5 Seiten
6 Materialien
6 Seiten






Wie frei sind unsere Entscheidungen tatsächlich? Handeln wir selbstbestimmt oder werden wir von Erfahrungen, Erziehung, Gefühlen und gesellschaftlichen Einflüssen gelenkt? Dieses problemorientierte Lehrermaterial führt Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe schrittweise an eine der zentralen Fragen der Philosophie heran: Was bedeutet Willensfreiheit in einer Welt voller Determinanten?
Ausgangspunkt der Unterrichtseinheit ist ein bewusst provozierender Unterrichtseinstieg. Ein scheinbar benoteter Test versetzt die Lernenden in eine Situation, in der sie den Konflikt zwischen äußerem Druck und persönlicher Überzeugung unmittelbar erleben. Die anschließende Reflexion macht erfahrbar, dass Entscheidungen häufig weniger frei sind, als sie zunächst erscheinen.
Im weiteren Verlauf untersuchen die Schülerinnen und Schüler mithilfe eines interaktiven digitalen Ethik-Kartenspiels, welche Determinanten menschliche Entscheidungen prägen. Anhand individueller Rückmeldungen der App erkennen sie, dass Lebensentscheidungen aus einem komplexen Zusammenspiel biologischer, sozialer und persönlicher Bedingungen entstehen und entwickeln so ein erstes Verständnis des Determinationsbegriffs.
Auf dieser Grundlage setzen sich die Lernenden mit Peter Bieris Kritik eines unbedingt freien Willens auseinander. Sie analysieren philosophische Texte, arbeiten zentrale Argumente heraus und erkennen, dass ein Wille ohne Erfahrungen, Gefühle oder Lebensgeschichte gerade nicht Ausdruck größtmöglicher Freiheit wäre, sondern seinen Bezug zur eigenen Person verlieren würde.
Die theoretischen Überlegungen werden anschließend auf den Film Everything Everywhere All at Once übertragen. Die Lebensgeschichte Evelyns dient dabei als komplexes Fallbeispiel, an dem Determinanten sichtbar gemacht und philosophisch analysiert werden. Ergänzend eröffnet die Viele-Welten-Theorie als Gedankenexperiment einen Perspektivwechsel: Die Schülerinnen und Schüler vergleichen alternative Lebensverläufe und erkennen, dass unterschiedliche Entscheidungen zwar neue Möglichkeiten eröffnen, zugleich jedoch neue Bedingungen und Determinanten entstehen lassen.
Abschließend lernen die Lernenden Harry Frankfurts Unterscheidung zwischen Handlungsfreiheit und Willensfreiheit kennen. Mithilfe des Beispiels eines Süchtigen sowie einer vertiefenden Analyse einer Schlüsselszene aus Everything Everywhere All at Once überprüfen sie, unter welchen Voraussetzungen ein durch Determinanten geprägter Wille dennoch als frei gelten kann. Dabei erschließen sie den Kompatibilismus als philosophische Position und beurteilen kritisch die Vereinbarkeit von Determination und Willensfreiheit.
Das Material zeichnet sich durch einen konsequent problemorientierten Unterrichtsaufbau, lebensweltnahe Beispiele, digitale Lernformate sowie die Verbindung philosophischer Originalpositionen mit filmischen Fallanalysen aus. Die Schülerinnen und Schüler erwerben nicht nur fundierte Kenntnisse zu den Freiheitskonzeptionen Peter Bieris und Harry Frankfurts, sondern entwickeln zugleich die Fähigkeit, philosophische Argumentationen auf konkrete Entscheidungssituationen anzuwenden und kritisch zu reflektieren.
Die Schülerinnen und Schüler...
erläutern die Begriffe Freiheit, Determination, Handlungsfreiheit und Willensfreiheit fachsprachlich korrekt.
beschreiben verschiedene Determinanten menschlichen Denkens, Wollens und Handelns und erläutern deren Einfluss auf individuelle Entscheidungen.
erschließen die zentralen Argumente Peter Bieris zur Kritik eines unbedingt freien Willens.
erklären Harry Frankfurts Unterscheidung zwischen Wünschen erster und zweiter Stufe sowie zwischen Handlungs- und Willensfreiheit.
erläutern den Kompatibilismus als philosophische Position und stellen die Gemeinsamkeiten der Freiheitskonzeptionen Peter Bieris und Harry Frankfurts dar.
Die Schülerinnen und Schüler...
analysieren philosophische Texte mithilfe gezielter Fragestellungen und arbeiten zentrale Argumentationsstrukturen heraus.
entnehmen philosophischen Positionen wesentliche Aussagen und sichern diese strukturiert.
untersuchen komplexe Fallbeispiele sowie Filmszenen mithilfe philosophischer Modelle.
übertragen abstrakte philosophische Theorien auf lebensweltliche Entscheidungssituationen.
vergleichen unterschiedliche Lebensverläufe systematisch hinsichtlich ihrer zugrunde liegenden Determinanten.
entwickeln begründete Argumentationen und beziehen Textbelege sowie konkrete Beispiele in ihre Analysen ein.
Die Schülerinnen und Schüler...
beurteilen den Einfluss biologischer, sozialer und persönlicher Determinanten auf menschliche Entscheidungen.
überprüfen kritisch, ob ein unbedingt freier Wille philosophisch überzeugend begründet werden kann.
bewerten Peter Bieris Auffassung, dass Determinanten Voraussetzung eines eigenen Willens sind.
beurteilen, inwiefern Handlungsfreiheit und Willensfreiheit voneinander zu unterscheiden sind.
setzen sich kritisch mit der Frage auseinander, ob Determination und Willensfreiheit miteinander vereinbar sind.
entwickeln und begründen eine eigene Position zur Frage nach Freiheit, Verantwortung und Selbstbestimmung.
Die Schülerinnen und Schüler...
reflektieren eigene Entscheidungsprozesse vor dem Hintergrund äußerer und innerer Einflussfaktoren.
erkennen Spannungsverhältnisse zwischen persönlicher Freiheit, gesellschaftlichen Erwartungen und individuellen Wertvorstellungen.
setzen philosophische Freiheitskonzeptionen mit eigenen Erfahrungen sowie lebensweltlichen Situationen in Beziehung.
hinterfragen die Voraussetzungen verantwortlichen Handelns und entwickeln ein differenziertes Verständnis persönlicher Freiheit.
Bewertungen und Kommentare