Warum meine Unterrichtsmaterialien „Ready-to-use“, aber nicht editierbar sind

be9facc3-ed50-4c38-82e4-bfc21be66d3e.png

Immer wieder begegnet mir die Frage, warum Materialien auf Onlineplattformen nicht (zusätzlich) als editierbare Dateien angeboten werden. Manche Lehrkräfte bevorzugen bearbeitbare Materialien, weil sie Aufgaben verändern, Texte anpassen oder einzelne Elemente für ihre Lerngruppe herausnehmen möchten.

Ich kann diesen Wunsch nachvollziehen. Es gibt aber viele Gründe, warum ich meine Arbeitsblätter und Texte nur als fertig gestaltete, nicht editierbare PDFs anbiete. Diese möchte ich hier gerne erklären.

Wortwahl, Satzbau, Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstände, Bilder, Unterstützungsstufen (Scaffolding), abgestufte Aufgaben mit gezielt ausgewählten Operatoren und Anforderungsniveaus sowie das Layout sind aufeinander abgestimmte Bestandteile eines Gesamtkonzepts. Dieses Konzept entwickle ich rund um ein fachliches Thema für die jeweilige Zielgruppe und orientiere mich dabei am Kernlehrplan (z. B. KLP Sek I Biologie). Das PDF-Format konserviert das Konzept des Materials und sichert das Zusammenspiel der Elemente.

Ready-to-use bedeutet für mich: ausdrucken und einsetzen

Wenn ich ein Arbeitsblatt erstelle, plane ich nicht nur den Inhalt. Ich überlege auch, wie es im Unterricht tatsächlich verwendet wird.

Welche Schriftgröße und welcher Zeilenabstand sind für die Zielgruppe geeignet? Wie viel Text kann auf einer Seite stehen? Wie lang darf der Text für die Klassenstufe sein? Welche Struktur sollte der Satzbau haben? Gibt es einfachere Begriffe oder direktere Formulierungen? Wo benötigt ein Kind mehr Platz zum Schreiben? Wo unterstützen Bilder das Verständnis, wo lenken sie ab? Welche Hilfen nützen einem Kind mit geringerer Lese- und Schreibkompetenz?

90d8d4fa-092e-4a62-8f08-550d8c174b7f.png

Welche Operatoren muss ich für die Aufgaben wählen? Wie müssen sie aufeinanderfolgen, damit sich eine sinnvolle Progression ergibt? Wie umfangreich dürfen die Aufgaben sein, damit sie in einer Unterrichtseinheit von 45 Minuten mit Einleitung und Sicherungsphase vollständig bearbeitet werden können?

Während dieses Prozesses werden die Texte immer wieder editiert, damit sie die notwendigen Informationen liefern, bzw. bestimmte Antworten nicht vorwegnehmen. Das fertige Material ist das Ergebnis all dieser Entscheidungen und Anpassungen und entwickelt sich über einen Zeitraum von mehreren Tagen – manchmal Wochen.

Eine Lehrkraft soll es dann nur noch ausdrucken undeinsetzen. Das verstehe ich unter „Ready-to-use“.

Warum ich die Schülermaterialien nur als PDF anbiete

Meine Materialien entstehen Seite für Seite in Photoshop und werden anschließend zu PDF zusammengefasst. Es gibt keinen Arbeitsschritt in einem Textbearbeitungsprogramm. Darum existieren von den Materialien keine .docx- oder .odf-Versionen, die ich als editierbare Vorlagen anbieten kann. Das Gleiche würde auch zutreffen, wenn ich ein Layoutprogramm wie InDesign verwenden würde. Die Fixierung des Layouts ist ausdrücklich gewünscht, damit alle Elemente im Druck richtig dargestellt werden. Die Seitenränder, Schriftarten, sowie die Größen und Linienstärken der Abbildungen sollen erhalten bleiben, egal welches Betriebssystem und welchen Drucker eine Lehrkraft verwendet.

Bei einer editierbaren Textdatei ist das nicht möglich. Ein Grund sind die Schriftarten. Ich verwende für das Grundschulmaterial Andika und für die Sekundarstufe Neuton. Andika gilt als besonders lesefreundlich, weil sich die Buchstaben gut unterscheiden lassen. Wenn aber eine Word- oder LibreOffice-Datei auf einem Rechner geöffnet wird, auf dem diese Schrift nicht vorhanden ist, wird sie durch eine andere Schriftart ersetzt. Dadurch verändern sich nicht nur die Form der einzelnen Buchstaben, sondern auch ihre Höhe und ihre Breite, und dadurch die Zeilenabstände und Zeilenumbrüche. Es kommt zu ungewollten Worttrennungen und Bilder verlieren ihre Position. Im schlimmsten Fall rutschen Text und Bilder übereinander und die Bezüge gehen verloren. Es bleibt ein Wust aus Text und Bild, dem das Konzept fehlt.

Differenzierung und das Unbekannte

Ich erstelle das Unterrichtsmaterial für die Grundschule in drei Unterstützungsniveaus mit unterschiedlich umfangreichen Hilfestellungen für Kinder mit Lese- und Rechtschreibschwäche bzw. Förderbedarf und Deutsch als Zweitsprache. Die fachliche Anforderung bleibt dabei möglichst gleich, während sich die sprachliche oder methodische Unterstützung verändert. Mein Ziel ist es, dass alle an den gleichen Inhalten arbeiten, aber jeder mit angepasster Unterstützung.

9c19b11d-a4c5-47c9-b326-077abf556954.png996419e6-17d6-4b46-b4b1-641b1bddddb7.png

In der Sekundarstufe decke ich mit zwei Aufgabenblättern pro Thema die Anforderungsbereiche I und II bzw. II und III ab. Die Aufgaben sind progressiv und die Erkenntnisse bauen aufeinander auf. Dabei achte ich auf die Verwendung passender Operatoren (z. B. nennen, ordnen, vergleichen, beurteilen). Je nach Leistungsstand der Klasse oder einzelner Schüler bearbeiten diese also einfachere oder komplexere Aufgaben.

Das ist ein wesentlicher Bestandteil meines Ready-to-use-Konzepts!

Natürlich weiß ich, dass auch bei einer dreifachen Differenzierung manches zu leicht und anderes zu schwer sein kann. Fakt ist: Die Natur – und um die geht es in meinen Materialien hauptsächlich – lässt sich nicht unbegrenzt vereinfachen. Spätestens, wenn die Kinder nach draußen gehen und sich umsehen, werden sie bemerken, dass es nicht nur DEN einen Schmetterling gibt und Bäume unterschiedlich aussehen. Spätestens bei Pilzen, sollte das Bewusstsein einsetzen, dass die Natur vielfältig ist und man einfach nicht alles wissen und sofort verstehen kann. Auch das gehört für mich zum Lernen dazu.

Da meine Informationstexte und die Arbeitsblätter getrennt sind, hat zudem auch jede Lehrkraft die Möglichkeit, eine eigene Aufgabe mit den gewünschten Fragen zu erstellen oder den Schülerinnen und Schülern mitzuteilen, welche Aufgaben sie machen sollen und welche nicht.

Auch Schwarz-Weiß ist eine bewusste Entscheidung

Meine Arbeitsblätter sind grundsätzlich so gestaltet, dass sie im Schwarz-Weiß-Druck funktionieren. Ich passe die Abbildungen in der Linienstärke so an, dass sie beim Ausdruck auf DINA4 und DINA3 erkennbar sind.

Nicht jede Schule verfügt über einen Farbdrucker. Und auch wenn ein Farbdrucker vorhanden ist, können Lehrkräfte keine farbigen Arbeitsblätter für eine ganze Klasse ausdrucken. Deshalb müssen Arbeitsblätter auch ohne Farbe funktionieren.

Farbabbildungen oder andere Materialien, bei denen Farbe einen Mehrwert bietet, stelle ich gegebenenfalls zusätzlich zur Verfügung.

65747aac-c166-4bc8-9089-461af6b35bc6.png

Lehrermaterialien sind editierbar

Zusammen mit Text und Arbeitsblättern enthält mein Material auch immer Lehrerkraftinformationen. Darin sind die Ziele zusammengefasst, eine Einordnung in den Kernlehrplan ist gegeben, es gibt Musterlösungen, einen Erwartungshorizont und einen Bewertungsvorschlag. Manchmal gibt es Hinweise darauf, was ich mir bei dem Zusatzmaterial gedacht habe (Bildimpuls zum Stundeneinstieg, Illustration als Gedächtnisstütze bei der Wiederholung, Dekomaterial für den Klassenraum, Tafelbild mit bestimmten Details usw.). Diese Datei ist editierbar und kann für die eigene Stundenplanung und Unterrichtsdokumentation angepasst werden.

 

Tags: ready-to-use, scaffolding, differenzierung, editierbare Dateien

Wenn du den Blog-Artikel magst dann klicke auf das Herz. Das hilft uns zu verstehen, welche Artikel besonders lesenswert sind.


Autor Schulzoo-Mutti - Maike Wilstermann-Hildebrand bietet 73 Materialien für Biologie, Sachunterricht und 5 weitere Fächer an - zum Beispiel:

Kommentare und Fragen von anderen Nutzern
Bitte melde dich an, um einen Kommentar zu hinterlassen.
Bitte beachte auch unsere Datenschutzbestimmungen.