ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine neurobiologische Entwicklungsbesonderheit, die sich durch Unaufmerksamkeit, Impulsivität und/oder Hyperaktivität äußert. Wichtig ist: Jedes Kind mit ADHS zeigt ein individuelles Bild, nicht alle sind „zappelig“ oder unkonzentriert, manche träumen häufig weg, andere wirken ständig in Bewegung.
Im Klassenzimmer kann dies herausfordernd sein, wenn Aufgaben liegenbleiben, Anweisungen vergessen werden oder ein Kind impulsiv dazwischenruft. Es bedeutet jedoch nicht, dass die Kinder absichtlich stören oder „faul“ sind. ADHS ist keine Frage des Wollens, sondern des Könnens.
Stellen Sie sich vor:
Sie möchten zuhören, aber die Geräusche von draußen, das Kratzen eines Stiftes und das Rascheln von Papier sind genauso laut wie die Stimme der Lehrkraft.
Sie nehmen sich fest vor, die Aufgabe sofort zu erledigen, doch plötzlich entdecken Sie ein interessantes Bild im Buch, und Ihr Gedanke springt weiter.
Sie wissen, dass Sie leiser sein sollten, doch die Worte platzen einfach heraus, bevor Sie nachdenken konnten.
Kinder mit ADHS erleben ihren Schulalltag oft mit ständiger Anstrengung. Viele berichten, dass sie sich „falsch“ fühlen, weil sie merken, dass andere Kinder scheinbar mühelos Dinge schaffen, die ihnen schwerfallen. Ein verständnisvoller Blick der Lehrkraft kann hier enorm entlasten.
Ziel: Selbstregulation und kurze Konzentrationsphasen fördern
Zeitaufwand: 2–3 Minuten
Einsatz: Jederzeit, z. B. nach einer bewegungsintensiven Phase oder vor einer neuen Aufgabe
Ablauf:
Alle sitzen aufrecht hin und legen die Hände auf den Tisch oder in den Schoß.
Die Lehrkraft sagt: „Wir machen eine Fokus-Minute. Wir atmen gemeinsam ein und aus.“
Atmen Sie drei tiefe Atemzüge an – dabei laut mitzählen („eins… zwei… drei“).
Danach dürfen die Kinder die Augen schließen oder einen Punkt an der Tafel fixieren.
Für 60 Sekunden hören alle nur auf den Atem oder auf die Stille.
Zum Abschluss, eine kurze positive Affirmation wie „Ich bin bereit, mich zu konzentrieren“ oder „Ich starte jetzt neu“.
Diese kleine Routine hilft Kindern mit ADHS (und auch der ganzen Klasse), ihre Aufmerksamkeit neu auszurichten und innere Unruhe zu regulieren, ohne großen Aufwand.
ADHS im Klassenzimmer erfordert Geduld, Klarheit und Verständnis. Lehrkräfte sind kein/e Therapeut:innen, aber sie können durch kleine Anpassungen den Alltag erleichtern und Lernchancen verbessern. Entscheidend ist, Kinder mit ADHS wollen kooperieren und lernen – sie brauchen dabei einfach besondere Unterstützung.

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