Wann beginnt der Herbst wirklich? – Mit Kindern die Natur als Kalender entdecken

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Im Oktober färben sich die Bäume gelb, orange und rot. Auf dem Boden raschelt das erste Laub, während manche Baumkronen noch fast vollständig grün sind. Gerade jetzt lohnt es sich, mit Kindern genauer hinzuschauen. Denn warum verlieren einige Bäume schon ihre Blätter, während andere noch aussehen, als wäre Sommer?

Hinter dieser scheinbar einfachen Frage steckt ein spannendes naturwissenschaftliches Forschungsgebiet: die Phänologie. Und das Schöne daran ist, dass Kinder selbst zu kleinen Naturforschern werden können – direkt auf dem Schulhof, im Schulgarten oder beim nächsten Spaziergang.

Die Natur hat ihren eigenen Kalender

Der meteorologische Herbst beginnt jedes Jahr am 1. September. Der astronomische Herbst richtet sich dagegen nach der Tagundnachtgleiche im September. Doch Pflanzen orientieren sich nicht an diesen Kalendereinträgen. Ihre Entwicklung hängt unter anderem von Temperatur, Tageslänge und Wasserversorgung ab.

Die Phänologie beschäftigt sich mit wiederkehrenden jahreszeitlichen Erscheinungen in der Natur. Dazu gehören beispielsweise der Blühbeginn, die Fruchtreife, die Blattverfärbung und der Blattfall.

Anders als unser Kalender unterscheidet der phänologische Kalender sogar zehn Jahreszeiten. Allein der Herbst besteht aus drei Abschnitten: Der Frühherbst zeigt sich unter anderem durch die reifen Früchte des Schwarzen Holunders. Im Vollherbst werden beispielsweise die Eicheln der Stieleiche reif. Der Spätherbst beginnt mit der herbstlichen Blattverfärbung der Stieleiche.

Diese Naturzeichen treten nicht jedes Jahr am gleichen Datum auf. Sie unterscheiden sich je nach Region, Witterung und Standort. Genau deshalb ist ihre Beobachtung für die Wissenschaft so interessant.

Warum werden Blätter eigentlich bunt?

Im Sommer erscheinen die meisten Laubblätter grün. Verantwortlich dafür ist vor allem das Chlorophyll, das Pflanzen für die Fotosynthese benötigen.

Wenn die Tage kürzer werden, beginnen viele unserer heimischen Laubbäume, sich auf den Winter vorzubereiten. Sie bauen das Chlorophyll ab und verlagern wertvolle Nährstoffe in andere Pflanzenteile. Dadurch werden gelbe und orangefarbene Blattpigmente sichtbar, die zuvor vom Grün überdeckt wurden. Manche Bäume bilden zusätzlich rote oder violette Farbstoffe.

Schließlich entsteht am Ansatz der Blattstiele ein Trenngewebe, durch das die Blätter abfallen können. Der Baum bereitet diesen Vorgang also selbst vor. Der Herbstwind hilft lediglich dabei, die bereits gelockerten Blätter zu lösen.

Doch nicht jede frühe Braunfärbung gehört zur normalen Herbstentwicklung. Trockenheit, Krankheiten oder Schädlinge können Blätter ebenfalls vorzeitig verfärben. Gerade Rosskastanien zeigen durch den Befall mit der Rosskastanien-Miniermotte häufig schon im Sommer auffällige braune Blätter.

Für Kinder entsteht daraus eine interessante Frage: Können wir allein an der Blattfarbe erkennen, wie weit der Herbst fortgeschritten ist? Nicht immer! Wir müssen genauer beobachten und verschiedene Hinweise miteinander vergleichen.

Mitmachidee: Ein Baum, vier Wochen, viele Entdeckungen

Für ein kleines phänologisches Forschungsprojekt braucht es weder besondere Geräte noch aufwendige Vorbereitungen. Ein einziger Baum genügt!

Sucht gemeinsam mit den Kindern einen Laubbaum aus, den ihr über mehrere Wochen regelmäßig besuchen könnt. Vielleicht steht er auf dem Schulhof, im Garten oder direkt neben dem Hort. Wichtig ist nur, dass ihr seine Krone gut sehen könnt.

Woche 1 – Unseren Baum kennenlernen: Betrachtet den Baum als Ganzes. Welche Farben besitzt seine Krone? Gibt es schon kahle Zweige? Wie viele Blätter liegen ungefähr darunter? Fotografiert ihn möglichst vollständig und merkt euch den Standort.

Woche 2 – Veränderungen entdecken: Besucht denselben Baum erneut. Welche Blätter haben ihre Farbe verändert? Hat der Baum bereits Laub verloren? Fotografiert möglichst aus derselben Perspektive wie beim ersten Besuch.

Woche 3 – Genauer vergleichen: Versucht einzuschätzen, ob noch mehr oder schon weniger als die Hälfte der ursprünglichen Blätter am Baum hängt. Vielleicht könnt ihr eure Vermutungen anhand der bisherigen Bilder überprüfen.

Woche 4 – Gemeinsam auswerten: Legt eure Fotos nebeneinander. Wann haben sich die größten Veränderungen gezeigt? Gab es eine besonders windige Woche? Sind manche Bereiche der Krone länger grün geblieben?

Aus diesen vier Beobachtungen kann ein kleines Baumtagebuch entstehen. Die Kinder können ihre Entdeckungen zeichnen, fotografieren, beschreiben oder gemeinsam besprechen.

Besonders spannend wird das Projekt, wenn verschiedene Gruppen unterschiedliche Baumarten beobachten. Verliert eine Birke ihre Blätter früher als eine Buche? Und was passiert, wenn zwei Bäume derselben Art an unterschiedlichen Standorten wachsen?

Die Kinder entwickeln eigene Vermutungen und lernen, diese durch weitere Beobachtungen zu überprüfen. Damit stehen nicht fertige Antworten im Mittelpunkt, sondern das genaue Hinsehen, Vergleichen und Fragenstellen.

Vom Beobachten zur Bürgerforschung

Solche Beobachtungen sind nicht nur im pädagogischen Alltag interessant. Sie können auch für die Wissenschaft wertvoll sein.

Der Deutsche Wetterdienst dokumentiert seit vielen Jahrzehnten, wann bestimmte Pflanzen Entwicklungsstadien wie Blüte, Fruchtreife, Blattverfärbung oder Blattfall erreichen. Um Beobachtungen aus unterschiedlichen Regionen vergleichen zu können, gelten dabei feste Kriterien.

Beim Blattfall wird beispielsweise festgehalten, wann ungefähr die Hälfte der Blätter eines Baumes abgefallen ist. Solche Angaben ermöglichen es, Entwicklungen über viele Jahre hinweg miteinander zu vergleichen.

Die gesammelten Daten helfen unter anderem dabei, Veränderungen der Vegetationsperiode und Auswirkungen des Klimawandels zu untersuchen.

Wer mit seinen Kindern selbst zur wissenschaftlichen Datensammlung beitragen möchte, findet beim Projekt „Phänologie (Pflanzenjahr)“ von NABU|naturgucker und dem Deutschen Wetterdienst eine passende Möglichkeit.

Im Spätherbst wird dort unter anderem beobachtet, wann Ebereschen (Sorbus aucuparia) ungefähr die Hälfte ihrer Blätter verloren haben. Nach den vorgegebenen Kriterien erfasste Beobachtungen können über das Meldeportal eingereicht werden.

Zum Citizen-Science-Projekt von NABU|naturgucker

Warum sich dieses Projekt für Schule, Hort und Familie lohnt

Das Besondere an der Herbstbeobachtung ist ihre Einfachheit. Kinder müssen nicht erst umfangreiche Fachkenntnisse erwerben, um mitzumachen. Sie können unmittelbar mit eigenen Entdeckungen beginnen.

Gleichzeitig verbindet das Projekt verschiedene Bildungsbereiche: Naturwissenschaftliches Beobachten, sprachliches Beschreiben, zeitliche Orientierung, das Vergleichen von Veränderungen und erste Erfahrungen mit wissenschaftlicher Dokumentation.

Vor allem aber erfahren Kinder, dass Natur nicht nur aus einzelnen Ereignissen besteht. Sie verändert sich ständig. Manchmal sind diese Veränderungen spektakulär, manchmal so langsam, dass wir sie im Alltag kaum wahrnehmen.

Wer denselben Baum über mehrere Wochen begleitet, beginnt genauer hinzuschauen. Und vielleicht entsteht daraus die nächste Frage: Wann wird dieser Baum im kommenden Frühling seine ersten Blätter bekommen?

So kann aus einem einfachen Herbstprojekt eine Naturbeobachtung werden, die Kinder durch das gesamte Jahr begleitet.

Denn der Kalender sagt uns, welches Datum wir haben. Die Natur zeigt uns, was gerade geschieht.

Den Herbst noch genauer entdecken

Im ausführlichen Bella-Wildherz-Journalartikel „Wann beginnt der Herbst wirklich?“ erfahrt ihr mehr über die zehn phänologischen Jahreszeiten, die Entstehung der Herbstfarben, die Bedeutung langfristiger Naturbeobachtungen und weitere Möglichkeiten zum gemeinsamen Mitforschen.

Hier geht es zum vollständigen Artikel im Bella-Wildherz-Journal

Weitere kostenfreie Naturbildungsangebote, Materialien und Mitforschaktionen findet ihr bei Bella Wildherz.

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