In vielen Schulen läuft die Martinszeit gleich ab: Laternen basteln, Lieder üben, Umzug. Alles schön. Wenn du aber in Religion, Sachunterricht oder Deutsch zwei oder drei Stunden dafür einplanst, kannst du die Kinder an eine Frage heranführen, die sie wirklich betrifft: Wann teile ich, und was kostet mich das?
Hier sind ein paar Ideen, die sich in meinem Unterricht bewährt haben.
Die Legende kennen die meisten Kinder schon ab Klasse 2. Martin ist ein römischer Soldat, vor dem Stadttor von Amiens trifft er einen frierenden Bettler und teilt mit dem Schwert seinen Mantel. Weil die Kinder die Geschichte kennen, hören sie oft nicht mehr genau hin.
Erzähl sie deshalb einmal aus einer anderen Sicht:
Aus Sicht des Bettlers: Wie fühlt es sich an, wenn jemand auf einem Pferd vor dir anhält? Hat er Angst, Hoffnung, Scham?
Aus Sicht eines anderen Soldaten, der danebensteht und lacht. Warum lacht er?
Aus Sicht des Pferdes (für die Jüngeren ein Lieblingsauftrag): Was hat es gesehen?
Die Kinder schreiben oder erzählen in Partnerarbeit zwei, drei Sätze. Danach kommt die eigentliche Frage: Warum gibt Martin nur die Hälfte und nicht den ganzen Mantel? Darüber wird es spannend. Manche Kinder finden das geizig, andere sagen: „Er hätte sonst selbst gefroren.“ Damit sprecht ihr über Teilen als Haltung, nicht als Pflicht.
„Wir sollen teilen wie Martin“ führt schnell zu Sätzen, die die Kinder einfach nachsprechen. Konkreter wird es mit kleinen Situationen, in denen sie entscheiden müssen:
Du hast als Einzige ein Pausenbrot dabei, deine Freundin hat ihres vergessen.
In der Klasse gibt es nur zwei Scheren für vier Kinder.
Jemand Neues sitzt in der Pause allein auf der Bank.
Die Kinder ordnen zu, was man in der Situation teilen kann: Essen, Dinge, Zeit, Aufmerksamkeit. Gerade die letzten beiden fallen vielen erst auf, wenn ihr darüber sprecht. Das ist ein guter Moment für einen gemeinsamen Merksatz, den ihr an die Tafel schreibt.
Eine Brücke zum Dezember liegt nahe: Auch Nikolaus von Myra wird über das Helfen erzählt. Wenn du beide Heiligen nebeneinanderstellst, entdecken die Kinder selbst, was sie gemeinsam haben, und du bereitest den 6. Dezember gleich mit vor.
Kinder sind oft überrascht, dass St. Martin auch in evangelischen Gemeinden gefeiert wird, obwohl Protestanten keine Heiligen verehren. Erzähl ihnen dann: Martin Luther wurde am 10. November 1483 geboren und am nächsten Tag, dem Martinstag, getauft. Darum bekam er den Namen Martin.
Daraus kannst du einen kurzen Vergleich machen: Was feiern evangelische und katholische Christinnen und Christen am 11.11. gemeinsam, und wo sehen sie Heilige unterschiedlich? Für Klasse 1/2 reicht ein einfacher Comic-Dialog zwischen zwei Kindern, ab Klasse 5 eine kleine Tabelle.
In Klasse 5/6 lohnt es sich, den Blick zu weiten. Der Martinsabend ist eine heilige Zeit im christlichen Jahr, und die Laterne erinnert an das Licht. Andere Religionen kennen auch Feste des Lichts und Orte, die ihnen heilig sind. Ein Einstieg, der gut funktioniert:
1. Die Klasse sammelt, was für sie „heilig“ oder besonders wichtig ist (ein Ort, ein Tag, ein Gegenstand).
2. Danach schaut ihr euch Kirche, Synagoge und Moschee an: Was gibt es dort, und wozu dient es?
3. Zum Schluss erklärt jedes Kind einer Person, die keiner Religion angehört, was einem Christen, einer Jüdin oder einem Muslim heilig ist.
Der dritte Schritt ist ein echter Perspektivwechsel, und in vielfältigen Klassen kommen dabei oft die besten Beiträge von den Kindern selbst. Achte darauf, dass niemand für „seine“ Religion sprechen muss, wenn er das nicht möchte.
Rechne rückwärts: Wenn der Umzug am 11.11. ist, sollten Lieder und Laternen bis zum 6.11. fertig sein. Die inhaltlichen Stunden passen gut in die Woche davor.
Kläre früh Licht und Sicherheit: Viele Schulen setzen inzwischen auf elektrische Laternenstäbe. Sag das den Eltern rechtzeitig.
Denk an Kinder, die nicht mitfeiern: Das Thema Teilen funktioniert ohne religiöses Bekenntnis. Formuliere Aufgaben so, dass alle mitmachen können.
Plane ein Spiel ein: Nach dem Umzug sind die Kinder unruhig. Ein Bingo mit Begriffen rund um Martin, Licht und Teilen wiederholt das Gelernte, ohne dass es nach Test aussieht.
Für die Grundschule habe ich St. Martin & Nikolaus: Teilen und helfen (Religion Klasse 1/2) erstellt. Darin sind Steckbriefe mit Vorlesegeschichten, ein Quiz, ein Bingo und ein Comic-Dialog zu evangelisch und katholisch.
Für Klasse 6 gibt es neu Heilige Orte und Zeiten am Martinsabend: Die Kinder beschriften eine Kirche, spielen Domino und Bingo und schreiben eine Lernkontrolle mit Perspektivwechsel zu Kirche, Synagoge und Moschee. Das Material passt zur NRW-Reihe über heilige Orte und Zeiten.
Und wenn ihr nach dem Martinsfest gleich weiter durchs Kirchenjahr wollt: Weihnachten & Ostern: Was feiern wir? für Klasse 5 schließt direkt an.
Ich wünsche dir eine helle Martinszeit und Kinder, die beim Umzug nicht nur singen, sondern wissen, warum.
Passend dazu von BMT:
St. Martin & Nikolaus: Teilen und helfen: https://eduki.com/de/material/2329593
Heilige Orte und Zeiten am Martinsabend: https://eduki.com/de/material/2334626
Weihnachten & Ostern: Was feiern wir?: https://eduki.com/de/material/2334618
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