Illustration erstellt mit ChatGPT ///
Viele Englischlehrkräfte kennen das Problem: Die neue Vokabelliste wurde gelernt, der Vokabeltest lief ordentlich und trotzdem greifen Schüler:innen im Unterricht immer wieder auf dieselben einfachen Wörter zurück. Die neuen Begriffe scheinen zwar bekannt zu sein, tauchen aber in Gesprächen, Diskussionen oder Schreibaufgaben kaum auf.
Das liegt oft daran, dass viele Wörter lediglich im passiven Wortschatz gespeichert werden. Schüler:innen erkennen sie beim Lesen oder Hören, nutzen sie aber nicht selbst. Für eine nachhaltige Wortschatzerweiterung reicht das reine Auswendiglernen deshalb meist nicht aus. Entscheidend ist, dass neue Wörter regelmäßig in authentischen Kommunikationssituationen verwendet werden.
Der passive Wortschatz umfasst Wörter und Wendungen, die Lernende verstehen können. Sie erkennen die Bedeutung, wenn sie ihnen begegnen, verwenden sie jedoch nicht eigenständig.
Der aktive Wortschatz hingegen besteht aus den Wörtern, die Schüler*innen spontan beim Sprechen oder Schreiben einsetzen können.
Gerade dieser aktive Wortschatz ist für erfolgreichen Englischunterricht von zentraler Bedeutung. Schließlich sollen Lernende nicht nur Texte verstehen, sondern sich auch differenziert ausdrücken, Argumente formulieren, Diskussionen führen und eigene Gedanken sprachlich präzise vermitteln. Je größer der aktive Wortschatz ist, desto sicherer und selbstständiger können sie kommunizieren.
Die gute Nachricht: Um den aktiven Wortschatz zu fördern, braucht es nicht unbedingt aufwendige Projekte oder zusätzliche Unterrichtsstunden. Oft reichen kurze, regelmäßig eingesetzte Routinen aus, die neue Wörter gezielt in den Unterricht integrieren.
Hier einige Beispiele:
Vocabulary Challenge: Schüler:innen wählen zu Beginn der Stunde drei bis fünf Wörter oder Formulierungen aus der aktuellen Vokabelliste aus. Ihr Ziel ist es, diese im Verlauf der Stunde aktiv zu verwenden. Jedes erfolgreich eingesetzte Wort wird abgehakt. Am Ende der Stunde kann kurz reflektiert werden, welche Wörter besonders leicht oder schwer einzubauen waren. ➜ Ich habe ein sofort einsetzbares Arbeitsblatt entwickelt, das dich dabei unterstützt!
Vocabulary Bingo Challenge: In die Felder einer Bingo-Karte tragen die Lernenden Wörter oder Phrasen aus der aktuellen Einheit ein. Immer wenn sie einen Begriff sinnvoll in einer Gesprächs- oder Arbeitsphase verwenden, markieren sie das entsprechende Feld. Wer eine Reihe vervollständigt, hat Bingo. ➜ Schau dir hier mein Material dazu an!
Stop and Swap: Jede:r Schüler:in erhält eine Karte mit einem Wort oder einer Formulierung. Nach einer kurzen Austauschphase mit einer Partnerperson wird die Karte weitergegeben. So sprechen die Lernenden innerhalb weniger Minuten über viele verschiedene Begriffe und begegnen dem Wortschatz mehrfach in unterschiedlichen Kontexten. ➜ Hier gibt's mehr Infos zur Methode!
Anlegespiele: Begriffe, Definitionen, Synonyme, Antonyme oder Beispielsätze werden passenden Partnerkarten zugeordnet. Diese Aktivität eignet sich besonders gut als Wiederholung zu Stundenbeginn oder als kurze Sicherungsphase.
Vocabulary Ranking: Die Lernenden ordnen mehrere Begriffe nach bestimmten Kriterien. Beispielsweise können sie entscheiden:
Welche Wörter sind für eine Diskussion am nützlichsten? Welche Begriffe haben die größte Bedeutung für die Zukunft? Welche Wörter wirken besonders formell oder informell? Welche Ausdrücke helfen am meisten beim Schreiben eines Kommentars?
Anschließend begründen sie ihre Entscheidungen und verwenden dabei automatisch den Zielwortschatz.
Picture Talk mit Wortvorgaben: Zeige ein Bild und gib fünf bis acht Wörter oder Formulierungen vor, die während der Besprechung verwendet werden müssen. Die Lernenden versuchen, möglichst viele der vorgegebenen Begriffe sinnvoll in ihre Aussagen einzubauen. Dadurch wird Wortschatz direkt in einen kommunikativen Kontext eingebettet.
Sentence Upgrade: Die Lernenden erhalten einfache Sätze und erweitern diese mithilfe der Zielvokabeln. Aus „The character is sad.“ wird beispielsweise „The character feels isolated and struggles to cope with the situation.“
Three Connections: Drei zufällig ausgewählte Wörter müssen in einem Satz oder einer kurzen Erklärung sinnvoll miteinander verbunden werden. Die Aktivität fordert kreatives Denken und sorgt dafür, dass Lernende neue Begriffe flexibel einsetzen. Besonders spannend wird es, wenn die Wörter auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben.
Exit Ticket Challenge: Zum Abschluss der Stunde verfassen die Schüler:innen auf einem kleinen Zettel einen Satz mit einem neuen Verb und einem neuen Nomen sowie eine Frage mit mindestens einem neuen Verb und einem neuen Adjektiv. ➜ Hier gibt's das passende Material dazu!
Alle diese Methoden haben etwas gemeinsam: Sie lösen Wörter aus der isolierten Vokabelliste und bringen sie in echte Kommunikationssituationen. Genau dort entsteht nachhaltiges Lernen. Je häufiger Schüler:innen neue Wörter aktiv verwenden, desto wahrscheinlicher ist es, dass diese langfristig Teil ihres aktiven Wortschatzes werden.
Dabei müssen solche Übungen keineswegs viel Unterrichtszeit beanspruchen. Schon wenige Minuten pro Stunde können einen spürbaren Unterschied machen und gleichzeitig für mehr sprachliche Aktivität im Klassenzimmer sorgen.
Welche Strategien nutzt du, um den aktiven Wortschatz deiner Schüler:innen zu fördern?
Vielleicht hast du eigene Routinen entwickelt, besondere Spiele ausprobiert oder Erfahrungen mit bestimmten Methoden gesammelt. Teile deine Ideen gerne in den Kommentaren!
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