Während meiner Schulzeit hieß es immer: „Du musst Times New Roman verwenden. Das macht man an der Uni so!“
An der Universität wiederum hieß es: „Verwenden Sie Calibri, das verlangen wir hier.“
Heute kann ich selbst entscheiden und mir meine eigene Meinung bilden. Die Wahl der Hauptschrift für meine Arbeitsblätter fällt fast immer auf Comic Sans - eine der wohl umstrittensten Schriftarten überhaupt. Zu kindlich, zu unregelmäßig, zu unordentlich!
Doch warum nutze ich sie?
Zum einen gehöre ich zu den Menschen, die diese Schriftart einfach lieben. Zum anderen wird Comic Sans von vielen Menschen mit Legasthenie als angenehm zum Lesen empfunden. Zwar gibt es bislang keine eindeutige wissenschaftliche Studie, die eine bessere Lesbarkeit nachweist, dennoch decken sich diese Erfahrungen mit meinen eigenen Beobachtungen.
Ich habe meine Schüler:innen nach ihrer Meinung gefragt. Die Rückmeldungen fielen zusammengefasst wir folgt aus: Schüler:innen der Oberstufe empfanden die Schrift zunächst als ungewohnt (sofern sie mich noch nicht kannten), beschrieben sie durchweg als gut lesbar und freundlich. Jüngere Schüler:innen verbinden Comic Sans häufig mit ihrer Grundschulzeit und lesen sie ebenfalls problemlos und mögen sie, wahrscheinlich meist aus der Gewohnheit heraus. Insgesamt fällt das Urteil meiner Schüler:innen positiv aus.
Kolleg:innen begegnen der Schrift dagegen häufig mit Skepsis und ändern sie nicht selten in Arial.
Ich möchte an dieser Stelle einige positive Aspekte der Schrift hervorheben:
Die Buchstaben sind größtenteils individuell gestaltet. Sie lassen sich leichter voneinander unterscheiden. Nur die Buchstaben "b" und "d" sind gespiegelt und haben dadurch weniger individuellen Charakter.
Die Buchstabenformen sind unregelmäßig. Dadurch lassen sich Wortbestandteile besser voneinander abgrenzen und Wörter werden nicht als reine Kette von Zeichen wahrgenommen.
Comic Sans ist serifenlos. Die Buchstaben wirken klar voneinander getrennt und „verschwimmen“ beim Lesen weniger.
Diese Eigenschaften treffen auch auf andere serifenlose Schriftarten wie Arial zu. Dennoch berichten meine Schüler:innen der Oberstufe (und ich teile diesen Eindruck), dass Arbeitsblätter in Arial weniger selbst gestaltet wirken. Sie erscheinen zwar professioneller, aber auch distanzierter und weniger freundlich.
Für den Unterricht bevorzugen viele meiner Schüler:innen daher Comic Sans. Sie freuen sich über offensichtlich selbst gestalteten Materialien und arbeiten problemlos mit der Schrift.
Interessanterweise wünschen sie sich in Tests und Klassenarbeiten "professionellere" Schriftarten wie Arial. Sie äußern, dass ihnen diese Schriftart signalisiere, dass die Übungsphase abgeschlossen sei und nun die „ernste“ Prüfungssituation beginne.
Diese Beobachtungen haben keinerlei wissenschaftlichen Anspruch. Dennoch sind sie für mich wertvoll, denn sie spiegeln die Wahrnehmung der Menschen wider, für die ich meine Materialien erstelle.
Deshalb werde ich auch weiterhin die umstrittene Comic Sans verwenden – zumindest so lange, bis meine Schüler:innen mir sagen, dass sie etwas anderes bevorzugen.
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