7 Materialien
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Kann ein Mensch für eine schwere Straftat verantwortlich gemacht werden, wenn Gene, Gehirn, Kindheit und frühere Erfahrungen sein Handeln maßgeblich beeinflusst haben? Genau dieser hochaktuellen Frage widmet sich dieses umfangreiche Lehrermaterial in Form einer realitätsnahen Gerichtsverhandlung. Die Schülerinnen und Schüler übernehmen die Rolle von Schöffinnen und Schöffen und untersuchen den fiktiven Fall Jonas M. aus vier unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven: Genetik, Neurobiologie, Psychologie und Philosophie.
Ausgehend von einem emotionalen Einstieg mit einem persönlichen Brief des Angeklagten entwickeln die Lernenden zunächst eigene Vorstellungen von Schuld und Verantwortung. Anschließend arbeiten sie arbeitsteilig als Sachverständigenteams an vier wissenschaftlich fundierten Fallakten. Jede Akte enthält einen gerichtlichen Untersuchungsauftrag, aktuelle Forschungsbefunde mit Quellenangaben, die kritische Auseinandersetzung mit deren Aussagekraft sowie interaktive digitale Lernmodule zur unmittelbaren Verständnissicherung.
Die genetische Akte beleuchtet den Einfluss biologischer Veranlagungen und das Zusammenspiel von Genen und Umwelt am Beispiel der MAOA-Forschung. Die neurobiologische Akte setzt sich mit dem Bereitschaftspotential, dem Libet-Experiment sowie aktuellen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen auseinander. Die psychologische Akte untersucht die Bedeutung von Bindung, belastenden Kindheitserfahrungen und Resilienz für die Persönlichkeitsentwicklung. Die philosophische Akte führt schließlich die Ergebnisse der Naturwissenschaften zusammen und stellt die zentralen Positionen des Determinismus, Libertarismus und Kompatibilismus gegenüber.
Alle Materialien legen besonderen Wert auf die Unterscheidung zwischen wissenschaftlicher Erklärung, moralischer Bewertung und rechtlicher Verantwortung. Die Schülerinnen und Schüler lernen, statistische Zusammenhänge nicht mit individuellen Ursachen zu verwechseln, empirische Befunde kritisch einzuordnen und deren Grenzen zu erkennen.
Den Abschluss bildet eine simulierte Gerichtsverhandlung, in der die Gruppen ihre Ergebnisse in einem fachlich begründeten Abschlussplädoyer präsentieren und gemeinsam einen Urteilsspruch zur Schuldfähigkeit von Jonas M. entwickeln. Dabei werden wissenschaftliche Erkenntnisse, philosophische Argumentationen und ethische Urteilsbildung miteinander verknüpft.
Die Schülerinnen und Schüler …
erläutern zentrale Positionen der philosophischen Debatte um Willensfreiheit und moralische Verantwortung.
beschreiben den Beitrag von Genetik, Neurobiologie und Psychologie zur Erklärung menschlichen Verhaltens.
erklären den Einfluss genetischer Anlagen, neuronaler Prozesse sowie früher Entwicklungsbedingungen auf menschliches Handeln.
erläutern grundlegende Begriffe wie Determinismus, Libertarismus, Kompatibilismus, Gen-Umwelt-Interaktion, Bereitschaftspotential, Resilienz und moralische Verantwortung.
unterscheiden zwischen wissenschaftlichen Erklärungen menschlichen Verhaltens und philosophischen bzw. ethischen Bewertungen.
Die Schülerinnen und Schüler …
analysieren wissenschaftliche und philosophische Fachtexte hinsichtlich ihrer zentralen Aussagen.
entnehmen unterschiedlichen Materialien relevante Informationen und strukturieren diese adressatengerecht.
unterscheiden empirische Befunde, statistische Zusammenhänge und philosophische Argumentationen.
beurteilen die Aussagekraft wissenschaftlicher Studien und erkennen deren methodische Grenzen.
vergleichen unterschiedliche Erklärungsansätze systematisch und arbeiten Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede heraus.
nutzen digitale Lernformate zur selbstständigen Überprüfung und Vertiefung ihres Fachwissens.
Die Schülerinnen und Schüler …
reflektieren Voraussetzungen moralischer Verantwortung unter Berücksichtigung biologischer, psychologischer und sozialer Einflussfaktoren.
beurteilen die Tragfähigkeit naturwissenschaftlicher Erklärungen für Fragen persönlicher Schuld.
setzen sich kritisch mit unterschiedlichen Freiheitsbegriffen auseinander und prüfen deren Konsequenzen für moralische Verantwortung.
entwickeln auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und philosophischer Positionen ein begründetes Urteil zur Schuldfähigkeit einer Person.
wägen konkurrierende Argumente differenziert gegeneinander ab und begründen ihre eigene Position nachvollziehbar.
Die Schülerinnen und Schüler …
vertreten ihre Position in einer simulierten Gerichtsverhandlung argumentativ und adressatengerecht.
entwickeln gemeinsam begründete Urteile und gelangen durch kooperative Entscheidungsprozesse zu einer konsensfähigen Position.
präsentieren wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich und sachgerecht im Rahmen eines Abschlussplädoyers.
respektieren unterschiedliche Wertvorstellungen und Positionen innerhalb philosophischer Kontroversen.
reflektieren die Bedeutung von Freiheit, Verantwortung und Schuld für eigenes Handeln sowie gesellschaftliche und rechtliche Entscheidungsprozesse.
Was bedeutet es, frei zu sein? Entstehen unsere Entscheidungen aus eigenem Willen oder werden sie von Erfahrungen, Genen, Erziehung und gesellschaftlichen Einflüssen bestimmt? Tragen wir Verantwortung für unser Handeln, wenn unser Leben von äußeren Bedingungen geprägt ist? Und welche Verantwortung erwächst aus wissenschaftlichem Fortschritt für die Zukunft der Menschheit?Dieses umfangreiche Lehrermaterialpaket führt Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe problemorientiert, lebensnah und wissenschaftspropädeutisch durch eine vollständige Unterrichtsreihe zu den zentralen Fragestellungen der philosophischen Anthropologie, Freiheitsphilosophie und Ethik. Die sieben aufeinander aufbauenden Unterrichtseinheiten verbinden klassische philosophische Positionen mit aktuellen gesellschaftlichen Kontroversen, digitalen Lernformaten und handlungsorientierten Unterrichtsmethoden.Den Einstieg bildet die grundlegende Frage nach dem Wesen menschlicher Freiheit. Ausgehend von Rousseau, Kant und Harry G. Frankfurt setzen sich die Lernenden mit Selbstbewusstsein, Reflexion und Selbstobjektivierung auseinander und erkennen, dass Freiheit weit mehr bedeutet als das Fehlen äußerer Zwänge. Aufbauend darauf untersuchen sie die vielfältigen Determinanten menschlicher Entscheidungen und analysieren mithilfe philosophischer Modelle von Peter Bieri und Harry Frankfurt, inwiefern Willensfreiheit trotz biologischer, sozialer und psychologischer Einflüsse möglich bleibt.Die anschließende Gerichtsverhandlung um den fiktiven Fall Jonas M. verbindet Philosophie mit Genetik, Neurobiologie und Psychologie. Die Schülerinnen und Schüler prüfen wissenschaftliche Erkenntnisse kritisch, unterscheiden zwischen Erklärung und Verantwortung und entwickeln auf Grundlage der Positionen des Determinismus, Libertarismus und Kompatibilismus ein eigenes Urteil über Schuld und moralische Verantwortlichkeit.Mit der Unterrichtseinheit zur Wissenschaftsethik richtet sich der Blick schließlich auf gesellschaftliche Zukunftsfragen. Anhand aktueller Technologien wie Geoengineering, Brain-Computer-Interfaces oder künstlicher Organe setzen sich die Lernenden mit den Überlegungen Hans Jonas' und Nassim Nicholas Talebs auseinander und entwickeln Kriterien für verantwortungsvolles wissenschaftliches Handeln angesichts unsicherer Zukunftsfolgen.Die Frage nach Freiheit und Verantwortung wird anschließend anhand der aktuellen Debatte um die Wehrpflicht auf ein politisch-ethisches Dilemma übertragen. Philosophische Positionen von Hobbes, Kant, Mill, Arendt und Sartre ermöglichen den Schülerinnen und Schülern eine multiperspektivische Auseinandersetzung mit individueller Freiheit, staatlicher Pflicht und moralischer Verantwortung.Den philosophischen Höhepunkt bildet die Beschäftigung mit Jean-Paul Sartres Existentialismus. Mithilfe eines interaktiven digitalen Entscheidungsabenteuers erleben die Lernenden unmittelbar, wie Entscheidungen Lebenswege formen, Verantwortung entstehen lassen und Freiheit immer zugleich Möglichkeit und Verpflichtung bedeutet.Den Abschluss der gesamten Unterrichtsreihe bildet eine essayorientierte Reflexionsstunde zur Parabel des angepflockten Elefanten. Hier führen die Schülerinnen und Schüler sämtliche philosophischen Positionen der Reihe zusammen, reflektieren unterschiedliche Freiheitsbegriffe und entwickeln in einem philosophischen Essay eine eigenständige Antwort auf die Leitfrage: „Wie frei ist der Mensch wirklich – und wie frei bin ich selbst?“Besonderes Kennzeichen des Materials ist die konsequente Verbindung philosophischer Originaltexte mit lebensweltlichen Problemstellungen, aktuellen gesellschaftlichen Debatten und interaktiven digitalen Lernformaten. Gedankenexperimente, Simulationen, Gerichtsverhandlungen, Rollenspiele, Filmanalysen, digitale Entscheidungsspiele sowie strukturierte Schreibaufgaben ermöglichen einen abwechslungsreichen und zugleich wissenschaftspropädeutischen Unterricht. Umfangreiche Erwartungsbilder, transparente Bewertungsraster, digitale Übungen mit unmittelbarem Feedback sowie zahlreiche kooperative Lernformen unterstützen sowohl die Unterrichtsvorbereitung als auch die eigenständige Kompetenzentwicklung der Lernenden.Die Unterrichtsreihe eignet sich ideal für den Ethikunterricht der gymnasialen Oberstufe und fördert nachhaltig philosophisches Denken, argumentatives Urteilen sowie die Fähigkeit, komplexe ethische Fragestellungen begründet auf die eigene Lebenswelt und aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen zu übertragen.Ausgebildete KompetenzenSachkompetenzDie Schülerinnen und Schüler ...erläutern zentrale anthropologische und freiheitsphilosophische Positionen von Rousseau, Kant, Frankfurt, Bieri, Sartre, Hobbes, Mill, Arendt, Jonas und Taleb.erklären grundlegende Begriffe wie Freiheit, Willensfreiheit, Handlungsfreiheit, Determinismus, Kompatibilismus, Libertarismus, Selbstbewusstsein, Selbstobjektivierung, Verantwortung und Wissenschaftsfreiheit.analysieren philosophische Konzepte des Menschen sowie deren Bedeutung für Selbstbestimmung und moralisches Handeln.beschreiben biologische, psychologische, gesellschaftliche und philosophische Einflussfaktoren auf menschliche Entscheidungen.erläutern die Bedeutung wissenschaftlicher Erkenntnisse für Fragen von Schuld, Verantwortung und Zukunftsethik.übertragen philosophische Theorien auf aktuelle gesellschaftliche, politische und persönliche Problemstellungen.MethodenkompetenzDie Schülerinnen und Schüler ...analysieren philosophische Originaltexte systematisch und erschließen deren Argumentationsstrukturen.interpretieren Parabeln, Bildimpulse, Gedankenexperimente und filmische Fallbeispiele unter philosophischen Fragestellungen.wenden philosophische Modelle auf lebensnahe Entscheidungssituationen an.vergleichen unterschiedliche philosophische Positionen strukturiert und argumentationsorientiert.analysieren wissenschaftliche Materialien kritisch und unterscheiden empirische Befunde von normativen Aussagen.nutzen digitale Lernformate, interaktive Entscheidungsspiele und Feedbacksysteme zur selbstständigen Vertiefung ihres Fachwissens.verfassen philosophische Essays sowie argumentativ fundierte Stellungnahmen unter wissenschaftspropädeutischen Gesichtspunkten.UrteilskompetenzDie Schülerinnen und Schüler ...beurteilen unterschiedliche Freiheitskonzeptionen hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit für gegenwärtige ethische Fragestellungen.reflektieren die Bedeutung biologischer, psychologischer, sozialer und kultureller Determinanten für menschliches Handeln.wägen konkurrierende Werte wie Freiheit, Sicherheit, Verantwortung und Gemeinwohl argumentativ gegeneinander ab.beurteilen die Reichweite wissenschaftlicher Erkenntnisse für moralische und rechtliche Verantwortung.entwickeln begründete Positionen zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Kontroversen.gelangen zu eigenständigen philosophischen Urteilen und vertreten diese differenziert anhand nachvollziehbarer Argumente.Handlungs- und ReflexionskompetenzDie Schülerinnen und Schüler ...reflektieren eigene Denk-, Wert- und Handlungsmuster vor dem Hintergrund philosophischer Freiheitskonzeptionen.erkennen persönliche und gesellschaftliche Einflussfaktoren ihres Handelns und entwickeln Strategien bewusster Selbststeuerung.übernehmen Verantwortung für eigene Entscheidungen und deren Konsequenzen.diskutieren ethische Fragestellungen respektvoll, argumentativ fundiert und multiperspektivisch.entwickeln Handlungsmöglichkeiten für verantwortungsbewusstes individuelles und gesellschaftliches Handeln.übertragen philosophische Erkenntnisse auf ihre eigene Lebenswelt sowie auf aktuelle Herausforderungen einer demokratischen Gesellschaft.
Klassenstufen: Q1 (11./12. Jhg.), Q2 (12./13. Jhg.)
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