1-2-3 Kisten

Trotz, oder gerade weil ich ein Fan von Freiarbeit und offenem Lernen bin, steh ich auf Struktur ;-)  Noch bevor ich mit Kindern im Autismus Spektrum gearbeitet habe oder mir TEACCH etwas gesagt hat, hab ich über die Jahre nach Systemen gesucht und rumprobiert, wie ich Kindern, die mehr Unterstützung brauchen, die Lerninhalte anbieten kann. Und zwar so anbieten kann, dass sie möglichst selbstständig Tun können, ohne ständig auf meine Anweisung und Unterstützung angewiesen zu sein. Zum einen, weil ich die Selbstständigkeit der Kinder fördern wollte, aber auch ganz praktisch, weil ich eben nur 2 Hände habe und nicht 6 Kindern mit besonderen Bedürfnissen individuelle Arbeitsangebote gleichzeitig präsentieren kann.

Angefangen hab ich damit, dass ich bestimmten Kindern ihre Aufgaben der Reihe nach auf ein Regal gelegt habe. Wobei Aufgaben durchaus auch ein Puzzle, die Legokiste oder etwas zum Fädeln sein konnten. Die Kids wussten so schon in der Früh, was sie heute erwartet und was ihre Aufgaben sind.

Für Kinder, deren Aufgaben hauptsächlich Arbeitsblätter waren, hab ich jedes Blatt in eine Hülle gepackt, durchnummeriert und auf ihren Platz gelegt.

Deshalb war ich so begeistert, als ich das TEACCH Konzept kennen gelernt habe, da es sich ziemlich genau mit dem deckt, was man selbst erfindet, wenn man Ordnung und Struktur braucht.

Die Arbeit mit den 1-2-3 Kisten kann man ähnlich der 1-2-3 Mappe aufbauen, oder in einer abgespeckten Version an seine Situation und den Bedürfnissen des Kindes anpassen.

Zunächst werden 3 Kisten benötigt, möglichst so groß, dass auch ein A4 Arbeitsmaterial hineinpasst. Diese Kisten werden mit 1, 2 und 3 beschriftet und brauchen einen festen Platz, z.B. in einem Regal. Jede Kiste hat ihren fixen Platz und günstig ist es, wenn direkt am Regal ein „Platzhalter“ mit der entsprechenden Ziffer aufgeklebt ist.

Zu Beginn befülle ich die Kisten gerne mit dem Lieblingsmaterial des Kindes, damit das Kistensystem auch gut und gerne angenommen wird. Zudem beobachte ich immer wieder, dass am Anfang allein für den Arbeitsablauf relativ viel Energie benötigt wird, so dass für den Inhalt der Kisten nicht mehr viel Energie übrig ist. Solange das Procedere der Kisten also noch nicht gefestigt ist, wähle ich nur einfache Aufgaben.

Zu beachten ist noch, dass jeder Kisteninhalt dem „Fertig-Prinzip“ entspricht. D.h. die Aufgabe muss in sich abgeschlossen sein, und nicht ich als Lehrerin oder das Kind bestimmen, wann eine Aufgabe fertig ist. Geht es z.B. um das Fädeln von Perlen überlege ich mir vorher, wie viele Perlen das Kind schaffen kann/soll und lege diese Anzahl von Perlen in die Kiste hinein.

Praktisch schaut es dann so aus, dass sich das Kind Kiste 1 holt, die Aufgabe erledigt, Kiste 1 zurückstellt. Dann holt es sich Kiste 2, erledigt diese und stellt sie wieder an ihren Platz. Es folgt Kiste 3.

Je nach Situation kann man das Kistensystem mit einem Tagesplan verbinden, mit Belohnungen verknüpfen, den Jetzt-Plan zu Hilfe nehmen, mehrere Kistendurchgänge pro Tag machen, eine Fertig-Box für erledigte Aufgaben verwenden, statt Kisten mit einem Ablagesystem arbeiten … einfach erfinderisch sein :-)

Download der Beschriftungen

Tags: Arbeitssystem, Autismus Spektrum, Ordnungssystem, Strukturierung, Arbeitshaltung, selbstständigkeit

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