Vorschau - Stundenentwürfe - Der Anfang — Classroom Management, Heft 1 bis 5 im Paket - Deckblatt
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Stundenentwürfe - Der Anfang — Classroom Management, Heft 1 bis 5 im Paket - Die Rabenkiste - Deckblatt
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Beschreibung

Es klingelt, und nichts läuft. Zwanzig Personen kommen herein, der Auftrag wird noch angeschrieben, jemand fragt nach dem Blatt von letzter Woche — und wenn die Letzte sitzt, sind sechs Minuten weg. Dasselbe im Großen: In der ersten Schulwoche werden Regeln verkündet statt unterrichtet, am zweiten Tag ist die erste Ausnahme gemacht, und im Oktober fängt jede Stunde wieder von vorn an. Der Anfang ist die Stelle, an der sich am meisten entscheidet und am wenigsten geplant wird.

Diese fünf Hefte behandeln ihn als eigene Aufgabe — den Anfang einer Stunde, den Anfang eines Schuljahres und die drei Dinge, die man dafür auseinanderhalten muss. Heft 1 misst den Stundenbeginn und gibt ihm einen Ablauf. Heft 2 verteilt den Schuljahresanfang auf zehn Schultage. Heft 3 trennt Regel, Routine und Prozedur, weil davon abhängt, ob du unterrichten, üben oder ansagen musst. Heft 4 nimmt die Sitzordnung auseinander, Heft 5 die eigene Wahrnehmung im Raum.

Die Reihenfolge ist der Weg: erst die eine Stunde, dann die ersten zwei Wochen, dann die Begriffe, dann der Raum, dann du selbst. Wer wenig Zeit hat, liest Heft 1 und Heft 3 — das eine wirkt ab morgen früh, das andere erklärt, warum die Hälfte der üblichen Ratschläge an der falschen Stelle ansetzt.

Was enthalten ist

Heft 1, Die ersten zehn Minuten. Was in deutschen Unterrichtsstunden an Zeit wirklich verloren geht, was Jacob Kounin 1970 tatsächlich untersucht hat und was die einzige randomisierte Studie zum Stundenbeginn zeigt. Dazu ein Ablauf in sieben Schritten von der Tür bis zum ersten Auftrag und ein Beobachtungsbogen, der mit vier Uhrzeiten auskommt.

Heft 2, Die ersten zwei Wochen. Der Schuljahresanfang als eigene Phase: was Evertson und Emmer an 78 texanischen Klassen beobachtet haben, welche zwei Merkmale Regeln nach der einschlägigen Literaturübersicht wirksam machen — und welche drei ausdrücklich uneindeutig bleiben. Ein Plan für zehn Schultage, ein Regelplakat zum Ausfüllen, zwölf Routinekarten nach Einführungstag sortiert.

Heft 3, Regeln, Routinen, Prozeduren. Drei Definitionen, die eine alltägliche Verwechslung auflösen: Eine Regel wird unterrichtet und mit einer Folge verknüpft, eine Routine wird geübt und nicht sanktioniert, eine Prozedur muss nur bekannt sein. Dazu ein Verfahren, eine Regel in fünf Stufen zu unterrichten, und ein Sortierraster für die eigene Klasse.

Heft 4, Die Sitzordnung. Sechs Formen im selben Raum und im selben Maßstab, damit vergleichbar ist, was die Form ändert. Der bekannteste Befund zur Sitzordnung stammt aus einer Videostudie von 1970; die einzige auffindbare gezielte Nachprüfung bestätigt ihn nicht und dreht die Frage um. Dazu ein leerer Grundriss, eine Kriterienliste und ein Verfahren für die Platzvergabe.

Heft 5, Präsenz und Allgegenwärtigkeit. Kounins bekanntester Begriff, mit Design, Stichprobe und Jahr — und dem Trainingsbefund, der in keiner Fortbildung vorkommt. Vier Begriffe mit Beispiel und Gegenbeispiel als Merkplakat, vier Grade des Eingreifens ohne Unterrichtsunterbrechung und ein Zählbogen, mit dem eine Kollegin zwanzig Minuten lang nur zählt.

Der Aufbau ist in allen fünf Heften derselbe: acht Seiten DIN A4, darin ein Merkplakat auf Seite 5 in A3 kopierbar, eine Arbeitsseite auf Seite 6 mit ausgefüllter Beispielspalte, ein Kartenblatt auf Seite 7 mit zwölf Karten zum Ausschneiden und eine Quellenseite auf Seite 8 mit Abrufdatum und der Ampel belegt, uneinheitlich, nicht belegt. Zusammen sind das 40 Seiten, fünf Merkplakate, fünf Arbeitsseiten und 60 Karten. Jedes Heft liegt farbig und in einer echten Graustufenfassung bei, konvertiert und nicht gerastert.

Sechs gemessene Minuten — und die Zahl, die es nicht gibt

Der stärkste Befund dieses Blocks ist die persönliche Begrüßung an der Tür. In einer randomisierten Studie mit Aufmerksamkeitskontrolle stieg die aufgabenbezogene Zeit von 58,8 auf 79,7 Prozent (d = 0,93), das Störverhalten sank von 13,7 auf 4,1 Prozent (d = 0,87); zehn Klassen, 203 Schülerinnen und Schüler, Jahrgangsstufen 6 bis 8, zwei Monate Laufzeit (Cook u. a. 2018). Der Vorbehalt der Autoren steht in Heft 1 direkt daneben: keine Mehrebenenanalyse trotz geschachtelter Daten, die Effektstärken sind dadurch vermutlich überschätzt. Ein starker Befund aus einer kleinen Studie — und die einzige Einzelhandlung des ganzen Blocks, hinter der ein Experiment steht.

Daneben stehen die Zeitzahlen, die tatsächlich erhoben wurden: In 428 beobachteten Unterrichtsstunden bei 140 Lehrkräften an 22 kaufmännischen Berufsschulen betrug die echte Lernzeit im Mittel 39 von 45 Minuten; rund vier Minuten gingen an Organisation, rund zwei an Verspätung und vorzeitiges Ende (Götzl u. a., Erhebung 2012, Intercoder-Reliabilität 0,944). Die einzige Studie, die gezielt auf den Beginn geschaut hat, misst sechs Minuten mittlere Verzögerung über 131 beobachtete Stundenbeginne in Finnland; beide Seiten waren nur in 20 Prozent der Fälle pünktlich (Saloviita 2008, vom Autor selbst eine vorläufige Studie genannt).

Und dann die Sätze, die diese fünf Hefte ausdrücklich nicht schreiben. Erstens: „Unterrichtsstörungen kosten zehn bis 15 Minuten pro Stunde.“ Nach der Quelle wurde gesucht; die einzige Fundstelle ist ein Ratgeberbeitrag ohne Studie, ohne Autor und ohne Jahreszahl, und der deutschsprachige Wikipedia-Artikel zu Unterrichtsstörungen nennt überhaupt keine Zeitzahl. Sechs Minuten sind ärgerlich und rückholbar; zehn bis 15 sind eine Erfindung.

Zweitens: „Regeln müssen gemeinsam erarbeitet werden, damit sie wirken.“ Nach der besten verfügbaren Literaturübersicht sind genau zwei Merkmale wirksamer Klassenregeln belegt — Regeln unterrichten wie einen Lerninhalt und sie mit einer angekündigten Konsequenz verknüpfen. Anzahl, positive Formulierung und gemeinsame Erarbeitung bleiben dort ausdrücklich „equivocal“, also uneindeutig (Alter & Haydon 2017; wie viele Studien ausgewertet wurden, geht aus dem Abstract nicht hervor, und der Volltext lag nicht vor). Das ist kein Argument gegen Beteiligung. Es ist eines dagegen, sie als Wirksamkeitsargument zu verkaufen. Aus demselben Grund steht die Faustzahl „drei bis fünf Regeln“ in Heft 2 und 3 als Setzung und nicht als Befund.

Drittens: „Lehrkräfte reden bevorzugt mit den Kindern vorn und in der Mitte, also schau auch mal nach hinten.“ Der Befund stammt aus einer Videostudie von 1970 (Adams & Biddle); das Buch selbst war nicht einsehbar, Stichprobe und Videoanzahl waren nicht zu ermitteln und stehen deshalb nicht im Heft. Die einzige auffindbare gezielte Nachprüfung — 30 sechste Klassen in Tschechien, verteilt auf Stadt-, Kleinstadt- und Dorfschulen — bestätigt ihn nicht: Nicht der Raum erzeugte die Zone, sondern die Platzvergabe. Die Lehrkräfte setzten die kommunikativeren Kinder nach vorn (Bradová 2012). Das dreht die Konsequenz um, und Heft 4 zieht sie: Prüf, nach welchem Kriterium deine Sitzordnung entstanden ist.

Dazu kommt der unbequemste Befund des Blocks, und er betrifft den bekanntesten Begriff des ganzen Feldes. In der einschlägigen deutschen Trainingsstudie zeigte ein videobasiertes Seminar kleine Effekte bei der Strukturierung, mittlere beim Gruppenfokus — und keine bei der Allgegenwärtigkeit (Gold, Förster & Holodynski 2013, referiert bei Gehrmann 2016; der Volltext war nicht zugänglich, die Angabe ist deshalb in ihrer Richtung zu verwenden und nicht in einer Zahl). Und Kounins Korrelationskoeffizienten waren aus den zugänglichen Quellen nicht zu ermitteln: Die kursierende Zahl r = 0,615 ist nicht verifiziert und steht in keinem der fünf Hefte.

Was stattdessen in jedem Heft steht, ist die Auskunft, worauf ein Schritt beruht. Auf den Kartenblättern ist das eine eigene Zeile: gemessen, abgeleitet oder gesetzt. Bei den zwölf Einstiegsritualen aus Heft 1 lautet die Auskunft elfmal, dass es dazu keine Wirksamkeitsstudie gibt.

Für wen und wann

Für Lehrkräfte aller Schulformen, Schwerpunkt Sekundarstufe I. Kein Fach vorausgesetzt, keine Technik: Die Bögen brauchen einen Stift und eine Uhr, die Karten eine Schere, die Plakate einen Kopierer.

Der beste Zeitpunkt für den ganzen Block ist die Woche vor einem Schuljahresbeginn oder vor der ersten Stunde in einer neuen Lerngruppe. Der zweitbeste ist eine Klasse, in der der Anfang seit Wochen zäh ist und niemand mehr sagen kann, woran es liegt — dafür sind die Bögen aus Heft 1 und Heft 5 gemacht. Im Vorbereitungsdienst und in der kollegialen Hospitation lassen sich beide als Beobachtungsauftrag verwenden: eine Stunde, vier Uhrzeiten oder acht Striche, kein Urteil.

Dieser Block enthält keine Rechtsaussagen. Heft 2 sagt das ausdrücklich: Zur Zulässigkeit von Konsequenzen und Ordnungsmaßnahmen führen Heft 15 und Heft 26, die in Block 3 und Block 6 stehen.

Ein Vorbehalt gilt für alle fünf Hefte und steht in jedem: Nahezu alle Metaanalysen dieses Feldes stammen aus dem englischsprachigen Raum. Bei Korpershoek u. a. 2016 kommen 72,2 Prozent der Studien aus den USA, Kounins Daten aus 49 Klassen der Jahrgangsstufen 1 und 2, die Videostudie zu Störungen aus 18 Klassen eines Schweizer Kantons. Für die deutsche Sekundarstufe I ist keiner dieser Werte eigens nachgewiesen — und das steht jedes Mal daneben.

Einordnung in die Reihe

Dieses Paket ist Block 1 von sechs. Die anderen fünf gibt es ebenso: Der Ablauf (Hefte 6 bis 10), Störungen (11 bis 15), Beziehung (16 bis 20), Besondere Lagen (21 bis 25) und Rahmen und Selbst (26 bis 30). Wer alle sechs will, bekommt sie auch als Gesamtpaket aus dreißig Heften.

Jedes Heft ist für sich einsetzbar; die Reihenleiste auf Seite 8 zeigt jedes Mal, wo es steht. Zusammen ergeben die dreißig einen Weg vom ersten Schultag bis zur Prüfung des eigenen Vorgehens. Die Reihe ist abgeschlossen; es kommen keine weiteren Teile.



Der Anfang — Classroom Management, Heft 1 bis 5 im Paket

14,99 €
Gesamtwert des Pakets: 19,95 €
Produktdetails
  • Umfang:
    5 Materialien
  • Materialtyp:
    Stundenentwürfe, Unterrichtsreihen, Arbeitsblätter, Poster, Merkblätter, Aufgabenkarten, Text, Quiz, Prüfungsvorbereitung

Materialien in diesem Paket (5)

17 Seiten

Die ersten zehn Minuten – Classroom Management, Heft 1

Es hat geklingelt, und nichts läuft. Zwanzig Personen kommen herein, der Auftrag wird noch angeschrieben, jemand fragt nach dem Blatt von letzter Woche — und wenn die Letzte sitzt, sind sechs Minuten weg. Nicht weil die Klasse stört, sondern weil der Anfang jedes Mal anders aussieht und die Klasse deshalb erst einmal abwartet, was heute gilt.Dieses Heft nimmt den Stundenanfang als eigene Aufgabe. Es sagt zuerst, wie groß der Verlust tatsächlich gemessen wurde, und dann, welche Handgriffe ihn verkleinern — sieben Schritte von der Tür bis zum ersten Auftrag, jeder mit der Angabe, ob er aus einer Studie kommt oder aus Erfahrung.Und es sagt, was es nicht kann. Eine untersuchte Dauer für den Stundeneinstieg gibt es nicht, und einen Vergleich „Anfang mit Ritual gegen Anfang ohne“ ebenso wenig. Die Minutenzahlen auf den Seiten 4 und 5 stehen im Heft ausdrücklich als Setzung.Was enthalten istAcht Seiten in vier Teilen. Nach dem Deckblatt kommen zwei Seiten fachliche Einordnung: was in deutschen Unterrichtsstunden an Zeit wirklich verloren geht, woran der Anfang im Alltag scheitert — und was Jacob Kounin 1970 tatsächlich untersucht hat, mit Design, Stichprobe und den Grenzen, die in Fortbildungen selten mitgeliefert werden.Seite 4 ist der praktische Kern: der Anfang in sieben Schritten, vom Stehen in der Tür bis zum Moment, in dem alle arbeiten. Seite 5 ist dasselbe als Merkplakat für die Wand, in A3 kopierbar, mit drei Kästen dazu — was belegt ist, was eine Setzung ist und was zu streichen ist, wenn die Zeit knapp wird.Seite 6 ist ein Beobachtungsbogen mit ausgefülltem Beispiel: vier Uhrzeiten, eine einzige Stunde, und du weißt, wie lang dein Anfang wirklich dauert. Seite 7 bringt zwölf Einstiegsrituale als Karten zum Ausschneiden, jede mit Dauer, Einsatzhinweis und der Auskunft, was dazu belegt ist — bei elf der zwölf Karten lautet die Auskunft: nichts. Seite 8 sind die Quellen mit Abrufdatum und die Ampel „belegt, uneinheitlich, nicht belegt“.Sechs Minuten sind gemessen — zehn bis 15 sind erfundenDer Befund, der das Heft trägt: In 428 beobachteten Unterrichtsstunden bei 140 Lehrkräften an 22 kaufmännischen Berufsschulen betrug die echte Lernzeit im Mittel 39 von 45 Minuten; rund vier Minuten gingen an Organisation, rund zwei an Verspätung und vorzeitiges Stundenende (Götzl u. a., Erhebung 2012, Intercoder-Reliabilität 0,944). Die einzige Studie, die gezielt auf den Beginn geschaut hat, misst sechs Minuten mittlere Verzögerung über 131 beobachtete Stundenbeginne in Finnland — und beide Seiten pünktlich nur in 20 Prozent der Fälle (Saloviita 2008). Beide Grenzen stehen im Heft daneben: Berufsschulen, Stand 2012; und eine vom Autor selbst so genannte vorläufige Studie.Und der Negativbefund, der dem Heft seinen Ton gibt: Die in Fortbildungen kursierende Angabe, Störungen kosteten zehn bis 15 Minuten pro Stunde, hat keine auffindbare Quelle. Gesucht wurde — die einzige Fundstelle ist ein Ratgeberbeitrag ohne Studie, ohne Autor und ohne Jahreszahl, und der deutschsprachige Wikipedia-Artikel zu Unterrichtsstörungen nennt überhaupt keine Zeitzahl. Sechs Minuten sind ärgerlich und rückholbar; zehn bis 15 sind eine Erfindung. Aus demselben Grund fehlt Kounins kursierende Korrelation r = 0,615: Sie war nicht zu verifizieren, also steht sie nicht im Heft.Was mit Zahl dasteht, ist die persönliche Begrüßung an der Tür. In einer randomisierten Studie mit Aufmerksamkeitskontrolle stieg die aufgabenbezogene Zeit von 58,8 auf 79,7 Prozent (d = 0,93), das Störverhalten sank von 13,7 auf 4,1 Prozent (d = 0,87); zehn Klassen, 203 Schülerinnen und Schüler, Jahrgangsstufen 6 bis 8, zwei Monate Laufzeit (Cook u. a. 2018). Der Vorbehalt der Autoren steht daneben: keine Mehrebenenanalyse trotz geschachtelter Daten, die Effektstärken sind dadurch vermutlich überschätzt. Ein starker Befund aus einer kleinen Studie — keine gesicherte Zahl.Für wen und wannFür Lehrkräfte aller Schulformen, Schwerpunkt Sekundarstufe I. Kein Fach vorausgesetzt, kein Material außer einer Uhr.Der beste Zeitpunkt ist die erste Woche in einer neuen Lerngruppe. Der zweitbeste ist eine Klasse, in der der Anfang seit Wochen zäh ist und niemand mehr sagen kann, woran es liegt — dafür ist der Bogen auf Seite 6 gemacht. Im Referendariat und in der kollegialen Hospitation lässt sich das Heft als Beobachtungsauftrag verwenden: eine Stunde, vier Uhrzeiten, kein Urteil.Einordnung in die ReiheHeft 1 steht im ersten Block, „Der Anfang“ (Hefte 1 bis 5). Direkt daneben liegen Heft 2 über die ersten zwei Wochen eines Schuljahres und Heft 3 über den Unterschied zwischen Regeln, Routinen und Prozeduren; wer den Stundenbeginn geordnet hat, findet die Nähte zwischen den Phasen in Heft 6. Jedes Heft ist für sich einsetzbar; die Reihe ist abgeschlossen und es kommen keine weiteren Teile.

Fachübergreifendes
3,99 €
17 Seiten

Regeln, Routinen, Prozeduren – Classroom Management, Heft 3

Auf dem Regelplakat stehen zehn Zeilen, und vier davon sind gar keine Regeln: „Wir räumen auf“, „Wir bringen unser Material mit“. Das sind Abläufe. Sie werden vorgelesen statt geübt und danach als gebrochen registriert — und wer eine unfertige Routine wie einen Regelverstoß behandelt, bestraft ein Versäumnis des eigenen Unterrichts.Dieses Heft trennt drei Wörter, die im Alltag synonym gebraucht werden. Eine Regel bewertet Verhalten: Sie wird unterrichtet und mit einer angekündigten Folge verknüpft. Eine Routine ist ein Ablauf ohne Richtig und Falsch: Sie wird geübt, nicht sanktioniert. Eine Prozedur ist ein Verfahren für einen Einzelfall: Sie muss nur bekannt sein, wenn der Fall eintritt.Die Unterscheidung ist ein Ordnungsraster und kein Wirksamkeitsbefund — das sagt das Heft auf Seite 2 selbst. Ihr Nutzen liegt darin, dass sie die Frage beantwortet, was zu tun ist: unterrichten, üben oder ansagen.Was enthalten istZwei Seiten Einordnung mit drei sauberen Definitionen, der Herkunft der Dreiteilung aus der Programm- und Ratgeberliteratur und einer offenen Auskunft über deren Belegbasis. Dazu die drei typischen Verwechslungen: alles wird zur Regel, alles wird zur Routine, und die Prozeduren fehlen ganz — obwohl gerade sie die meisten Minuten fressen.Seite 4 zeigt, wie man eine Regel unterrichtet statt sie aufzuhängen: fünf Stufen und sieben Schritte, mit drei Formulierungen im Vergleich und der Begründung, warum Vormachen und Gegenbeispiel die beiden Stufen sind, die fast immer wegfallen. Seite 5 ist ein Merkplakat mit den drei Begriffen und je drei Beispielen, in A3 kopierbar.Seite 6 ist ein Sortierraster für die eigene Klasse mit zwei ausgefüllten Zeilen und drei Fragen, die die Zuordnung entscheiden. Seite 7 bringt zwölf Karten — sechs Routinen, sechs Prozeduren —, bei denen die Einordnung auf jeder Karte an derselben Stelle steht. Seite 8 sind die Quellen mit Abrufdatum und die Ampel.Zwei Merkmale tragen, drei Faustregeln nichtDer tragende Befund ist derselbe wie in Heft 2, hier aber auf die Regelarbeit selbst gewendet: Nach der Literaturübersicht von Alter & Haydon 2017 sind genau zwei Merkmale wirksamer Klassenregeln belegt — Regeln unterrichten und sie mit Konsequenzen verknüpfen. Wie viele Studien dahinterstehen, geht aus dem Abstract nicht hervor; das Heft sagt das und nennt deshalb keine Studienzahl.Der Negativbefund sind die drei Faustregeln, die jede Handreichung wiederholt. „Höchstens fünf Regeln“ zählt dieselbe Übersicht zu den uneindeutigen Merkmalen; die kursierende Zahl „drei bis fünf“ hat keine empirische Basis. „Immer positiv formulieren“: ebenfalls uneindeutig, ein experimenteller Vergleich wurde nicht gefunden. „Regeln gemeinsam erarbeiten“: dasselbe. Alle drei stehen trotzdem im Heft — als Konvention, mit Begründung und ohne Wirksamkeitsanspruch.Dazu eine Zahlenseite, die zeigt, wie man Effektstärken liest. Aus Marzano 2003 stehen dort vier Werte mit ihrer Studienzahl: „Regeln und Prozeduren“ 0,76 aus zehn Studien, Disziplinarmaßnahmen 0,91 aus 68, Beziehung 0,87 aus vier und Wachheit 1,29 aus fünf — Beträge einer Reduktion von Störverhalten, im Buch negativ notiert, über die Aufbereitung des Wing Institute belegt. Der größte Wert ruht auf der kleinsten Basis; das Heft nennt ihn ein Warnsignal und keinen Befund und sagt dazu, dass eine methodenkritische Prüfung dieser Metaanalyse in einer etablierten Fachzeitschrift nicht gefunden wurde. Die breite Zahl steht daneben: g = 0,23 aus 76 Interventionsstudien (Korpershoek u. a. 2025) — und auch sie misst Programme, nicht einzelne Regeln.Für wen und wannFür Lehrkräfte aller Schulformen, Schwerpunkt Sekundarstufe I. Besonders brauchbar für Fachkonferenzen und Jahrgangsteams: Das Sortierraster auf Seite 6 ist der schnellste Weg, im Kollegium sichtbar zu machen, dass zwei Personen dieselbe Sache verschieden einordnen.Im Unterricht passt das Heft an den Anfang eines Schuljahres, an den Beginn eines Halbjahres und in jede Klasse, in der dasselbe Verhalten mal ermahnt und mal geübt wird. Für Vertretungsstunden reichen zwei Karten vom Kartenblatt — dort ist beschrieben, welche.Einordnung in die ReiheHeft 3 schließt den ersten Block, „Der Anfang“ (Hefte 1 bis 5), nach oben ab: Heft 2 liefert den Zeitplan für die ersten zwei Wochen, Heft 4 die Sitzordnung, Heft 5 die Präsenz im Raum. Was eine Konsequenz rechtlich sein darf, steht in Heft 15 und Heft 26. Jedes Heft ist für sich einsetzbar; die Reihe ist abgeschlossen und es kommen keine weiteren Teile.

Fachübergreifendes
3,99 €
17 Seiten

Die ersten zwei Wochen – Classroom Management, Heft 2

Am ersten Tag soll alles auf einmal passieren: Regeln, Abläufe, Sitzordnung, Materialliste, Kennenlernspiel — in 45 Minuten. Am Abend ist ein Plakat aufgehängt und vorgelesen worden, und damit gilt es als eingeführt. Drei Wochen später hält nichts davon, und niemand weiß, welcher der fünf Punkte gefehlt hat.Dieses Heft macht aus dem Schuljahresanfang einen Plan über zehn Schultage. Zuerst die Abläufe, dann die Regeln, jeden Tag eine — und unterrichtet statt verkündet, mit Beispiel, Gegenbeispiel, einer Übung und einer Rückmeldung. Das kostet fünf Minuten am Tag und ist genau der Teil, den fast alle auslassen.Die Aufteilung auf Tage ist im Heft als Setzung gekennzeichnet: Eine untersuchte Dauer der Anfangsphase gibt es nicht. Was untersucht ist, steht auf Seite 3 — und es ist unbequemer, als es klingt.Was enthalten istZwei Seiten fachliche Einordnung eröffnen: was Evertson und Emmer am Schuljahresbeginn tatsächlich beobachtet haben, was daraus als Programm wurde und welcher Vorbehalt dessen Zahlen einfärbt. Dazu die drei Stellen, an denen der Anfang im Alltag kippt — zu viel am ersten Tag, verkündete statt unterrichtete Regeln, und die erste Ausnahme.Seite 4 ist der Aufbau in sieben Schritten, Tag für Tag: was an Tag 1 gehört, was an den Tagen 2 bis 5 dazukommt, was Woche 2 nachübt und was am Ende gestrichen wird. Seite 5 ist ein Regelplakat zum Ausfüllen und Aushängen, in A3 kopierbar — die Regeln schreibst du selbst hinein, bevor das Blatt an die Wand kommt.Seite 6 ist ein Planungsbogen für zehn Schultage mit zwei ausgefüllten Zeilen als Muster: eine Routine und eine Regel pro Tag, nicht mehr. Seite 7 bringt zwölf Routinekarten zum Ausschneiden, nach dem Tag ihrer Einführung sortiert. Seite 8 sind Quellen mit Abrufdatum und die Ampel „belegt, uneinheitlich, nicht belegt“.Die beliebteste Empfehlung der Fortbildungslandschaft ist nicht belegtDer tragende Befund kommt aus der einschlägigen Literaturübersicht zu Merkmalen wirksamer Klassenregeln (Alter & Haydon 2017): Von allen empfohlenen Merkmalen gelten genau zwei als belegt — Regeln unterrichten wie einen Lerninhalt und sie mit positiven oder negativen Konsequenzen verknüpfen. Die Grenze der Fundstelle steht im Heft daneben: Wie viele Studien ausgewertet wurden, geht aus dem Abstract nicht hervor; der Volltext lag nicht vor. Die Aussage ist in der Richtung belastbar, nicht im Umfang.Der Negativbefund betrifft den Satz, den fast jede Fortbildung sagt: „Regeln müssen gemeinsam erarbeitet werden, damit sie wirken.“ Die gemeinsame Erarbeitung zählt dieselbe Übersicht ausdrücklich zu den uneindeutigen Merkmalen — ebenso die Zahl der Regeln und die positive Formulierung; ein experimenteller Vergleich positiver gegen negative Formulierung wurde nicht gefunden. Uneindeutig heißt nicht falsch. Es heißt: Beteiligung ist eine gute pädagogische Entscheidung und kein Wirksamkeitsargument. Auch die Faustzahl „drei bis fünf Regeln“ steht im Heft als Setzung, nicht als Befund.Die zweite Zahlenquelle ist der Schuljahresanfang selbst: 27 Grundschul- und 51 Mittelstufenklassen in den Texas-Studien von 1980, deskriptiv-korrelativ, im Heft über die Übersichtsarbeit von Emmer & Stough 2001 nachgewiesen, weil die Originalberichte nicht vorlagen. Das daraus entwickelte Programm COMP kommt auf 12 experimentelle Feldstudien 1977 bis 1994 und eine Originalvalidierung mit 203 Lehrkräften, 422 Klassen und 7 677 Schülerinnen und Schülern; die aufgabenbezogene Zeit lag bei geschulten Lehrkräften bei 79 bis 92 Prozent gegenüber 61 bis 69 Prozent in den Kontrollklassen. Mit dem Vorbehalt, der alles einfärbt: Die Evaluation stammt weit überwiegend von den Programmautorinnen selbst und wurde für ein Zulassungsverfahren eingereicht — und der Wert 0,48 für Mathematik ist bei p = 0,065 nicht signifikant.Für wen und wannFür Lehrkräfte aller Schulformen mit Schwerpunkt Sekundarstufe I, vor allem für Klassenleitungen und für alle, die im August eine neue Lerngruppe übernehmen.Der Plan ist auf zehn Schultage gerechnet und lässt sich strecken: In einem Fach mit einer Wochenstunde werden daraus zwei Monate. Wer mitten im Schuljahr eine Klasse übernimmt, benutzt dieselben zehn Tage ab dem Tag der Übernahme. Für Referendarinnen und Referendare eignen sich der Planungsbogen und die Routinekarten als Vorbereitung des ersten eigenen Unterrichts.Einordnung in die ReiheHeft 2 steht im ersten Block, „Der Anfang“ (Hefte 1 bis 5), zwischen Heft 1 über die ersten zehn Minuten einer Stunde und Heft 3, das Regeln, Routinen und Prozeduren sauber trennt; wer wissen will, was eine angekündigte Folge rechtlich sein darf, findet das in Heft 15 und Heft 26. Jedes Heft ist für sich einsetzbar; die Reihe ist abgeschlossen und es kommen keine weiteren Teile.

Fachübergreifendes
3,99 €
17 Seiten

Präsenz und Allgegenwärtigkeit – Klassenführung, Heft 5

Du stehst vorn in der Mitte, und die beiden hinteren Ecken liegen im toten Winkel — dort passiert das meiste. Du erklärst im Gehen und siehst dabei nichts. Und unter Zeitdruck sprichst du den an, der zuletzt geredet hat; das ist selten der Verursacher. Der zuverlässigste Weg, Allgegenwärtigkeit zu verlieren, ist, den Falschen anzusprechen.Dieses Heft nimmt Kounins bekanntesten Begriff auseinander: was er bedeutet, woher er kommt und was von ihm belegt ist. Daraus werden sieben Schritte für die Wahrnehmung im Raum — Standort, Blickführung, Reihenfolge, Treffsicherheit — und vier Grade des Eingreifens, die den Unterricht nicht anhalten.Der Kern ist ein Zählbogen. Weil die eigene Einschätzung als Messgerät ausfällt, steht auf Seite 6 kein Selbsteinschätzungsbogen, sondern eine Strichliste für eine Kollegin: zwanzig Minuten, nur zählen, kein Urteil.Was enthalten istZwei Seiten Einordnung: was Allgegenwärtigkeit bei Kounin wirklich heißt — nämlich rechtzeitig und beim richtigen Adressaten zu zeigen, dass man weiß, was läuft —, woran das im Alltag scheitert, und warum die eigene Beurteilung dafür nicht taugt.Seite 3 ist die Befundlage: Kounins Design mit Stichprobe und Grenzen, die deutsche Forschungslage dazu und ein Diagramm mit sieben Werten, von denen zwei als nicht signifikant markiert sind. Seite 4 bringt die sieben Schritte für den Raum, dazu vier Grade des Eingreifens — Blick, Nähe, Hand, Wort — mit drei Sätzen, die man wörtlich brauchen kann.Seite 5 ist ein Merkplakat mit vier Begriffen, je einem Beispiel und einem Gegenbeispiel, in A3 kopierbar. Seite 6 ist der Zählbogen für die kollegiale Hospitation, ausgefüllt vorgeführt, mit einem Ablauf für Vor- und Nachgespräch. Seite 7 bringt zwölf Übungskarten zur eigenen Wahrnehmung, jede mit Dauer und Beleglage. Seite 8 sind Quellen und Ampel.Der Trainingsbefund, der in keiner Fortbildung vorkommtDer Befund, der das Heft trägt, ist unbequem. In der einschlägigen deutschen Trainingsstudie zur professionellen Wahrnehmung von Klassenführung zeigte ein videobasiertes Seminar kleine Effekte bei der Strukturierung, mittlere beim Gruppenfokus — und keine bei der Allgegenwärtigkeit (Gold, Förster & Holodynski 2013). Ausgerechnet der Begriff, der in jeder Fortbildung im Mittelpunkt steht, ließ sich nicht verbessern. Das Heft nennt dazu den Vorbehalt: Die Angabe stammt aus einer Überblicksarbeit, die die Studie referiert (Gehrmann 2016); der Volltext war nicht zugänglich, Design und exakte Effektstärken sind nicht am Original geprüft. Der Befund ist in seiner Richtung zu verwenden, nicht in einer Zahl.Der zweite Negativbefund betrifft Kounin selbst: 49 Klassen der Jahrgangsstufen 1 und 2, ganztägige Videoaufzeichnung, Kodierung im Zwölf-Sekunden-Takt — ein korrelatives Design ohne Randomisierung. Eine direkte Replikation wurde nicht gefunden, die Korrelationskoeffizienten sind aus den zugänglichen Quellen nicht zu ermitteln, und die kursierende Zahl r = 0,615 ist nicht verifiziert; deshalb steht sie im Heft nicht. Auch die verbreitete Rede von „Kounins vier Prinzipien“ korrigiert das Heft: Das englische Original führt sechs bis acht Konstrukte; vier ist die deutsche Rezeption.Was stattdessen trägt, ist eine Messfrage. In einer Schweizer Videostudie über 61,1 kodierte Stunden in 18 Klassen der 5. und 6. Jahrgangsstufe stimmte die Selbsteinschätzung der Lehrkraft zur Störungshäufigkeit kaum mit der Beobachtung überein (r = 0,10); die Schülerurteile lagen deutlich näher dran (r = 0,53 bis 0,59; Scherzinger, Wettstein & Wyler 2018). Deshalb wird in diesem Heft gezählt und nicht geschätzt — mit dem Vorbehalt, dass es sich um die Primarstufe eines Kantons handelt und die Zahl für die deutsche Sekundarstufe I nicht nachgewiesen ist.Für wen und wannFür Lehrkräfte aller Schulformen, Schwerpunkt Sekundarstufe I, und besonders für Tandems: Der Zählbogen ist die billigste Form kollegialer Hospitation — zwanzig Minuten, keine Vorbereitung, kein Protokoll.Im Referendariat lässt sich das Heft als Beobachtungsauftrag verwenden: eine Karte, ein Punkt, keine Bewertung der Stunde. Und es passt in jede Phase, in der eine Klasse „unruhig“ heißt und niemand sagen kann, an welcher Stelle — die Strichliste beantwortet das in einer einzigen Stunde.Einordnung in die ReiheHeft 5 schließt den ersten Block, „Der Anfang“ (Hefte 1 bis 5), ab. Heft 4 legt die Sitzordnung fest, durch die hier der Rundgang führt; Heft 12 baut die leise Ebene aus, deren erste Stufe hier beschrieben ist, und Heft 30 nimmt den Zählgedanken für die Prüfung des eigenen Vorgehens wieder auf. Jedes Heft ist für sich einsetzbar; die Reihe ist abgeschlossen und es kommen keine weiteren Teile.

Fachübergreifendes
3,99 €
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Lehrkraft und Fachleiter. Material mit Lösungen, Erwartungshorizont und belegter Befundlage.
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