Belohnungssystem im Homeschooling

Motivation, where are you?

Wenn man so einen Spruch liest, denken viele oftmals nur an die dafür "typischen" Erwachsenen- aber sollte man dabei nicht auch auf dem Schirm haben, dass es Kindern und Jugendlichen in dieser Zeit teilweise noch schwerer fällt als uns? Vielen von euren SchülerInnen ging es da bestimmt ähnlich...

Man konnte förmlich riechen, wie die Motivation nach den Osterferien für die Homeschooling-Zeit und dementsprechend auch für die Aufgaben sank. Verständlich war es ... Keine Sportvereine mehr, bei denen man sich körperlich so richtig austoben konnte. Keine Treffen mit den Freunden oder Freundinnen, die einem doch sonst den Frust von der Seele nehmen und bei denen man einfach mal herumalbern kann. Kein Oh-Mann-heut-ist-wieder-Schule mehr, obwohl der ein oder andere sich doch insgeheim gefreut hat, weil er oder sie vielleicht zeigen wollte, dass er heute richtig gut mitarbeiten kann.

Dafür gab es aber mehr von den anderen Momenten ... Mehr Geschwisterstreit, der den Eltern, aber auch den Kindern selbst oft intensiver zusetzt als man das als Außenstehender denken könnte. Mehr Familienzeit, die zwar zumeist harmonisch ist, für Jugendliche allerdings, die gerade ihre Grenzen ausloten und ihren Charakter finden möchten, zur Geduldsprobe wird. Mehr aufeinander sitzen, was auf lange Dauer gesehen explosiv ausarten kann. Mehr Anrufe der Lehrerin, weil einfach schon wieder etwas fehlt, obwohl man doch sein Bestes gegeben hat. Mehr Getobe der Geschwister und Küchenlärm, obwohl man sich doch eigentlich gerade in diese Matheaufgaben vertiefen wollte. Das erträgt ein heranwachsendes Kind nicht lange ...

Und bei all diesen Faktoren, die neu für unsere Schützlinge sind, sollen sie sich nun motiviert und glücklich an ihre Aufgaben setzen? Wohl kaum. Und das ist VERSTÄNDLICH. Dieses VERSTÄNDNIS müssen wir zur Zeit einfach im Hinterkopf bewahren, um ihnen den Rücken zu stärken. Sie wollen keine falschen Hoffnungen erweckt bekommen. Sie wollen lediglich wieder häufiger hören wie und warum sie etwas tun.

So. Nun sind wir als Lehrende gefragt dies umzusetzen. Im eigenen Klassenraum ist es für keinen von uns ein Problem, ein Belohnungssystem mit positiven sowie nutzbringenden Sanktionen zu integrieren, um den Kindern Rückmeldung aller Art zu liefern. Tun wir das jedoch auch aktuell im Homeschooling?

Ich habe mich dabei erwischt, dass ich in den ersten drei Wochen des Homeschoolings lediglich darauf vertraut habe, dass die Motivation meiner 6-ties aufrecht erhalten bleibt. Über die Rückmeldungen zwischendurch und die verschickten Osterbriefe mit Schokigruß und meinem Lob haben sie sich natürlich gefreut, aber man hat ihnen angemerkt, dass manche nicht mehr lange so durchhalten. Auch beim digitalen Morgenkreis nach den Osterferien kamen die ersten Aussagen, bei denen ich rauslesen konnte, dass der Zustand sich langsam zuspitzt.

Deswegen habe ich erste Überlegungen angestellt, wie ich denn ein Belohnungssytem auf das Homeschooling übertragen kann.

Das System ist eigentlich ganz einfach: man erstellt eine Tabelle mit den Namen der Kinder vertikal und den zu prüfenden Fächern/Aufgaben horizontal. Die Kinder können pro Woche drei Smileys erhalten (jede Woche ändert sich die Art der Smileys, damit die SchülerInnen und auch die Eltern einen besseren Überblick erhalten, welche Woche gut und welche verbesserungswürdig ablief. Wenn die Kinder Aufgaben aus dem Pool meiner Zusatzarbeiten erledigen, erhalten sie zusätzlich noch einen Stern in der Spalte "Extra-Aufgaben". Die besten drei SchülerInnen werden eine kleine Überraschung von mir bekommen. Da ich aber auf alle so sehr stolz bin, wird die ganze Klasse, sobald wir uns wiedersehen, eine Klassenüberraschung und Urkunden erhalten.

Bestimmt kann man das ganze Procedere noch optimieren oder auf eure Heranwachsenden ummünzen. Diese Anregung wollte ich euch aber auf jeden Fall mal da lassen, weil ich festgestellt habe, dass nach nun mittlerweile drei Wochen die Motivation der Kinder wieder rapide gestiegen ist und das freut mich so unendlich.

Zuletzt noch ein kleiner Screenshot mit selbstverständlich gelöschten Namen, auf dem ihr deutlich sehen könnt, dass zwar immer noch 1-2 Kinder Probleme beim Erledigen der Aufgaben haben, aber der Rest der Klasse (auf dem Screenshot ist nur die halbe Tabelle abgebildet) sich dadurch wieder motiveren kann.


Ich hoffe ich konnte dem ein oder anderen eine Anregung bieten. Habt einen schönen, sonnigen (äußerlich und innerlich) Tag und liebe Grüße,


Eure Lesekaribik ?




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