Ein Werkzeugkasten für alle, die mit ängstlichen und zurückgezogenen Kindern arbeiten – im Mobilen Sonderpädagogischen Dienst, in der Inklusionsberatung, als Klassenleitung oder Beratungslehrkraft. ▶ WARUM DIESES HEFT Aufmerksamkeit folgt der Lautstärke, nicht dem Bedarf. Ein Kind, das schreit, steht am Freitag auf der Konferenzliste. Ein Kind, das seit drei Monaten nichts mehr sagt, steht dort nicht. Internalisierende Auffälligkeiten werden in der Schule nachweislich schlechter erkannt als externalisierende – das ist kein Vorwurf an Lehrkräfte, sondern eine Eigenschaft der Aufmerksamkeit, die man kennen und ausgleichen kann. ▶ DIE FRAGE, DIE DEN UNTERSCHIED MACHT Was hat bei diesem Kind aufgehört? Nicht: was fällt auf. Bei stillen Kindern ist das Verschwundene die Information – die Hand, die sich nicht mehr hebt, der Platz in der Pausengruppe, der leer bleibt, die Erzählungen vom Wochenende, die ausbleiben. Interessenverlust ist das zuverlässigste Anzeichen einer depressiven Entwicklung und dasjenige, nach dem in der Schule am seltensten gefragt wird. ▶ WAS DU BEKOMMST - 39 Seiten Praxisheft als ausfüllbare PDF (alle Felder direkt am Rechner beschreibbar) - Dieselben Seiten als editierbares Word-Dokument - Über 500 vorbereitete Eingabefelder: Beobachtung, Angst-Leiter, Gespräche, Krisenablauf - Kopiervorlagen V1–V10, drei Legematerialien mit Kartenseiten und drei Seiten für das Kind selbst ▶ INHALT 1. Warum stille Kinder übersehen werden – und was die Zahlen dazu sagen 2. Die Angstformen im Schulalltag: Trennungsangst, soziale Ängstlichkeit, Prüfungsangst, Dauersorge – und warum jede eine andere Reaktion braucht 3. Wie Depression bei Kindern aussieht: Gereiztheit, Bauchweh, Erschöpfung, Interessenverlust – meist nicht Traurigkeit 4. Der gemeinsame Motor: Vermeidung und Rückzug wirken sofort und schaden dauerhaft 5. Die Vermeidungslandkarte – wo Erwachsene in bester Absicht beim Ausweichen helfen 6. Die Angst-Leiter: in kleinen Schritten hingehen statt aussetzen oder hineinzwingen 7. Leistungssituationen entschärfen – was ohne Antrag geht und wo Nachteilsausgleich beginnt 8. Aktivitätsaufbau bei Rückzug: erst tun, dann geht es besser 9. Das Gespräch mit dem Kind – vor dem Elterngespräch, nicht danach 10. Wenn es um Selbstgefährdung geht: der Ablauf am selben Tag, Schritt für Schritt ▶ BESONDERHEIT Die Sichtbarkeitskarten für das Kollegium. Fünfzehn Minuten Konferenz, zwei Felder – „fällt mir auf" und „fällt mir nicht auf" – und danach schaut eine Schule anders hin. Eine Karte gehört absichtlich auf beide Seiten. Dazu die Mutkarten für die Angst-Leiter und die Denkfallen-Karten für ältere Kinder. ▶ FÜR WEN Für den Mobilen Sonderpädagogischen Dienst (MSD) und alle regionalen Entsprechungen: Sonderpädagogischer Dienst, Mobiler Dienst, Beratungs- und Förderzentrum (BFZ), Förder- und Beratungszentrum, Ambulanter Sonderpädagogischer Dienst, Inklusionsberatung, Gemeinsames Lernen, Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik (ZIS), Schulische Heilpädagogik. Ebenso für Klassenleitungen, Beratungslehrkräfte, Schulleitungen, Schulsozialarbeit und Referendarinnen und Referendare. ▶ FACHLICHER STAND Internalisierende Störungen werden im Schulkontext seltener erkannt als externalisierende. In der deutschen COPSY-Studie (Ravens-Sieberer et al.) stiegen erhöhte Angstwerte bei Kindern und Jugendlichen von 14,9 % auf 24,1 %; Depressionen waren 2021 der häufigste Grund für eine stationäre psychiatrische Behandlung Jugendlicher. Angststörungen werden durch Vermeidung und Sicherheitsverhalten aufrechterhalten, depressive Störungen durch Rückzug und Verstärkerverlust – wirksam sind gestufte Annäherung und Aktivitätsaufbau, hier ausschließlich pädagogisch angewandt. ▶ HINWEIS Das Heft ist keine Psychotherapie, keine Diagnostik und keine Rechtsberatung. Die Feststellung einer Störung und ihre Behandlung gehören in kinderärztliche, kinder- und jugendpsychiatrische oder psychotherapeutische Hände. Bei Hinweisen auf Selbstgefährdung gilt das Krisenkonzept der Schule; bei Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung § 8a SGB VIII. Nachteilsausgleiche richten sich nach dem jeweiligen Landesrecht. © Der Inklusionscoach
▶ AUCH BEKANNT ALS – die Begriffe im deutschsprachigen Raum
Mobiler Sonderpädagogischer Dienst (MSD, Bayern) · Sonderpädagogischer Dienst (Baden-Württemberg) · Mobiler Dienst (Niedersachsen) · Beratungs- und Förderzentrum BFZ und inklusive Beschulung (Hessen) · Gemeinsames Lernen und sonderpädagogische Unterstützung (Nordrhein-Westfalen) · Förder- und Beratungszentrum FBZ (Rheinland-Pfalz) · Regionales Bildungs- und Beratungszentrum ReBBZ (Hamburg) · SIBUZ (Berlin) · Diagnostischer Dienst (Mecklenburg-Vorpommern) · Mobiler Sonderpädagogischer Diagnostischer Dienst MSDD (Sachsen-Anhalt) · Inklusiver Unterricht, sonderpädagogischer Förderbedarf SPF und Zentrum für Inklusiv- und Sonderpädagogik ZIS (Österreich) · Schulische Heilpädagogik SHP, Integrative Förderung IF und sonderpädagogische Massnahmen (Schweiz). Die Vorlagen sind bundesland- und kantonsunabhängig nutzbar; rechtliche Hinweise beziehen sich auf Bayern – bitte die Fassung prüfen, die für dich gilt.
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