei Niveaus anzulegen, statt sie im Nachhinein zu kürzen.
Man muss nicht in Hamburg unterrichten, um dialogorientiert zu arbeiten – der Blick auf das Hamburger Modell schärft nur den Blick dafür, wie viel religiöse Vielfalt in jeder Lerngruppe ohnehin schon steckt. Ich entwickle meine eigenen Unterrichtsmaterialien genau in diesem Geist: interreligiös vergleichend, dreifach differenziert und mit echten Leitfragen statt bloßer Stoffvermittlung.
Ich entwickle meine eigenen Unterrichtsmaterialien genau in diesem Geist: interreligiös vergleichend, dreifach differenziert und mit echten Leitfragen statt bloßer Stoffvermittlung. Wer Lust hat, findet auf meinem eduki-Profil "Religion & Dialog" fertige Reihen zu Themen wie Schöpfung, Gerechtigkeit oder zentralen religiösen Quellen.
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