@Pixabay
Eigentlich sollte es kein Geheimnis sein, aber wenn ich die Schule betrete, muss ich es mir doch so manches Mal erst sagen: Wir leben in einer Demokratie. Diese scheint im System Schule jedoch an mancher Stelle außer Kraft gesetzt zu sein, auch wenn es formal Mitbestimmung für alle an Schule Beteiligten gibt.
Während ich durch die Gänge schlendere, fange ich an zu träumen. Ob es hier in 20 Jahren noch genauso aussehen wird? Ob die meisten SchülerInnen und KollegInnen sich ihre Schule so wünschen, wie sie gerade ist?
Ich bin mir sicher, dass es mindestens so viele Ideen zur Umgestaltung der Schule, zur Schaffung der "Schule der Zukunft" gibt, wie es Akteure in der Schule gibt. Doch oft geht Entwicklung, wenn überhaupt, nur schleppend voran, und das auch oft nur mit ein paar wenigen Leuten. Daher möchte ich hier Gedanken aufstellen, wie eine Schule mithilfe demokratischer Entscheidungsprozesse umgestaltet werden kann. Wie können wir als Schule mehr Akteure an Prozessen beteiligen? WIe können wir als Schule lebenswerter werden?
Als allererstes und ganz wichtig ist die SV, die Schülervertretung. Sie ist nah dran an allen SchülerInnen und hat ganz andere Möglichkeiten, Druck (der für Veränderung meist nötig ist) auszuüben. Wenn die SV etwas in Gang setzen will, kann sie viele SchülerInnen erreichen und überzeugen, die wiederum ihre Eltern mobilisieren können - von uns KollegInnen ganz zu schweigen.
In der einzelnen Klasse bietet sich die Einrichtung eines Klassenrates an (ja, ich weiß, den gibt es an vielen Schulen schon - aber an mindestens genauso vielen auch noch nicht).
Demokratisierung geschieht aber auch auf anderen Ebenen:
Mit der altbekannten Streitschlichtung, die oft nach einigen Jahren zu einem toten Pferd verkommt, lernen die SchülerInnen ganz praktisch, wie man sich in einer Demokratie streiten und wieder versöhnen kann. Unterschätzt sie nicht! Sie ist ein wertvolles Pfand in der Erziehung zum Menschwerden, im Miteinander, in der Demokratie im Allgemeinen! Nutzt Eure Pfründe!
In diesem Kontext möchte ich auch das Systemische Konsensieren als Möglichkeit erwähnen, um als Gruppe zu Entscheidungen zu finden. Dies kann sowohl im Kollegium als auch in der Klasse, bei Klassenpflegschaftssitzungen oder auch Schulkonferenzen angewendet werden. Der Vorteil zur Methode des Mehrheitsentscheids ist, dass die Beteiligten sich wertgeschätzt und mit ins Boot geholt fühlen - ein unschätzbarer Bonus in einem demokratischen Gefüge! En détail gehe ich auf das Thema des Systemischen Konsensierens ein anderes Mal ein.
In vielen Kollegien (wie in meinem...) ist oft ein schwerfälliger Prozess in Gang zu setzen, bis sich die Mehrheit der KollegInnen auf eine Neuerung einlässt. Warum also nicht als einzelner Kollege, als einzelne Kollegin beginnen und z.B. außerschulische Lernorte gezielt in den Unterricht einbauen? Über den Mehrwert einer solchen Exkursion brauche ich wohl kaum viele Worte zu verlieren. In der Regel erinnern die SchülerInnen sich gerne an solche Ausflüge - und fordern sie an anderer Stelle wieder ein! Eine Verankerung im Curriculum, die vorher (wie bei uns) nicht durchzusetzen war, ist nun quasi ein Selbstläufer, weil die SchülerInnen sie wollen.
Überlasst die Demokratie-Debatten nicht allein dem Politik-Unterricht! Natürlich haben wir unsere Lehrpläne und eine Vielzahl von Regeln sowie vorgegebenen Strukturen, aber ich bin mir sicher, dass wir immer wieder Möglichkeiten finden, unsere Schule wenigstens in kleinen Dingen ein Stück weit demokratischer zu gestalten. Im Zweifelsfall einfach mal die SchülerInnen fragen. ;-)
In diesem Sinne: Ich bin gespannt auf Eure Ideen, wie wir Schule demokratischer gestalten können!
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