Hallo ihr Lieben,
bevor ich mich in die Weihnachtsferien verabschiede, möchte ich euch danken, dass ihr da seid. Als meine Leserinnen, aber besonders auch als Lehrerinnen (dies gilt auch für die wenigen männlichen Leser unter euch!). Ich weiß, dass viele von euch von ganzem Herzen Lehrerin sind und mit aller Kraft und Kreativität daran arbeiten, Schule anders zu denken und zu gestalten. Ich möchte euch auch im nächsten Jahr gerne weiter mit meinem Newsletter begleiten, freue mich immer über eure Nachfragen und den Austausch.
In diesem Newsletter…
…teile ich eine kleine Alltagsgeschichte mit euch,
…bevor es ab in die Ferien geht.
Meine Töchter haben beide blaue Augen und ja, ich finde sie auch hübsch. Aber…
Mindestens einmal am Tag, meistens mehrmals kommt jemand Fremdes zu meinen Töchtern und sagt etwas, wie “Du hast aber schöne blaue Augen!” oder “Deine Augen sind aber blau.” oder "Woher hast du denn diese blauen Augen her?” Irgendetwas in die Richtung. Manchmal sogar “Du siehst ja aus, wie eine Puppe.”
Meistens entsteht dann eine unangenehme Stille, weil ich merke, dass es meine große Tochter (3 Jahre alt) irritiert und stört. Und hier liegt das Problem:
Was als “Kompliment” gedacht ist, beschränkt sie nur auf ihre äußeren Merkmale. Es wird etwas hervorgehoben, das für meine Tochter überhaupt nicht relevant und von Bedeutung ist. Sie selbst sieht ihre Augen ja fast nie und wir geben ihr auch nie das Gefühl, dass “schön sein” eine Tugend oder Errungenschaft ist.
Ich frage mich daher oft: Was macht es mit einer Dreijährigen, wenn sie mehrmals täglich auf ihr Äußeres angesprochen wird?

Eine Bekannte von mir hat erzählt, dass sie schon als Kind und noch heute als Erwachsene oft auf ihre dunkle Hautfarbe und ihre Haare angesprochen wird. “Deine Haare sehen ja aus wie ein Löwe/ eine Wolke…” Es war meistens auch als Kompliment gemeint, aber sie sagt heute, dass ihr größter Wunsch als Kind war, normal zu sein. Sie wollte so sein, wie alle anderen, einfach dazugehören und nicht besonders auffallen.
Und das wollen alle Kinder! Sie wollen dazugehören und nicht die Attraktion sein. Kein Kind möchte, dass man mit dem Finger auf es zeigt und bestimmte äußere Merkmale in den Vordergrund stellt. Und dabei ist es völlig egal, ob es sich um einen Afro oder um blaue Augen handelt. Und das sehe ich an der Reaktion meiner Tochter, die sich wirklich unwohl fühlt mit diesen Kommentaren.
Ich habe mich gefragt, wie ich das Selbstwertgefühl meiner Kinder stärken und sie vor solchen Situationen schützen kann. Ich möchte ihnen kein höfliches Lächeln und “Dankeschön” vorleben, wenn es ihnen doch offensichtlich unangenehm ist. Wie kann ich als Mama, anstatt die unangenehme Stille zu übergehen, mit solchen Kommentaren zukünftig umgehen? Und somit auch ein Vorbild sein für meine Kinder, die irgendwann alt genug sind, selbst darauf zu reagieren.
Meine Bekannte habe ich auch gefragt und sie sagte, es hätte ihr als Kind geholfen, in solchen Situationen eine bestärkende Affirmation parat zu haben. Heute sagt sie: “Ich bin viel mehr als das!”
Ich habe mir vorgenommen, diesen Satz ab jetzt auszuprobieren: “Sie ist viel mehr als das!” mit einem bestärkenden Lächeln an meine Tochter.
Kleiner Exkurs für den Klassenraum: Diese Erkenntnis gilt natürlich auch für unsere Schüler. Statt "Du hast aber schön gemalt!" können wir sagen: "Erzähl mir von deinem Bild – was war dir dabei wichtig?" Statt "Du bist aber schnell beim Rechnen!" können wir fragen: "Wie hast du das gelöst?"
So verschieben wir den Fokus von äußeren Merkmalen und Ergebnissen auf den Prozess, die Gedanken und das innere Erleben des Kindes.
Und jetzt ab in die Weihnachtsferien. Einen schönen Endspurt wünsche ich dir!
Deine Tatiana
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