Erfahrungsbericht: Die gescheiterte Jobsuche einer Gymnasiallehrerin in Nordrhein-Westfalen

Erfahrungsbericht: Die gescheiterte Jobsuche einer Lehrerin in Nordrhein-Westfalen

Als Lehrerin mit den Fächern Deutsch und Sport hatte ich mir vorgestellt, nach meinem Studium relativ problemlos eine Anstellung an einem Gymnasium in Nordrhein-Westfalen zu finden. Ich hatte meine Ausbildung mit viel Engagement und Begeisterung absolviert und war fest davon überzeugt, dass ich meine Leidenschaft für diese Fächer an junge Menschen weitergeben könnte. Leider wurde meine Jobsuche zu einer frustrierenden und entmutigenden Erfahrung.

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Zu Beginn meiner Suche richtete ich mein Augenmerk auf Gymnasien in meiner Wohnumgebung, da ich dachte, dass dies die naheliegendste Option sei. Ich stellte fest, dass die Nachfrage nach Lehrkräften in Nordrhein-Westfalen generell hoch war, aber speziell für die Fächer Deutsch und Sport gab es eine große Anzahl an Bewerbern im Verhältnis zu den verfügbaren Stellen. Jede freie Stelle erhielt Dutzende von Bewerbungen, was den Wettbewerb sehr intensiv gestaltete.

Ich begann, mich auf alle verfügbaren Stellen zu bewerben, die meinen Qualifikationen entsprachen. Ich verfasste sorgfältige Anschreiben, aktualisierte meinen Lebenslauf und sammelte Empfehlungsschreiben von ehemaligen Praktika und Ausbildungsleitern. Ich nahm auch an Vorstellungsgesprächen teil und hoffte, die Schulleiter und das Kollegium von meinen Fähigkeiten und meiner Motivation überzeugen zu können.

Trotz meiner Bemühungen erhielt ich immer wieder Absagen oder hörte gar nichts von den Schulen, auf die ich mich beworben hatte. Es war frustrierend, den Eindruck zu bekommen, dass meine Bewerbungen in einer Flut von anderen Bewerbern untergingen und dass meine Qualifikationen nicht ausreichten, um mich von der Konkurrenz abzuheben.

Als die Zeit verging und meine Finanzreserven schwanden, entschied ich mich, auch außerhalb des öffentlichen Schulsystems nach Möglichkeiten zu suchen. Ich wandte mich an private Schulen und Bildungseinrichtungen, um meine Chancen zu erhöhen. Doch auch hier stellte ich fest, dass die Situation ähnlich war. Obwohl private und kirchliche Schulen mehr Autonomie bei der Einstellung von Lehrkräften haben, gab es immer noch viele Bewerber für die begrenzte Anzahl an Stellen.

Nach Monaten der Jobsuche und zahlreichen Absagen musste ich schließlich erkennen, dass ich vorerst keinen Erfolg haben würde. Es war ein harter Schlag für mein Selbstvertrauen und meinen Glauben an das System Schule. Trotz meiner guten Ausbildung und meiner Leidenschaft für den Beruf konnte ich einfach keinen Fuß in die Tür bekommen.

Als Lehre aus dieser Erfahrung habe ich gelernt, wie hart der Arbeitsmarkt für Lehrer sein kann, insbesondere in Fächern mit hoher Konkurrenz. Ich habe erkannt, dass es manchmal nicht genug ist, nur über die erforderlichen Qualifikationen zu verfügen, sondern dass Networking, Kontakte und Glück oft eine entscheidende Rolle spielen. 

Nach einer langen und frustrierenden Jobsuche als Lehrerin in Nordrhein-Westfalen am Gymnasium mit meinen Fächern habe ich endlich eine vielversprechende Alternative gefunden. Ich habe mich an einer Grundschule in Gelsenkirchen beworben und wurde tatsächlich direkt genommen. Die Schule warb sogar nach meinem Gespräch erneut um mich, indem sie mir in einem Anruf nach dem Gespräch versicherten, wie gerne sie mich an ihrer Schule hätten. Diese Offenheit gab mir ein positives Gefühl. Obwohl es nicht meine erste Wahl war, habe ich beschlossen, diese Chance anzunehmen und mein Bestes zu geben.

Einer der Vorteile dieser Stelle an der Grundschule ist die Sicherheit eines Dauerbeschäftigungsverhältnisses. Im Gegensatz zu vielen befristeten Verträgen, die an Gymnasien üblich sind, kann ich an der Grundschule langfristig planen und mich voll und ganz auf meine pädagogische Arbeit konzentrieren. Außerdem besteht die Möglichkeit, während meiner Zeit an der Grundschule die Befähigung für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Realschulen zu erwerben, was meine Zukunftsaussichten erweitert. Auch die Chance, wertvolle pädagogische Erfahrungen in einer anderen Altersgruppe zu sammeln, überzeugte mich, die Schulform zeitweise zu wechseln. An der Grundschule arbeite ich mit jüngeren Schülern zusammen, was eine neue Herausforderung darstellt, aber auch eine bereichernde Erfahrung sein kann. Ich habe die Möglichkeit, meine pädagogischen Ansätze anzupassen und neue Unterrichtsmethoden auszuprobieren.

Allerdings gibt es auch Nachteile an dieser Situation. Der offensichtlichste Nachteil ist, dass ich meine Fachgebiete Deutsch und Sport vorerst nicht unterrichten kann. Das bedeutet, dass ich mich von meinen ursprünglichen fachlichen Interessen entfernen muss und mich stattdessen auf ein breiteres pädagogisches Spektrum einstellen muss. Das kann frustrierend sein, besonders wenn man bedenkt, dass ich mein Studium und meine Ausbildung speziell auf diese Fächer ausgerichtet habe. Auch das Gehalt ist ein großer Wehmutstropfen. Da ich nicht von einem Gymnasium abgeordnet werden, bezahlt mich das Land nach der Entgeldgruppe E11 (ohne Verbeamtung). In meinem Fall (verheiratet, Steuerklasse 4) sind das fast 1000 Euro netto weniger.

Ein weiterer Nachteil ist die Unsicherheit bezüglich meiner zukünftigen Versetzung. Obwohl mir zugesichert wurde, dass ich nach vier Jahren ohne erneute Bewerbung an eine Schule der Sekundarstufe II versetzt werde, gibt es immer noch einige Unklarheiten bezüglich des genauen Standorts und der Schulform. Das bedeutet, dass ich möglicherweise meine Grundschule verlassen und mich an eine neue Umgebung anpassen muss.

Trotz dieser Nachteile bin ich jedoch bereit, diese Herausforderungen anzunehmen. Ich sehe es als eine Gelegenheit, mich als Pädagogin weiterzuentwickeln und neue pädagogische Kompetenzen zu erwerben. Ich werde mein Bestes geben, um mich an die Anforderungen der Grundschule anzupassen und gleichzeitig meine fachlichen Kenntnisse aufrechtzuerhalten.

Insgesamt bin ich dankbar für diese Möglichkeit, auch wenn sie nicht meinen ursprünglichen Vorstellungen entspricht. Ich glaube fest daran, dass alles einen Grund hat und dass diese Erfahrung mich sowohl persönlich als auch beruflich wachsen lassen wird. 




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Kommentare und Fragen von anderen Nutzern
escape_eule
5. Juli 2023
Hallo :) Wie lange musstest du insgesamt warten und hoffen, bis du dich für die Grundschule entschieden hast? Meine Fächer sind Erdkunde und Mathe und ich mache mir schon darüber Gedanken. Herzliche Grüße Hanna 🦉
Stardust
5. Juli 2023
Hallo Hanna, dieser Erfahrungsbericht ist von einer Freundin von mir ;-) Sie war nach ihrem Referendariat für fast zwei Jahre Vertretungslehrerin an einem Gymnasium im Ruhrgebiet. Wie oben beschrieben war die Entscheidung am Ende alternativlos, da eine feste Stelle für sie nicht realistisch war. Wie beschrieben war der "Grundschul-Deal" relativ einfach zu bekommen. Natürlich sind die Voraussetzungen je nach Fächerkombination und Region sehr unterschiedlich. Ich würde behaupten, dass du mit Mathe ganz gute Chancen hast, eine. Stelle zu bekommen. Viele Grüße!
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