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Dieses Unterrichtsmaterial umfasst zwei vollständig ausgearbeitete Unterrichtsstunden zur Vorbereitung auf einen Besuch des Lernortes Keibelstraße in Berlin. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich zunächst mit der Frage, unter welchen Voraussetzungen Untersuchungshaft in einem heutigen Rechtsstaat überhaupt zulässig ist. Darauf aufbauend untersuchen sie, welche Funktion Untersuchungshaft in der DDR haben konnte und inwiefern sie auch als Mittel politischer Kontrolle und Einschüchterung eingesetzt wurde.
Die beiden Stunden bauen bewusst aufeinander auf: In der ersten Stunde entwickeln die Lernenden einen rechtsstaatlichen Maßstab. Sie unterscheiden Strafhaft und Untersuchungshaft und prüfen anhand konkreter Fälle, ob dringender Tatverdacht, Haftgrund und Verhältnismäßigkeit vorliegen. Dabei wird deutlich, dass Untersuchungshaft keine vorweggenommene Strafe ist und grundsätzlich die Unschuldsvermutung gilt.
In der zweiten Stunde werden diese Kenntnisse als Vergleichsfolie für die DDR genutzt. Die Schülerinnen und Schüler untersuchen, wie politische Kritik, Protest oder der Wunsch, die DDR zu verlassen, kriminalisiert werden konnten. Anhand eines exemplarischen Falles prüfen sie politische Untersuchungshaft mithilfe rechtsstaatlicher Maßstäbe und formulieren ein begründetes Urteil zur Frage, ob Untersuchungshaft in der DDR ausschließlich der Aufklärung von Straftaten diente.
Der direkte Bezug zum Lernort wird bereits im Unterricht hergestellt: Die zweite Stunde beginnt mit einem Foto zweier Zellen der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt Keibelstraße. Zum Abschluss entwickeln bzw. wählen die Lernenden eigene Forschungsfragen, die sie während des anschließenden Besuchs weiterverfolgen können.
Inhalte:
→ Unterschied zwischen Strafhaft und Untersuchungshaft
→ Unschuldsvermutung und Schutzrechte von Beschuldigten
→ dringender Tatverdacht, Fluchtgefahr, Verdunkelungsgefahr und Wiederholungsgefahr
→ Verhältnismäßigkeit und richterliche Entscheidung
→ Anwendung eines einfachen Prüfschemas auf vier lebensnahe Fallbeispiele
→ Untersuchungshaft und politische Gefangene in der DDR
→ Kriminalisierung von Kritik, Protest und politischen Forderungen
→ Vergleich von rechtsstaatlichem Anspruch und möglicher DDR-Praxis
→ Untersuchungshaft als mögliches Mittel von Einschüchterung, Informationsgewinnung und politischer Kontrolle
→ Entwicklung eigener Forschungsfragen für den Besuch der Keibelstraße
Enthalten:
→ 2 vollständig ausgearbeitete Unterrichtsstunden à ca. 45 Minuten
→ Verlaufspläne und Lehrerimpulse
→ Informationstexte und Arbeitsblätter
→ Prüfschema zur Untersuchungshaft
→ vier Fallbeispiele zur heutigen Untersuchungshaft
→ Hilfekarte und Differenzierungsmöglichkeiten
→ historischer DDR-Fall
→ Fotoimpuls aus der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt Keibelstraße
→ Sicherungs- und Urteilsaufgaben
→ Forschungsfragen für den Lernort
→ ausführliche Musterlösungen und Unterrichtshinweise
Die erste Stunde ist ausdrücklich als heutiger rechtsstaatlicher Referenzrahmen angelegt. Die Materialien weisen darauf hin, dass diese Maßstäbe nicht einfach auf die DDR übertragen werden sollen, sondern dazu dienen, Unterschiede zwischen rechtsstaatlichem Anspruch und historischer Praxis begründet herauszuarbeiten.
Zielgruppe: Sekundarstufe I, besonders Klasse 9–10
Dauer: 2 × 45 Minuten
Fach: Geschichte / Gesellschaftslehre
Einsatz: Vorbereitung auf den Besuch des Lernortes Keibelstraße
Schwerpunkte: DDR, Untersuchungshaft, Rechtsstaat, politische Verfolgung, historisches Urteilen
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