„Er kennt alle Buchstaben, aber er liest trotzdem nicht." Diesen Satz höre ich in Beratungsgesprächen häufiger als jeden anderen.
Der Grund liegt selten am Kind. Er liegt an der Einheit, in der wir es erlesen lassen.
Buchstabe für Buchstabe zu erlesen überlastet das Arbeitsgedächtnis. Bis das Kind beim letzten Laut angekommen ist, ist der erste längst weg. Was übrig bleibt, ist Raten – und Raten führt zu Fehlern, Fehler zu Vermeidung, Vermeidung zu einem Kind, das nicht mehr lesen mag.
Die Silbe löst das, weil sie mehrere Laute zu einer Einheit bündelt. Statt sechs Einzelteilen muss sich das Kind zwei merken. Dazu kommt: Silben kann man hören und klatschen, einzelne Buchstaben nicht. Die Silbe ist die Einheit, die Kinder schon mitbringen, bevor sie das erste Wort lesen.
Meine Reihenfolge im MSD ist immer dieselbe: erst klatschen, dann lesen. Nie umgekehrt.
Und noch ein Hinweis, der besonders bei DaZ-Kindern wichtig ist: Kläre die Wortbedeutung, bevor gelesen wird. Wer nicht weiß, was ein Wort bedeutet, kann sich nicht auf seine Sinnerwartung stützen und muss umso genauer erlesen. Sonst wird zwar richtig abgelesen, aber nichts verstanden.
Bei Fehlern gilt: nicht das Wort vorsagen, sondern nur auf die Silbe zeigen, an der es hakt.
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