Der Einsatz verschiedener Methoden bei der Vermittlung der Rechtschreibung – ein Erfahrungsbericht aus der Praxis
Viele Schüler, die in meine Praxis kommen, kennen keinerlei Rechtschreibregeln und –strategien. Wenn wir auf Wörter mit oder ohne h zu sprechen kommen, rollen sie mit den Augen oder sie schauen mich hilflos an..
Klar ist, dass viele dieser Wörter auswendig gelernt werden müssen. Dennoch bleibt dieses Thema oft ein Rätsel, weil es sehr viele Ausnahmen gibt, wenn die dazugehörigen Regeln nicht vermittelt werden.
Ich möchte Ihnen heute Schritt für Schritt zeigen, wie ich dieses Rechtschreibproblem angehe und übe.
1. Die Unterscheidung in Dehnungs-h und silbentrennendes h
Das Dehnungs-h steht immer auf der Silbe nach einem Selbstlaut (Vokal) und dehnt diesen.
Beispiel: dehnen – deh-nen
Das silbentrennende h steht auf der zweiten Silbe und dient oft der Trennung der Vokale im Wort.
Beispiel: sehen – se-hen
Das silbentrennende h ist „relativ“ einfach. Trennt man die Silben, hört man es sehr gut heraus. Dennoch übe ich es zunächst ausführlich, weil das silbentrennende h in der gebeugten Verbform und am Wortende über Ableitungs- oder Verlängerungsstrategien erarbeitet werden muss. Dabei trainiere ich gleichzeitig die Konjugation der Verben oder die Steigerung der Adjektive.
Beispiele:
gehen – ich gehe, du gehst, er/sie/es geht, wir gehen, ihr geht, sie gehen
früh – früher, Frühstück – wir essen in der Frühe
2. Das Einüben der Lernwörter mit der Hilfe von ABC-Bildlisten
Um die Schüler zu schnellen Erfolgserlebnissen zu führen, wende ich Methoden aus dem Gebiet der Gedächtnistechniken an. Vera Birkenbihl hat uns gezeigt, was man alles mit der Hilfe von KAWAS, Bildern und ABC-Listen lernen kann. Jens Voigt verband die ABC-Listen mit der „Loci“ Gedächtnismethode und zeigte, wie man sie in Erdkunde oder beim 1x1 nutzen kann. Dieser Ansatz überzeugte mich, deshalb nutze ich diese Techniken nun im Fach Deutsch.
a) Das Anlegen einer ABC-Bildliste
Natürlich können Sie gekaufte Listen verwenden. Kinder sind sehr kreativ und sollten diese Listen selber herstellen. Auf diesem Weg bekommen sie eine Technik vermittelt, die sie ihr ganzes Leben lang immer wieder nutzen können. Außerdem kann so ein fächerübergreifender interessanter Unterricht gestalten werden.
Beispiel: Da es um Wörter mit h geht, empfehle ich, eine ABC-Liste zum Thema Huhn anlegen zu lassen. Es gibt viele interessante Texte zum Thema Huhn, die man den Schülern anbieten kann. Sie sollen zunächst die leere ABC-Liste mit Worten ausfüllen.
Beispiel: A – Allesfresser, B – Brutkasten, C – Chef, …
Im Kunstunterricht kann nun zu jedem Wort ein Bild gezeichnet werden. Es entsteht eine Wort-Bild-Liste, die wir im nächsten Schritt nutzen können. (In meinem Video und Material ist sie enthalten.)
Viele Kinder meinen, nicht zeichnen zu können. Im Internet gibt es jedoch viele gute Anleitungen, wie Schritt für Schritt Tiere oder Gegenstände gemalt werden können. Das erhöht zugleich das Selbstvertrauen der Kinder in diesem Bereich!
b) Das Anhängen der Lernwörter an die Bilder
Ich habe eine Liste von 52 Wörtern mit h erstellt und hänge diese nun an die ABC-Bildliste. Natürlich gehe ich schrittweise vor. Je nachdem, wie gut die Schüler damit klarkommen, verbinde ich im ersten Schritt 26 Wörter mit der Bildliste. In seltenen Fällen reduziere ich die Anzahl auf 13 Wörter.
26 Wörter sind zunächst die Höchstzahl, die ich verwende. Erst, wenn diese wirklich gut abrufbar sind, hänge ich weitere 26 Wörter an die Bildliste an.
Beispiel: A – Allesfresser: Auf dem Hühnerhof sind alle Insekten in Gefahr, denn die Hühner sind Allesfresser.
B – Brutkasten: Eine Henne hat ihr Nest verlassen. Der Brutkasten, den wir bestellten, kommt heute Abend mit der Bahn.
C – Chef: Der Hahn wehrt alle Feinde ab.
…
Auch hier gilt: Die Schüler sollten ihre eigenen Geschichten erfinden. Diese merken sie sich nicht nur am besten, sondern sie erlernen damit gleichzeitig die Technik.
c) Das Üben der gelernten Wörter
Sind die Schüler in der Lage, alle 52 Wörter zu nennen, müssen sie diese nun aufschreiben. Dafür können sie die ABC-Bildliste benutzen, bis sie diese nicht mehr benötigen. Ich erinnere sie daran: „Vergesst bitte nicht, welche Wörter auf dieser Liste stehen! Was haben diese Wörter gemeinsam?“
Natürlich müssen meine Schüler nicht alle 52 Wörter gleichzeitig aufschreiben, es sei denn, sie wünschen es. Manchmal teilen sich die Schüler 52 Wörter, manchmal entscheidet ein Würfel, welche Wörter aufgeschrieben werden oder ich tippe auf die Bilder und entscheide, welche Wörter aufgeschrieben werden sollen
Nun kommt es vor, dass andere Fehler in den Wörtern auftauchen. Diese werden besprochen und separat geübt. Zum Beispiel lasse ich das Wort „fahren“ konjugieren. Dabei erkläre ich das Wortstammprinzip und auch die Regel, dass aus a ein ä wird und nicht ein e (fahren – fährt).
Ich habe diese Ableitungen vorher bereits an anderer Stelle geübt, damit sind diese Übungen gleichzeitig Wiederholungen des bereits Gelernten.
3.) Die Erarbeitung der Regel – „Ein h kommt oft vor einem l, m, n, r!“
So kommt eben kein Dehnungs-h vor einem b, d, t, s …!
Beispiele: Be-ben, Bo-te aber Boh-ne, Feh-ler, neh-men, rüh-ren
4.) Erarbeitung der Regeln, in welchen Wörtern kein Dehnungs-h vorkommen kann
Dazu habe ich zwei Sätze kreiert, damit die Schüler sich auch diese Wörter schneller merken können. Auch das ist eine Technik, die man in anderen Fächern nutzen kann.
Kein Dehnungs-h gibt es in Wörtern, die mit einem T/t, Sch/sch, Sp/sp oder Qu/qu beginnen. Weiterhin kein Dehnungs-h nach au, ei, eu und ie, in Vor- und Nachsilben und in Wörtern mit Konsonantenhäufungen am Wortanfang!
5.) Wann kommt ein ieh vor?
Diese Regel ist meinen Schülern meistens bereits bekannt, weil ich sie bespreche, wenn wir die Regeln für das i/ie behandeln.
Ein ieh kommt vor, wenn eine gebeugte Verbform von einem Wort mit h abgeleitet wird. Es gibt davon nicht sehr viele.
Beispiele: sehen – er sieht, geschehen – es geschieht, befehlen – er befiehlt, stehlen – er stiehlt, empfehlen – er empfiehlt
ziehen – er zieht, fliehen – er flieht, verzeihen – er verzieh
Auch hier gilt das Wortstammprinzip!
Anmerkung: Ich möchte darauf hinweisen, dass ich immer erst eine neue Regel einführe, wenn der Schüler die anderen Regeln beherrscht und ausreichend geübt hat. Meine Arbeitsblätter sind so aufgebaut, dass immer nur die Regeln geübt werden, die bereits erarbeitet wurden. Oft übe ich mit den Schülern spielerisch. Selbst wenn ich dieses Thema nicht mehr explizit übe, wiederhole ich es immer wieder spielerisch, damit die Regeln nicht mehr vergessen werden.
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