Das leidige Thema - Deutschkorrekturen

Seit meinem Referendariat beschäftigt mich dieses leidige Thema. Spätestens als ich 2015 in meiner damaligen Fachdidaktik-Sitzung gemeinsam mit meinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern aus dem Referendariat den Auftrag bekam, einen Schüleraufsatz zu korrigieren und die Einschätzungen zum Teil zwei Noten auseinanderdrifteten, bestätigte sich, wovon ich bereits als Schülerin eine leise Ahnung hatte - Bewertungen im Fach Deutsch sind, vor allem in den höheren Jahrgängen, wahnsinnig komplex und wenn wir ganz ehrlich sind, nur schwer objektiv durchzuführen. Bestätigt wird das jedes Jahr aufs Neue auch durch die zahlreichen Drittkorrekturen, die im Fach Deutsch anfallen. 

Seit Beginn meines Referendariats habe so ziemlich jede Art der Bewertung und Rückmeldung ausprobiert, die man sich vorstellen kann. Dabei habe ich im Internet nach der perfekten Lösung recherchiert, Fachliteratur gewälzt und selbst herumgetüftelt - leider mit dem Ergebnis, dass nichts so richtig zufriedenstellend war. Dabei waren ein ausführlicher Kommentar an und unter dem Aufsatz, verschiedene Arten der Korrekturraster - mit ausführlichem  Rückmeldungsteil oder zum Ankreuzen, Raster mit und ohne Punkte, einfach nur eine Note mit Kommentaren am Aufsatz. Sicher hatte die Suche nach dem perfekten und verlässlichen Bewertungsraster dabei nicht nur die Funktion, den Lernenden ihre Note möglichst transparent darzulegen und ihnen möglichst genau zurückzumelden, was sie beim nächsten Mal anders machen sollten. Nein, ich hatte das Gefühl, die Note auch vor mir rechtfertigen zu müssen. 

Drei Jahre Berufserfahrung nach dem Referendariat haben gezeigt, dass es ganz und gar nicht nur mir so geht. Ich habe mit vielen Kolleginnen und Kollegen darüber gesprochen und auch sehr Erfahrene unter ihnen meldeten mir zurück, dass sie bislang nicht die perfekte Lösung gefunden hätten. Die Sicherheit in Bezug auf die gemachte Note komme wohl mit der Erfahrung. Damit kann ich mich nur schwer zufriedengeben, da ich in dieser Hinsicht leider ein wenig zur Ungeduld und zum Perfektionismus neige. Aber mir bleibt wohl kaum etwas anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass sich ebendiese Sicherheit einstellt und mir die Zeit bis dahin damit zu vertreiben, weiter nach dem perfekten Raster zu forschen. 

Einen meiner Versuche, speziell in Bezug auf Emilia Galotti und eine Szenenanalyse von III,5, findet ihr übrigens kostenlos hier auf meiner Seite: 

https://lehrermarktplatz.de/material/155116/szenenanalyse-bewertungsraster-punkte-emilia-galotti

Über eine Rückmeldung oder weiteren Austausch in Bezug auf dieses Thema würde ich mich sehr freuen. 



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