Sensitivity Reading - behind the book

An einem Buchprojekt sind immer viele Menschen und Fachbereiche beteiligt  Lektorat und Buchsatz, Marketing und Design, Korrektorat oder Sensitivity Reading. Mit den Echt-jetzt-Büchern möchte ich junge Menschen erreichen, doch die Handlung spielt in der Antike. Wie werde ich aktuellen Themen gerecht wie Menschenrechte, Feminismus und Migration? Ich holte mir Hilfe Buchexpertin Tanja Wirnitzer, Lektorat Wortjuwelen.

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Tanja berichtet

Die Autorin Susanne Ospelkaus fragte mich für ein Sensitivity Reading ihres Jugendbuchs „Echt jetzt, Rut?!“ an. Die Herausforderung lag darin, dass die Handlung in der Antike in einem patriarchalen System spielt. Die Autorin hat eine Protagonistin angelegt, die das Rollenmodell zwischen Mann und Frau mit der heutigen Brille hinterfragt, damit die Geschichte für Jugendliche relevant ist und der Transfer von Inhalten in unsere Zeit gelingt. Die Autorin bat um meine Außenperspektive.

Als Oberstudienrätin für berufliche Schulen unterrichte ich Schulkinder im Alter von 15 bis 35 Jahren in den Fächern Wirtschaft, Recht und Ethik. Das erleichtert mir das Lektorat von Jugendbüchern, insbesondere was den Zugang zur Zielgruppe und vor allem ihr Interesse angeht.
In meinem Zweitstudium Philosophie/Ethik konnte ich meine römisch-katholische Erziehung vielschichtig beleuchten. Meine Schwerpunkte galten den Abrahamreligionen. Insbesondere das Christentum habe ich sowohl in China innerhalb einer sehr amerikanischen Gemeinschaft als auch in Simbabwe vor Ort miterlebt.


Vor diesem Hintergrund fühlte ich mich kompetent Suannes Ospelkaus Anfrage zu erfüllen. Ich lektoriere grundsätzlich nach meiner Methode Schreibdreiklang. Das bedeutet, ich widme einem Text drei Durchgänge. Im ersten analysiere ich das Schreibhandwerk, im zweiten den Schreibstil und im dritten die Schreibstimme.
Beim Schreibhandwerk führt die Autorin Jugendliche so gezielt, dass sich das Buch für das Alter in Gänze eignet, also nicht nur an Lesende, die ohnehin dem Thema und dem Medium „Buch“ wohlgesonnen sind.
Beim Schreibstil lag für mich die größte Herausforderung, weil einzelne Wörter im Zeitverlauf vom Zeitgeist sehr polarisierend und dynamisch ausgelegt werden. Ich finde es beeindruckend und zeitlos, wie sich die Autorin hier nicht den gesellschaftspolitischen Debatten gebeugt hat, sondern eine in sich stimmige Form gefunden hat, die für die Zielgruppe und die Zukunft stimmig ist, das Thema zu vermitteln.
Mit ihrer Schreibstimme erreicht sie die Jugendlichen und nutzt gekonnt den damaligen Zeitgeist. Das Leseverhalten und die Alternativen sind von Schnelligkeit geprägt und hier animiert die Schreibstimme zum weiterlesen, während sie gleichzeitig viel Wissen über die Sozialisation in der Antike vermittelt.

Als Lektorin biete ich den Ethikkompass an und dieses habe ich bei diesem Werk angewandt. Das bedeutet, ich habe mir in einem Durchgang Schreibhandwerk, Schreibstil und Schreibstimme angesehen, um mich dann mit allen Absätzen zu beschäftigen, die emotional missverständlich aufgefasst werden können oder zu Fehlvorstellungen führen.

Mit einer katholischen Religionslehrkraft war ich im engen Austausch, was die christliche Pädagogik und meine Auslegung angeht. Hier lässt sich das Buch sehr gut in den Unterricht integrieren und kann als nützlicher Wegweiser für den christlichen, sowie weltlichen Unterricht verwendet werden.


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Tags: ethik, religion, sprachsensibel

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