Wenn ich in eine Klasse komme, in der es morgens regelmäßig knallt, schaue ich zuerst nicht auf den Unterricht. Ich schaue auf die ersten zehn Minuten.
Kinder, die zu Hause schon einen schwierigen Morgen hatten, kommen nicht als Lernende in den Raum. Sie kommen als Kinder, die noch nicht angekommen sind. Wenn der Unterricht dann sofort startet, verlieren wir sie – und holen sie oft den ganzen Vormittag nicht mehr zurück.
Was hilft, ist erstaunlich schlicht: ein gleichbleibendes Ankommensritual. Immer dasselbe, immer in derselben Reihenfolge. Begrüßung an der Tür, ein fester Platz, eine kleine immer gleiche Aufgabe auf dem Tisch. Kein pädagogisches Feuerwerk – Verlässlichkeit.
Der Grund dafür ist kein Bauchgefühl: Wiederkehrende Abläufe entlasten das Arbeitsgedächtnis. Wer nicht überlegen muss, was jetzt passiert, hat den Kopf frei fürs Lernen. Gerade Kinder im Förderschwerpunkt emotional-soziale Entwicklung profitieren davon am meisten.
Zwei Dinge, die ich in der Praxis immer wieder sehe:
Ein Ritual wirkt erst nach etwa drei Wochen. Wer nach fünf Tagen aufgibt, weil es „nichts bringt", hört genau dann auf, wenn es zu wirken beginnt.
Und: Das Ritual muss auch an schlechten Tagen stattfinden. Besonders an schlechten Tagen. Ein Ritual, das nur läuft, wenn es ohnehin ruhig ist, ist kein Ritual.
Fünf erprobte Ankommensrituale habe ich als kostenloses Material zusammengestellt – zu finden unter meinen Gratis-Materialien.
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