„A5 gehört zu Stufe 2. Dann dürfen höchstens zwei Blätter hinein.“ Diese Antwort auf eine Leseaufgabe enthält eine passende Einstellung und eine falsche Schlussfolgerung. Die Zahl wurde gefunden. Wofür sie steht, ist noch nicht geklärt.
An solchen Antworten lässt sich beim Lesen von Bedienungsanleitungen im Unterricht weiterarbeiten. Eine Anleitung verstehen heißt, Angaben auf einen Auftrag zu beziehen: Was muss ich einstellen? Was darf gleichzeitig hinein? Und was muss geschehen, bevor ich den nächsten Schritt ausführe?
Für Klasse 6–7 bietet sich dazu eine kurze Aufgabe an, die Text, Zeichnung und Tabelle miteinander verbindet. Sie passt zum Lesen von Gebrauchstexten im Deutschunterricht und zum Umgang mit Anleitungen im Technikunterricht.
Ein Auftrag, mehrere Informationsquellen
Das folgende Beispiel handelt von einem erfundenen Registerlocher. Sieben A5-Blätter mit einem Papiergewicht von 100 g/m² sollen gelocht werden. Der Hebel steht oben, der Einzug ist leer. Alle Angaben gelten ausschließlich für diese Papieraufgabe; ein echtes Gerät wird nicht benötigt. Die Einheit g/m² bezeichnet die Masse eines Quadratmeters Papier.
Die Grafik enthält die nötigen Angaben. Die Tabelle ordnet dem Papierformat eine Einstellung zu und nennt die zulässige Blattzahl für verschiedene Papiergewichte. Die Zeichnung zeigt die Bauteile und die Blattkante, die zuerst eingeschoben werden soll. Im Text stehen die Bedingungen und die Reihenfolge.

Diese Aufteilung ist keine allgemeine Regel für Anleitungen. Auch Bilder können Abläufe darstellen und Texte Zahlen nennen. Die Frage lautet deshalb: Welche Angabe brauche ich gerade, und wo finde ich sie in dieser Anleitung?
Von einer Angabe zu einer begründeten Entscheidung
Für den ersten Schritt genügt ein kurzer Satz: „Ich stelle den Formatregler auf 2, weil die Tabelle diese Stufe dem Format A5 zuordnet.“ Damit sind Handlung und Beleg verbunden.
Die Blattzahl muss gesondert geprüft werden. Für 100 g/m² sind höchstens drei Blätter je Lochvorgang vorgesehen. Bei sieben Blättern werden daher mindestens drei Vorgänge gebraucht, beispielsweise mit drei, drei und einem Blatt. Auch drei, zwei und zwei Blätter erfüllen den Auftrag in drei Vorgängen. Die Höchstzahl muss nicht jedes Mal ausgeschöpft werden.
Gerade hier lohnt sich eine Rückfrage: „Welche Tabellenüberschrift passt zu deiner Entscheidung?“ So lässt sich klären, ob die Lernenden eine Formateinstellung oder eine zulässige Blattzahl abgelesen haben. Eine einzelne falsche Antwort zeigt noch nicht, an welcher Stelle das Verständnis fehlt.
Die Zeichnung gehört zur Aufgabe
Der Text fordert, die dick markierte Blattkante zuerst einzuschieben. Welche Kante damit gemeint ist, muss in der Zeichnung nachgesehen werden. Die Bildinformation wird somit für den Handlungsplan gebraucht.
Ein passender Auftrag lautet: „Zeige die Kante, die zuerst in den Einzug gehört. Notiere anschließend den Handlungsschritt und markiere die Stelle im Bild, auf die du dich beziehst.“
Dabei kann auch auffallen, dass die Orientierung genauer beschrieben werden muss. „Die linke Kante“ bezieht sich auf die dargestellte Lage des Blatts. Wird das Blatt gedreht, ist diese Angabe allein nicht mehr eindeutig. Der Bezug zur markierten Kante bleibt entscheidend.
Eine kurze Leseaufgabe für den Unterricht
Die Lernenden erhalten zunächst nur die Grafik mit dem Auftrag. Die folgenden Fragen können sie im Heft bearbeiten:
Welche Stufe stellst du ein? Nenne den passenden Eintrag in der Tabelle.
Wie verteilst du die sieben Blätter auf möglichst wenige zulässige Stapel? Begründe deine Aufteilung.
Welche Kante kommt zuerst hinein, und wann darf der Stapel wieder herausgenommen werden? Nutze Zeichnung und Text.
Anschließend schreiben sie einen zusammenhängenden Handlungsplan. Neben jede Entscheidung setzen sie „Text“, „Bild“ oder „Tabelle“ und markieren dort die verwendete Angabe. Wo mehrere Quellen gebraucht werden, nennen sie auch mehrere.
Bei der Besprechung reicht es nicht, nur Einstellung und Stapelgrößen abzugleichen. Der Plan muss auch das bündige Einlegen, den Anschlag und das Ende jedes Vorgangs berücksichtigen: Erst wenn der Hebel wieder oben ist, darf der Stapel herausgenommen werden. „Bündig“ bedeutet hier, dass die Blattkanten genau übereinanderliegen.
Für die Lehrkraft wird an den Belegen sichtbar, ob eine passende Angabe gefunden und auf den Auftrag bezogen wurde. Fehlt etwas, lässt sich gezielt an dieser Verbindung weiterarbeiten.
Wenn die Anleitung eine Frage offenlässt
Als Anschlussfrage verändert sich nur das Papiergewicht: „Nun liegen A5-Blätter mit 140 g/m² vor. Welche Einstellung ist angegeben? Kannst du auch eine zulässige Blattzahl festlegen?“
Die Formateinstellung bleibt bestimmbar. Für 140 g/m² enthält die Tabelle jedoch keine Angabe. Daraus folgt weder eine erlaubte Blattzahl noch die Aussage, dass dieses Papier grundsätzlich ungeeignet wäre. Die Verwendung muss zunächst geklärt werden. Eine Zahl zwischen den benachbarten Tabellenwerten zu schätzen, würde die fehlende Vorgabe nicht ersetzen.
Eine nachvollziehbare Antwort benennt deshalb beides: was sich entscheiden lässt und welche Information für den nächsten Schritt fehlt.
Bedienungsanleitungen verstehen in Klasse 6–7
Der Registerlocher gehört zu meinem Material „Bedienungsanleitungen verstehen“ für Klasse 6–7. Weitere Aufgaben behandeln einen Tisch-Timer und eine Ausgabestation. Das zwölfseitige Material verbindet Texte, Skizzen und Tabellen mit Aufgaben auf unterschiedlichen Anforderungsniveaus, Hilfen und Lösungen. Alle Geräte sind erfunden; die Aufgaben werden auf dem Papier bearbeitet.
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